Kommentar zum Valentinstag
Die verkaufte Liebe
12.02.10 08:00 Uhr | Der erste finanzielle Höhepunkt des Jahres steht fett markiert im Kalender – zumindest aus Sicht der deutschen Romantikwirtschaft: der Valentinstag. Für schmachtende Liebhaber ein Festtag, für den Rest der Bevölkerung ein ganz spezieller Anlass zum Fremdschämen.
Can't Buy Me Love? Grafik: Alexander Haase
Fast Food, Wonderbra, koffeinhaltige Softdrinks und Mickey Mouse – alles sehr gut gemeinte Darreichungen aus Übersee. Aber als wären das nicht schon genug Kinkerlitzchen, haben uns die Vereinigten Staaten zudem noch den Valentinstag beschert. Gesellschaftsfähig war dieses liebevolle Übel schon seit dem Mittelalter. Richtig populär wurde es in unserer Republik allerdings erst Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts – verbreitet durch die amerikanischen Besatzungskräfte, die den Brauch nach dem Zweiten Weltkrieg mit in die, bis dahin scheinbar liebesfreie, Zone brachten.

Valentins Allerlei

Längst wittert nicht mehr nur der Blumenverkäufer von nebenan das große Geschäft mit der feierlichen Liebesbekundung. Der Tag der Liebenden zaubert inzwischen jedem gewieften Kaufmann ein befriedigendes Lächeln ins Gesicht. Angeboten wird im Prinzip all das, was auch an den übrigen 364 Tagen des Jahres erhältlich ist. Die bestechend kluge Geschäftsidee der Aushilfs-Amors allerdings ist beeindruckend: Im Februar wird jedes denkbare Produkt mit Herzchen und aussagekräftigen Schlagwörtern dekoriert. Da gibt es das Valentinstags-Mischbrot, Weinbrandbohnen für besonders verliebte Pärchen, erregende Wellnessbehandlungen für die Damen und das romantische Candle Light Dinner im Chinarestaurant um die Ecke. Bei diesen Angeboten wird sogar der größte Pantoffelheld zum verführerischen Don Juan – vielleicht ist das aber auch nur die liebreizende Hoffnung frustrierter Ehefrauen.

Dudelnde Erinnerung

Scheinbar sind die Deutschen nur am Valentinstag so verliebt wie nie. Wie erklären wir uns sonst den deutschen Scheidungs-Moloch? Im Land der liebenden Denker wird immerhin jede dritte Ehe geschieden. An dieser Stelle könnte der Joker der Romantikindustrie ins Spiel kommen: der Love Reminder. Er überrascht die Liebenden, laut Herstellerangaben, "synchron mit einem Liebeslied […] als Melodie wurde ein wunderschönes Lied von Beethoven mit dem Titel 'Ich liebe dich' ausgewählt". Die moderne Technik ersetzt also die Synapsen im Großhirn und erinnert den glücklichen Verbündeten permanent an das verliebte Gegenstück. Hoffentlich ertönt die Melodie nicht beim Tête-à-tête vor dem Scheidungsrichter.
Ressort: Panorama | Themen: Wirtschaft
Cindy Singer
Über den Autor:
Name:
Cindy Singer
Studiengang:
Medienmanagement 2008


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Kommentar von Ulrike | 17.03.10

Finds auch sehr witzig geschrieben. Wenn man sich mal anschaut, was heutzutage für ein grauenhafter Kommerz um den Valentinstag aufgebaut wurde, dann könnte man echt nur noch ko****

Kommentar von Laura | 18.02.10

Hi,
klar ist der Valentinstag nur Kommerz. Aber andererseits hat der Valentinstag auch eine sehr lange Geschichte und nicht wie von vielen behauptet eine Erfindung.

In unserer moderenen Gesellschaft geht halt alles sehr schnell. Da ist die Scheidung leider keine Ausnahme!

Alles in allem ein ganz netter Artikel. :)

Kommentar von Alexander Haase | 12.02.10

Witzig geschrieben :)

Kommentar von Jack | 12.02.10

Wirklich innovativ wäre eine Würdigung der ganzen postivien "Darreichungen" der sog. "Besatzungskraft" gewesen. Amerika-Bashing ist spätestens seit Ende der Ära Bush out* (*dieser Anglizismus wurde von der Okkupation gesponsort)

Interessant währe ebenfalls eine Beleuchtung des Themas im Gebiet hinter dem ex-antifaschistischen Schutzwall gewesen. Konnten die internationalen Werbestrategen hier auch einen neuen "Feiertag" in den Herzen & Köpfen der Menschen verankern? Inwiefern gibt es dieses "Fest" überhaupt in den betroffenen Gebieten? Zahlen? O-Töne?
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