Schon gesehen? – "Ein Leben für ein Leben"
Folgen psychischer Gewalt
19.11.09 08:00 Uhr | Deutschland im Nationalsozialismus: Der Jude Adam wird ins Konzentrationslager verschleppt. Dort wird er gezwungen, wie ein Hund zu leben. Jahrzehnte später hat Adam das Trauma nicht überwunden – bis er einen Jungen findet, der tatsächlich glaubt, ein Hund zu sein.
Adam wird gezwungen, wie ein Hund zu leben. Quelle: 3L Filmverleih
"Ich hatte einst ein schönes Vaterland." Mit diesen Worten von Heinrich Heine beginnt das Drama "Ein Leben für ein Leben". Im Mittelpunkt steht Adam Stein: In den 20er Jahren war er der berühmteste Clown Berlins. Doch dann ergreift Adolf Hitler die Macht und es wird gefährlich für Adams Familie - sie sind Juden. Schließlich werden sie in ein Konzentrationslager (KZ) gebracht. Dort erkennt SS-Untersturmführer Klein Adam als den berühmten Komiker und zwingt ihn, seinen Hund Rex zu imitieren. Fortan behandelt er Adam wie einen Hund. Der Clown soll ihn damit von seinem Tun im KZ ablenken. Dafür würde ihm Klein das Leben schenken – "Ein Leben für ein Leben".

Ein Film zur Aussöhnung

Der Kommandant hält sich an die Abmachung. Als die Russen 1945 nach Deutschland vordringen, übergibt Kommandant Klein seinem "Hund" Adam Papiere, die ihn zum Erben eines großen Vermögens machen. Jahrzehnte später lebt Adam zusammen mit anderen ehemaligen KZ-Häftlingen in einem Sanatorium mitten in der Wüste. Gern lässt er sich von den Mitinsassen feiern und rückt sich immer wieder mit Zauberkunststückchen in den Vordergrund. Innerlich verdrängt er die Vergangenheit. Der große Zusammenbruch lässt jedoch nicht allzu lange auf sich warten, als Adam gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Er entdeckt im Sanatorium einen Jungen, der glaubt, er sei ein Hund. In ihm erkennt Adam einen Seelenverwandten - der einzige Mensch, der ihn verstehen kann. Adam will dem Jungen helfen, wieder Mensch zu werden.

Regisseur Paul Schrader schlägt mit "Ein Leben für ein Leben" eine Brücke zwischen Deutschen und Israelis. Der Film ist die erste israelisch-deutsche Produktion, die sich mit dem Holocaust auseinandersetzt. Sowohl israelische als auch deutsche Schauspieler standen zusammen vor der Kamera und produzierten auch gemeinsam. Die beiden Hauptdarsteller des Dramas sind treffend besetzt. Jeff Goldblum, bekannt aus Filmen wie "Jurassic Park" und "Independence Day", spielt den zerrütteten Clown, der zurück ins Leben finden will. Die Rolle des sadistischen NS-Kommandanten Klein übernimmt Willem Dafoe. Wie auch in seinem letzten Kinofilm "Antichrist" stellt er überzeugend die Abgründe des menschlichen Seins dar. Doch sind die meisten Szenen zwischen Dafoe und Goldblum nicht so spannungsvoll, wie der Zuschauer es erwartet und hofft.

Ein Denkmal setzen

Auf eine übergroße Gewaltdarstellung wird verzichtet. Vielmehr wird das psychische Leiden der ehemaligen KZ-Häftlinge in teilweise überdeutlichen Bildern gezeigt. Zwar schockiert der Film manchmal, aber er schockiert nicht genug. Auch wenn "Ein Leben für ein Leben" keine leichte Kost ist, läuft der Film Gefahr, schnell wieder in Vergessenheit zu geraten. Zu viele Zeitsprünge zwischen den 1920er Jahren, der Zeit im Konzentrationslager, der Nachkriegszeit und dem Hier und Jetzt macht es dem Zuschauer stellenweise schwer, der Handlung zu folgen. Doch was für Grausamkeiten in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten begangen wurden, darf nicht vergessen werden. So bleibt zu hoffen, dass auch dieser eindringlich inszenierte Film nicht vergessen wird, sondern ein Andenken setzen kann.

"Ein Leben für ein Leben" ist ab dem 19. November auf DVD erhältlich.
Ressort: Panorama | Themen: Film
Manuela Geißler
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