You'll never walk alone
"Beam me up Scotty"
05.02.10 08:00 Uhr. Seit über 40 Jahren fliegt die Enterprise nun schon durch die unendlichen Weiten des Weltraums. Star Trek kennt irgendwie jeder, es ist ein Phänomen, es ist Kult. Ein Blick auf die, die dafür gesorgt haben: die Fans.
Die Mitglieder des Dresdner Star Trek Fanclubs Starbase Roddenberry e.V., Foto: Jakob Ihde, Grafik: Alerxander Haase
"Durchgeknallte Spinner, die sich in lächerlich bunte Uniformen quetschen, eine außerirdische Sprache sprechen, und jeden Bezug zur Realität verloren haben." So oder so ähnlich sieht es wohl aus, das öffentliche Bild der Star Trek-Fans. Ein verzogenes Gesicht oder ein vielsagendes "Aha" sind dann oft die Reaktionen, denen sich die Fans stellen müssen, wenn sie sich unter Nichtfans outen. Doch "Trekkies" sind viel mehr.

Die Rettung einer Fernsehserie

Als 1966 das erste Mal die "Enterprise" über die amerikanischen Mattscheiben flog, hatte wohl noch niemand die Ahnung, dass Star Trek einmal eine der bekanntesten Fernsehserien der Geschichte sein würde. Erst recht nicht, als die Sendung nach zwei Jahren auf Grund von schwächelnden Quoten abgesetzt werden sollte. Doch selbst in dieser kurzen Zeit hatte sich eine Fanbasis gebildet. In einer bis dahin beispiellosen Fankampagne schaffte sie es, "ihre" Serie um ein weiteres Jahr verlängern zu lassen. Ein Indiz für das, was kommen sollte. Heute, über 40 Jahre später, ist Star Trek eines der erfolgreichsten Franchises überhaupt. Sechs Fernsehserien mit insgesamt 726 Episoden und 11 Kinofilme wurden seit 1966 produziert. Ohne die Treue der "durchgeknallten Spinner" wäre das nicht möglich gewesen.

Bei den späteren Wiederholungen von Star Trek wuchs die Fangemeinde immer weiter an. Anfang der 70er kam es zu den ersten Star Trek Conventions – also den Fantreffen. Bald wurden dazu auch die Darsteller und Produzenten eingeladen, um live von ihren Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten. In einer Dokumentation über Star Trek Fans "Trekkies" schildern viele Schauspieler der Serien ihr Erstaunen, über diese Entwicklung. "Die laden dich nach New York ein. Bezahlen den Flug und das Hotel. Die sind verrückt", sagt zum Beispiel George Takei, Darsteller des "Sulu". Die anfangs eher überschaubaren Treffen wuchsen mit der Entstehung neuer Serien und Filme zu immer größeren Veranstaltungen. Heute findet die größte Star Trek Convention einmal jährlich im Las Vegas Hilton statt. In Europa zählt die FedCon in Bonn jedes Jahr zu den Höhepunkten der Fans. Kostümwettbewerbe, Autogrammstunden, Auftritte der Darsteller aus Star Trek und anderen Science-Fiction-Serien, Workshops, Filmvorführungen und Merchandise-Stände gehören zum festen Bestandteil der Convention. Entstanden ist die FedCon durch den offiziellen Star Trek Fanclub Deutschland. "Wir hatten irgendwann die Idee eine eigene Star Trek-Veranstaltung mit Schauspielern zu machen", so Dirk Bartholomä, Leiter des Fanclubs gegenüber medien-mittweda.de.

Doch auch abseits von diesen Großveranstaltungen treffen sich die Fans. Oft bei sogenannten "Trekdinnern". In vielen deutschen Städten gibt es sie. In unterschiedlichen Abständen kommen die Mitglieder zusammen und reden über Gott, die (Science-Fiction-) Welt und natürlich Star Trek. Auch hier sind oft die berüchtigten Uniformträger zu finden. Die vermeintlichen "Spinner" entpuppen sich aber meistens als liebenswerte, offene Menschen, die einfach ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen; eben nur in Uniform beim Trekdinner, anstatt mit Trikot im Stadion. Neben dem Konsum der Folgen und Filme werden viele Fans auch selbst kreativ und spinnen die Geschichte ihres Lieblingsuniversums weiter. Eigene Serien, die in geschriebener Form den Weg in die Welt finden, oder sogar ganze Filmproduktionen. In liebevoller Kleinarbeit werden zum Teil original Kulissen nachgebaut, um eigene Ideen umzusetzen.

Aber warum gerade Star Trek?

Ist das nicht nur eine Science-Fiction-Serie unter vielen? Dave vom Trekdinner Dresden meint dazu gegenüber medien-mittweida.de: "Star Trek stellt eine mögliche Zukunft deutlich realistischer dar, als beispielsweise Star Wars". "Es ist offener und hat viele Elemente, die du in anderen Serien so nicht hast: Die unterschiedliche Herkunft der Charaktere, Religion und wie sie trotzdem miteinander klar kommen", fügt Lilli, ebenfalls Mitglied im Dresdner Star Trek Fanclub, hinzu. Schon immer ist Star Trek dafür bekannt, eine positive Zukunft zu zeigen. Das sticht aus sonstigen Science-Fiction-Produktionen heraus, die oft düstere Szenarien thematisieren. Trotzdem werden auch in den verschiedenen Serien und Filmen, in die Geschichten eingebettet, gesellschaftliche und politische Themen, wie Umweltschutz, Todesstrafe, Rassismus, oder Terrorismus angesprochen. Star Trek spielt zwar in der Zukunft, bleibt aber bei den gezeigten Problemen stets ein Spiegel unserer Zeit. Die in den Serien propagierte Toleranz ist auch bei den Fans zu finden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Faszination Star Trek durch alle Gesellschaftsschichten und Kulturen zieht, egal ob arm oder reich, schwarz oder weiß.

Das funktioniert aber auch umgekehrt, vor allem was die Technik angeht: Viele Star Trek Fans, die als Kind gespannt den Abenteuern von Captain Kirk folgten, haben die visionäre Technik aus der Serie immer mehr zur Realität werden lassen. Der Erfinder des Mobiltelefons Martin Cooper lies sich zum Beispiel vom Communicator, einem kleinen Gerät, mit dem Kirk von Planeten aus mit der Enterprise im Orbit sprechen konnte, inspirieren. Auch einer der größten Physiker unserer Zeit Stephen Hawking ist bekennender "Trekkie" und spielte sich in einer Folge sogar selbst.

Die goldene Kuh

Neben allem Idealismus ist Star Trek für die Produktionsfirmen Paramount und CBS Corporation aber vor allem eine Geldquelle. Dass die weiter sprudelt, dafür sorgen besonders die Fans. Denn neben den Einnahmen durch den Verkauf der Serien an Fernsehsender ist es besonders der Verkauf von Fanartikel, durch den Star Trek eine goldene Kuh darstellt – und die wird auch kräftig gemolken. Krawatten, Tassen, Modelle, Actionfiguren, Bücher, DVDs, Schmuck, Parfum, Masken, Uniformen, Computerspiele – es gibt nichts, was es nicht gibt. Während einige Fans eine riesige Sammlung ihr Eigen nennen, sind andere lieber Fan im Geiste. Das Fansein ist so vielseitig, wie die Fanartikel.

Inspiration für neue Technik, Beiträge zur Völkerverständigung oder einfach nur Wirtschaftgut: Wie groß die Auswirkungen von Star Trek auf unsere Gesellschaft sind, lässt sich schwer sagen. Aber wer hat kein Handy? Wer kennt nicht die "Enterprise", "Klingonen", "Kirk und Spock" oder den viel zitierten Satz: "Wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist"? Ist "beamen" nicht schon längst Synonym für den Ort zu Ort Transport? Die Vision von einer Welt ohne Hunger und Rassismus, von der Reise zu fremden Sternen, von einer positiven Zukunft strahlt eine gewisse Faszination aus. Steckt nicht in jedem von uns ein mehr oder weniger verborgener "Trekkie"?

Ressort: Panorama | Themen: Fernsehen, Film, Gesellschaft
Jakob Ihde
Über den Autor:
Name:
Jakob Ihde
Studiengang:
Medientechnik 2009


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Kommentar von Jack | 05.02.10

Star Trek stellt nicht "die" Zukunft dar, Star Trek stellt "eine" Zukunft dar bzw. mögliche Aspekte davon. In keinster Weise mit Star Wars zu vergleichen (das übrigens viele Filmkritiker dem Fantasy-Genre zurechnen).

Science Fiction, wie der Name schon sagt, beinhaltet wissenschaftliche Fiktion. Wäre irgendwie paradox hier tatsächlich schon funktionierende Techniken zu erwarten. Wer hat denn im 18.Jahrhundert über das "Internet" nachgedacht? - nichtmal am Rande des menschlischen Horizonts war das möglich.

Jetzt also ernsthaft Star Trek kritisieren zu wollen, weil Zeitlinien nicht eingehalten werden (Khan) entbehrt nicht einer gewissen Lächerlichkeit. Hunderte Schreiberlinge, schrieben hunderte Geschichten, zusammengehalten von der Dachmarke Star Trek. Ziel: die Leute mit futuristischen Szenarien unterhalten. Das führt dann auch mal zu kitschigen Gummi-Monstern...

Zu den letzten beiden Punkten:
2) aktuelle Themen: als da wären? Krieg gegen die Romulaner? Klingonische Opern? Tratsch von der Sternenflotten-Akademie?
3) Weltfrieden? Es gibt immer wieder Konflikte, in die die Erde verwickelt wird. Mehrfach steht sie vor der Auslöschung. Die ST Geschichte selbst beginnt nach dem 3. Weltkrieg, in dem sich die Menschen selbst fast vernichtet hätten. Daraus zu lernen, ist nur realistisch.

Kommentar von Christian | 05.02.10

Ich bin durchaus ein Fan von Star Trek. Dennoch muss man sagen, dass der Trekkie-Club aus DD die ganze Sache zuuu positiv sieht!
"Star Trek stellt eine mögliche Zukunft deutlich realistischer dar, als beispielsweise Star Wars"
Es geht um Science-Fiction. Da ist der Realismus ja sowieso schwer einschätzbar, aber ich halte es für wenig Realistisch, dass die Menschheit in 200 Jahre total friedlich geworden ist und die Dummheit ausgestorben ist.
Außerdem kann man sich zum Thema Realismus ja mal mit den Folgen über "Khan" beschäftigen. Nach Star Trek Historie wären wir jetzt alle genmanipulierte Übermenschen (und zwar mindestens seit 1996).
Und als letztes sollte man mal Erwähnen dass sich Star Trek selbst sehr häufig widerspricht. Am krassesten ist hier natürlich das Thema Zeitreisen (was bei Star Wars im übrigen völlig fehlt). Auch im Zusammenhang mit der Überlichtgeschwindigkeit bietet einem Star Trek weniger Realismus als Star Wars (falls man das bei diesem äußerst unrealistischen Thema überhaupt sagen kann).

"Es ist offener und hat viele Elemente, die du in anderen Serien so nicht hast: Die unterschiedliche Herkunft der Charaktere, Religion und wie sie trotzdem miteinander klar kommen"
Offener ist Star Trek wirklich. Das liegt aber daran, dass das Star-Trek-Universum schon so lang lebt. Es wird immer wieder erweitert (durch die 6 Serien und 11 Filme). Aber die Charaktere sind eher eine Schwäche von Star Trek. In der ersten Serie (und den ersten 6 Filmen) steht Kirk schon sehr weit im Vordergrund, aber wenigstens bekommt die Brückencrew ab und an noch die Möglichkeit sich zu entwickeln. In allen späteren Serien (mit Ausnahme von Deep Space 9) steht der jeweilige Hauptcharakter so weit im Vordergrund, dass die anderen schon fast zu besseren Statisten degradiert werden.

Was Star Trek meiner Meinung nach so erfolgreich macht sind folgende Dinge:
1. Es ist recht stereotypisch organisiert. Das macht es einfach zu verdauen. Kirk hat immer Stress mit Klingonen, Picard löst immer alle Probleme total diplomatisch, der neue auf der Brücke stirbt IMMER, Die Rassen haben alle einzigartige Fähigkeiten (außer natürlich die Menschen) etc. lässt aber durch die oben beschriebene offene Welt viele Möglichkeiten offen.
2. Das wurde auch angesprochen: Aktuelle Themen stehen im Mittelpunkt. Die Menschen können sich einfach mit dem identifizieren, was da gerade passiert.
3. Weltfrieden! Die Menschen auf der Erde leben absolut friedlich und widmen sich fast ausschließlich höheren Zielen. Egoismus tritt in den Hintergrund. Davon träumen die Menschen.
*
*
Bitte rechnen Sie 8 plus 3.*

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