Medienforum Mittweida 2009
Den Tätern auf der Spur
09.11.09 08:00 Uhr | Unter dem Titel "tatort:MEDIEN – verstehen, was passiert" startet heute, am 9. November, das 13. Medienforum Mittweida. Die Gäste erwartet ein breit gefächertes Programm, auch Nachtaktive kommen auf ihre Kosten.
Das Logo des Medienforums Mittweida 2009. Quelle: Medienforum Mittweida, Bearbeitung: Alexander Haase

In den kommenden Tagen wird Mittweida wieder zur "Medienhauptstadt", denn das Medienforum wartet im 13. Jahr erneut mit namhaften Experten der Branche, sowie rund 1.000 angemeldeten Gästen an der Hochschule auf. Diese treffen sich auf dem Fachkongress, um sich in Vorträgen, Panels, Diskussionsrunden und Workshops über Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen der Medienbranche auszutauschen. Dabei liegt der Kongress, der in diesem Jahr erstmals vier Tage dauert, von der Planung bis zur Umsetzung komplett in studentischer Hand. In Zahlen heißt das: 31 Veranstaltungen mit 61 Referenten, organisiert von rund 150 Studenten.

Den "tatort:MEDIEN" sehen die Macher dabei als einen öffentlichen Schauplatz für Information und Unterhaltung. Dabei geht es besonders darum, Ursachen und Probleme zu analysieren und aufzuklären. Medienkenner und -macher, aber auch Interessierte sollen hier die Möglichkeit bekommen, sich zu informieren, Meinungen auszutauschen und zu verstehen, was passiert. Producer Philipp Girrger meint: "Ich würde mich sehr freuen, wenn alles gut über die Bühne geht und das Publikum viel lernt und dabei auch viel Spaß hat."

Im Gedenken an den Mauerfall

Die heutige Eröffnungsveranstaltung steht ganz im Zeichen des Mauerfalls. Schließlich waren es auch die Medien, die dieses Ereignis vor genau 20 Jahren letztendlich herbeiführten. ARD-Moderator Hanns Joachim Friedrichs eröffnete die "Tagesthemen" am 9. November 1989 mit dem frei erfundenen Satz "Die Tore in der Mauer stehen weit offen", woraufhin tausende Menschen hoffnungsvoll zu den Grenzübergängen stürmten. Daran erinnern sich heute Dr. Jürgen Sudhoff, damaliger Staatssekretär im Bonner Auswärtigen Amt, der Pfarrer Heinz Eggert, später sächsischer Innenminister sowie einer der Sprecher des Zentralen Runden Tisches, Volker von der Heydt. Beginn ist um 18 Uhr im Studio B der Hochschule.

Jürgen Sudhoff gewährt am Dienstag, den 10. November, erneut einen Einblick in seine persönlichen Erlebnisse des Jahres 1989 im Vortrag "Als der eiserne Vorhang fiel". So wird er beispielsweise über seine Verhandlungen mit der Regierung Ungarns zur Lösung der DDR-Flüchtlingsfrage berichten und zur Begleitung nach Polen Geflüchteter auf ihrem Zug von Warschau nach Helmstedt.

Wirtschaftliches Handeln als Priorität?

Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz liegt auf wirtschaftlichen Aspekten der Medien. Am Dienstag findet dazu die Podiumsdiskussion "Pressefreiheit versus Wirtschaftserfolg" statt. Vertreter aus der Branche versuchen, die Frage zu klären: "Macht der ökonomische Druck die journalistischen Freiheiten platt?".

Um wirtschaftlichen Erfolg im weiter gefassten Sinn geht es am gleichen Tag in der Diskussion mit dem Titel "Dschungel-Camp versus Wetten, dass...". Denn auf der Jagd nach den Zuschauer-Quoten und damit möglichst hohen Werbeeinnahmen lässt oftmals die Qualität des Programms zu wünschen übrig. Über den Niveau-Verfall im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und darüber, ob es sich noch lohnt, Rundfunkgebühren zu zahlen, debattieren Holger Kreymeier und Frank Höfling.

Kleine Welten, Sensationsgeilheit und Amokläufe

Am Mittwoch, dem 11. November, stehen ebenfalls mehrere Diskussionen auf dem Plan des Medienforums. Bereits um 9 Uhr werden die "Internationale Computerspielentwicklung" und deren Marktchancen beleuchtet. In der zweiteiligen Veranstaltung "Kommunikation in kleinen Welten" steht die Sonderstellung ortsnaher elektronischer Medien zur Debatte. Diese konnten sich in den letzten Jahren in Ostdeutschland auf ihren kleinen Märkten behaupten, besonders gegenüber den Printmedien. Teilnehmer sind Andreas Richter von der Sächsischen Landesanstalt für Privaten Rundfunk und neue Medien, Professor Ludwig Hilmer sowie weitere Hochschulmitarbeiter und Vertreter aus der Wirtschaft.

Unter dem Titel "Ethik versus Entertainment" diskutieren unter anderem Professor Horst Müller, MDR-Intendant Udo Reiter und der dpa-Redakteur Manfred Protze über das Problem der grenzenlosen "Sensationsgeilheit" der Medien. Sie gehen dabei der Frage nach, ob Provokation das einzige Mittel ist, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Ein ähnliches und ebenfalls provokatives Thema wird in dem Panel "Killerspiele und Heavy Metal – Das Rezept für den Amoklauf?" aufgegriffen. Machen aggressive Musik und Ego-Shooter harmlose Menschen zu Mördern? Was sind die wirklich gefährlichen Ursachen? - Diese und weitere Fragen sollen am Mittwochabend im Studio B debattiert werden.

Kooperation mit "Reporter ohne Grenzen"

Hierzulande haben Reporter das Recht, ihre Meinung frei zu äußern und zum Beispiel zu behaupten, die Gründe für derartige Tragödien zu kennen. In manchen Teilen der Welt sieht das anders aus. Die Veranstalter des Medienforums 2009 möchten zeigen, welchen Einschränkungen Journalisten weltweit unterworfen sind und was dagegen getan werden kann. Mit der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) haben sie dafür einen geeigneten Partner gewinnen können. Seit nunmehr 15 Jahren setzt sich der Verein für demokratische Werte und das Aufdecken von Menschenrechtsverletzungen ein.

Der Geschäftsführer des ROG e.V., Christian Rickerts, wird an der Diskussion "Zwischen Aufklärung und Zensur - die Pressefreiheit im internationalen Vergleich" am Mittwoch teilnehmen. Ebenso wie ZDF-Auslandskorrespondent Ruprecht Eser, Hagen Tober, Produzent internationaler TV-Reportagen und Joachim von Hippel, der Reporter für Krisengebiete ausbildet. Näheres wird von Hippel am Donnerstag, den 12. November, im Vortrag "Berichterstattung aus Krisengebieten" ausführen. Der frühere Soldat und Personenschützer will erzählen, was Journalisten in den Gefahrenzonen erwartet.

In Kontakt treten

"KONTAKT - Das Portal für Medienmacher" bringt die Besucher und Referenten des Medienforums sowie Lehrende der Hochschule abseits von Diskussionsrunden und Vorträgen zusammen. Hier besteht die Möglichkeit persönliche Gespräche mit den Experten zu führen, sich Tipps einzuholen oder Beziehungen zu knüpfen. Außerdem stellen sich Unternehmen aus der Medienbranche vor. Die Teilnahme am Kontaktportal ist am Dienstag von 18 bis 20 Uhr im Studio B möglich.

Abendprogramm mit Poesie und Akrobatik

Nachdem am Tag über ernste Themen referiert und diskutiert wird, soll am Abend die Unterhaltung nicht zu kurz kommen. Der "Mittweidaer Poetry Slam", der sein Debüt vor einem Jahr in Kooperation mit dem Medienforum hatte, ist dieses Mal fester Bestandteil des Kongresses. Im Wettbewerb treten die Teilnehmer mit ihren selbst verfassten literarischen Texten gegeneinander an. Erlaubt ist, was gefällt und so dürfen die Slammer dem Publikum eigene Gedichte, Geschichten, Poesie oder sogar Rap vortragen. Musikalische Unterstützung kommt von der Band "Lord Advocate", die zum ersten Mal unplugged spielen werden. Ausgetragen wird der Poetry Slam am Dienstag um 21 Uhr in der "Alten Brauerei" Mittweida.

Am Abend darauf widmen sich die Protagonisten der 15. Mediennacht Mittweida unter dem Motto "nachtaktiv" alten Künsten und modernen Medien und wollen dabei für große Überraschungen sorgen. Was sie den Zuschauern in der abendfüllenden Live-Show präsentieren, wollen sie im Vorfeld noch nicht verraten, nur so viel: Es wird eine Geschichte über die mysteriöse Welt der Träume erzählt, untermalt von Akrobatik, Schauspiel, Tanz und Musik. Aufgeführt wird das Ganze am Mittwoch um 20 Uhr in der Bürkelhalle Mittweida. Aus technischen Gründen musste die Mediennacht in diesem Jahr vom Studio A dorthin verlegt werden. "Hier betraten wir Neuland. Die unbekannten Gegebenheiten sind gerade auch für die Technikteams eine Herausforderung", so Producerin Annett Bors. Die abschließende Party zur Mediennacht steigt ab 22 Uhr in der "Alten Brauerei".

Weitere Beiträge zum Fachkongress können Sie in den nächsten Tagen auf medien-mittweida.de lesen. Nähere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf der Website des Medienforums Mittweida 2009.

Medienforum Mittweida

Ressort: Campus | Themen: Medienforum Mittweida 2009
Yvonne Langner
Über den Autor:
Name:
Yvonne Langner
Studiengang:
Medientechnik 2007


Nach allen Artikeln des Autors suchen

Zurück

Diesen Artikel kommentieren

*
*
Bitte addieren Sie 1 und 5.*

Diesen Artikel weiterempfehlen

Share |
Die Seite durchsuchen

Medienforum Mittweida 2010

Karikatur

14.07.10 Heldenhafte Verdienste 2010- Südafrika

Offline Serie

Umfrage zur Internetnutzung der Studenten
Multimedia
Video - "Die Krise ist nicht inhaltlich"

The player will show in this paragraph

10.06.10 | Medien | Alexander Maack - Sie ist eine der bekanntesten Journalistinnen Deutschlands. In der Vortragsreihe "Akademischer Dialog Mittweida" sprach Barbara Dickmann an der Hochschule über den Wandel und die Entwicklung der Medien. weiter

Campuskalender


Letzte Kommentare
Nachrichten
BücherWelten Mittweida zu Ein Campus mit Geschichte am 28.07. um 15:41 Uhr
Alexander Maack zu Der Neue im Haifischbecken am 24.07. um 22:26 Uhr
Bildergalerien
Felix zu Kamerun ist Weltmeister am 15.05. um 23:24 Uhr
Felix Bollwahn zu Kamerun ist Weltmeister am 07.05. um 12:06 Uhr
Die Wochenzeitung NOVUM
Ausgabe 20/2010 vom 22.06.10
Top-Thema: Radikaler Rettungsweg - Es ist ruhiger geworden in der rechten Szene. Das bestätigen sowohl der sächsische wie auch der bundesweite Verfassungsschutz.

99drei Radio Mittweida