Vorurteile gegenüber Studenten gibt es viele. Wir haben ein paar davon aufgeschnappt und sind diesen in einer Umfrage nachgegangen.

Die ganze Schulzeit lang steigt die Vorfreude auf das Studentenleben – endlich unabhängig sein und raus von zu Haus. Auf das Abitur folgt bei vielen der Eintritt in das Studierendenleben. Doch was einen da erwartet, ist fernab jeder Illusion und ganz anders als alle immer sagen. Wir haben uns mit einigen Klischees über das Studentenleben auseinandergesetzt. Dazu befragten wir 25 Studenten aus verschiedenen Studiengängen in ganz Deutschland und 25 Studenten der Fakultät Medien der Hochschule Mittweida zu ihrem Alltag. So konnten wir ein Résumé ziehen, wie viele Studierende tatsächlich in ihr Studium investieren und ob da überhaupt Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt.

Wie wir in der Redaktionssitzung auf die Idee zu diesem Artikel gekommen sind und wie dieser dann peu á peu entstand, seht ihr hier:

Der typische Student…

1. … ist kein Frühaufsteher – lange auszuschlafen, ist seine Devise.

So ein Student, was macht der eigentlich? Jeden Abend bis spät in die Nacht feiern gehen, um dann am nächsten Tag bis Mittag zu schlafen? Es stimmt, dass ein Studentenalltag meistens nie vor 8 Uhr morgens startet. Ganz einfach deswegen, weil Professoren und Studenten, die oft außerhalb der Hochschulstadt wohnen, diese Zeit brauchen, um zum Studienort zu kommen. Das belegt unsere Umfrage, bei der die Mehrheit angab, zwischen 5 Uhr und 7 Uhr den Tag zu beginnen. Dann heißt es, sich fertig zu machen und per Fahrrad, zu Fuß, mit dem Auto oder doch mit der Bahn zur Hochschule zu gelangen. So steht einer unserer Befragten täglich bereits um 4.40 Uhr auf, seine erste Vorlesung beginnt allerdings erst um 8 Uhr. Grund für das frühe Aufstehen ist, dass der Zug um 6.15 Uhr erreicht werden muss, um von seinem Wohnort zu seinem Hochschulort zu gelangen. Stimmen Wohn- und Hochschulort allerdings überein, reicht den meisten eine Stunde „Aufwachzeit“, wie zum Beispiel bei vielen Studierenden der HSMW. Wohnung und Campus liegen hier oft nur wenige Minuten voneinander entfernt. Ab und zu kommt es natürlich vor, dass ein Seminar auch erst um 14 Uhr beginnt, dann können auch die Pendler mal etwas länger schlafen  –  Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

2. … ist stinke faul!

Unser Wochentag startet zwar nicht regelmäßig um 7 Uhr früh, dafür haben wir aber auch nicht jeden Tag um 16 Uhr Feierabend. Studenten haben keinen geregelten Tagesablauf, wir sind also nicht wie der durchschnittsdeutsche Arbeitnehmer von morgens bis nachmittags bei der Arbeit. Gleichzeitig haben wir keinen Vorgesetzten, der uns kontrolliert. Dem ein oder anderen weniger Motivierten mögen diese Fakten Anreiz dazu geben, mal ein Stündchen länger im Bett liegen zu bleiben. Aber auf die Mehrheit kann dies keineswegs bezogen werden. Über die Hälfte der Befragten gab an, selten vor 18 Uhr mit Vorlesungen, Seminaren, Tutorien oder Projekten fertig zu sein. Denn all das fällt auch in den Tätigkeitsbereich eines Studenten. So kann sich ein Tag auch mal bis abends um 22 Uhr in die Länge ziehen. An der Fakultät Medien der Hochschule Mittweida werden die Lichter auch immer erst sehr spät ausgeknipst. Unsere 25 Probanden gaben an, mehrmals die Woche bis abends um 20 Uhr in der Hochschule zu sitzen, sei es durch Redaktionssitzungen, Teambesprechungen oder weil noch der morgen zu veröffentlichende Text online gestellt werden muss. Durchschnittlich sind unsere befragten Studenten mit Hochschule und allem was nun mal dazu gehört ca. 46 Stunden in der Woche beschäftigt. Wirklich stinkfaul?

3. … hat viel zu viel Zeit.

Gerade in den monatelangen Semesterferien. Studenten sitzen teilweise von morgens bis abends in der Uni, bearbeiten Projekte über Projekte und ganz nebenbei lernen sie auch noch für Klausuren. Und in den Semesterferien warten dann Hausarbeiten auf einen. Viele müssen die Zeit nutzen, um Praktika für ihre Vita zu sammeln und Geld zu verdienen. Zu viel Zeit hat man da selten. Durch die Einführung des Bologna-Prozesses und der Modularisierung haben viele Bachelorstudenten einen sehr engen Lehrplan, den es zu bewältigen gilt. Es wird ein höherer Wert auf einen nahen Praxisbezug gelegt, da wird das Lernen für Klausuren schnell in den Hintergrund befördert, was ja ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt. Eine Woche vor der Klausur frisst man all das, was man eigentlich schon längst wissen sollte, in sich hinein. Von diesem „Bulimie-Lernen“ bleibt dann nach der Klausur nicht viel übrig. Schade bei den doch sehr interessanten und relevanten Fächern. Viele Studenten haben bei der Umfrage ausgefüllt, dass sie neben der Hochschule noch arbeiten gehen. Eine Zusatzbelastung, um den Eltern nicht auf der Tasche zu liegen oder sich neben dem BAföG was dazuzuverdienen. Sieben Stunden investieren unsere Befragten unter der Woche durchschnittlich mit Geldverdienen. So bleiben noch durchschnittlich ganze 22 Stunden von Montag bis Freitag, die die Studenten als Freizeit betiteln und zum Durchatmen nutzen können. Studenten der Fakultät Medien arbeiten im Vergleich weniger nebenbei als Studenten anderer Hochschulen. Begründet liegt das wohlmöglich an den Praxismodulen wie dem Campusfestival, dem Medienforum oder dem 99drei Radio Mittweida. Es wird von den Studenten eine hohe Eigeninitiative gefordert, über Vorlesungsschluss und sogar über die Semesterferien hinaus. Bereits jetzt stecken viele Studenten in den Vorbereitungen für das Medienforum 2014, müssen noch Artikel für das Printmodul schreiben oder halten das Radio mit aktuellen Beiträgen auf dem Laufenden.

Ein Vorurteil speziell gegenüber Medienmanagern:

4. Studieren die überhaupt, sind die nicht eh nur am Feiern?

Vorlesungen, Tutorien und Seminare gehören genauso zu dem Studienalltag eines Medienmanagers, wie es bei anderen Studiengängen auch der Fall ist. Vielleicht haben andere Studiengänge anspruchsvollere Vorlesungen, Thematiken oder Klausuren, aber die Projekte fallen kürzer aus oder komplett weg. Unsere Umfrage hat gezeigt, dass die 25 Studenten aus anderen Hochschulen Deutschlands mehr Vorlesungen haben, aber nach Vorlesungsende keine zu belegenden Praxismodule warten. Und diese fressen nicht unerheblich wenig Zeit. Uni, Projekte und die vielen zu belegenden Module müssen alle in nur sechs Semestern unter einen Hut gebracht werden, da ist ein enges Zeitfenster vorprogrammiert.

Letztlich besteht der große Unterschied zwischen Studenten und Arbeitenden doch darin, dass Studenten keinen geregelten Arbeitstag haben. Studenten gehen nicht aus dem Büro und sind fertig mit der Arbeit. Es ist die Kunst, den Spagat zwischen Arbeit und Freizeit zu schaffen, denn studieren heißt, sich selbst seine Zeit einzuteilen, Freiräume zu schaffen und dabei eben nicht stinke faul zu werden.

Text: Lisa Mehrling. Kamera/ Licht: Jörn Schelter, Clemens Müller. Schnitt: Jörn Schelter. Beitragsbild: Sarah Krause.