Mehr als 23 Jahre ließen Sepalot, Roger, Schu, Cajus und Holunder Hip Hop-Herzen höher schlagen. Doch jetzt ist Schluss – die Jungs von Blumentopf haben am 23. Oktober 2015 in einem Video auf Facebook mit den Worten “Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist!” ihre Auflösung bekannt gegeben. Wir blicken für euch auf mehr als zwei Jahrzehnte Bandgeschichte zurück.

Wer Blumentopf kennt, darf sich zu den Freunden des guten Musikgeschmackes zählen. Wer sie noch nicht kennt, sollte diese Lücke so schnell wie möglich (!) schließen. Neben einem sympathischen Sound sollte man bei Blumentopf unbedingt auf den Text achten. Darin behandeln sie meist Themen wie Party, Liebe und den Alltag, aber auch Politik und Drogen. Besonders bei Live-Auftritten konnte die Gruppe immer wieder überzeugen. Mit ihrer Musik ist es ihnen zweifellos gelungen, die Hip Hop-Kultur in Deutschland zu formen und mitzugestalten. Neben den Fantastischen Vier und Fettes Brot gehören auch Blumentopf zu den angesagtesten Rap-Crews.

Doch nun: Alles vorbei?! Mit großem Dankeschön verabschiedete sich Blumentopf vor einigen Tagen mit einem Video von seinen Fans. Und – Überraschung: Um die ganze Kiste höflich abzuschließen, lässt es sich der TOPF nicht nehmen, ein letztes Mal den Rucksack zu packen und mit all seinen Fans zu feiern. Für Oktober 2016 haben die Jungs ein letztes Abschlusskonzert geplant.

Doch da haben sie die Rechnung ohne ihre Fans gemacht. Ein (!) letztes Konzert reicht denen nämlich nicht. Nur acht Stunden nach Verkündung der letzten Show galt das Event als ausverkauft. Völlig überwältigt und gerührt gaben die Jungs fünf Tage später ein weiteres Zusatzkonzert bekannt und standen fünf Stunden später erneut restlos ausverkauft da. Damit keiner weint, soll es nun zwei weitere Konzerte in Köln und Berlin geben. Beide Konzerte wurden jetzt schon in eine größere Location umverlegt. Ach ja, in Österreich und in der Schweiz wird es ebenfalls zwei Konzerte geben UND eventuell auf verschiedenen Festivals deutschlandweit. Et voilà – So wird ein letztes Konzert zu einer letzten Tour. Das darf gerne fortgesetzt werden.

Wie alles begann…

Nachdem sich die Band 1992 in Bayern gründete, legte sie fünf Jahre später mit 20 Tracks zum Lachen und Nachdenken den Grundstein mit ihrem ersten Album „Kein Zufall“. 1999 folgte die Platte „Großes Kino“, welche Platz 21 der Albumcharts erreichte. Das Album bezeichnen viele Fans als das beste der Band.

Mit der Single „Horst“ des fünften Albums „Musikmaschine“ erreichten sie ihre erste Platzierung in den Top 100 der deutschen Single-Charts. Dies erklärte die Band damals mit der Begründung, eine “Albumband” zu sein.
18 Jahre nach Gründung von TOPF. erschien „Wir“ 2010 und zwei Jahre später „Nieder mit der GbR“. Schon während der Entstehung stand fest, dass es das letzte Album der Band sein sollte. Es erreichte in den Charts Platz 6 und gilt als eines ihrer erfolgreichsten Alben.

Neben insgesamt fünf Alben und unzähligen EPs erlangte Blumentopf durch die Berichterstattung der Fußball WM 2006 in Form der “Raportage” bundesweite Aufmerksamkeit. Dabei wurden in der Sportschau die WM-Spiele in Form eines Liedes kommentiert. Das Konzept wurde beibehalten und bei anderen Spielen fortgesetzt.

Nebenbei arbeiteten die Jungs immer wieder an eigenen, verschiedenen Soloprojekten und sind seit 2008 regelmäßig in ihrer wöchentlichen Radioshow bei on3radio zu hören.
Im September diesen Jahres veröffentlichten Roger und Schu außerdem das Album Clap your fingers, welches aus 15 ausdrucksstarken Tracks besteht und auch ohne die anderen “Töpfe” seinen Erfolg feiern kann.

Eins ist klar: Weder Fans noch Blumentopf können sich so einfach wie gedacht von den letzten 23 Jahren lösen. Der TOPF versucht daher mit seiner aktuellen Interviewreihe den rituellen Zahnbürstenaustausch nach einer Trennung zu umgehen. Dafür veröffentlichen sie täglich einen kleinen Interviewteil bei Facebook, in dem sie verschiedene Fragen beantworten:

Warum lösen die sich eigentlich auf? Haben sich die Jungs auseinander gelebt? Kam der Gedanke schon früher? Sind sie zufrieden mit dem Erreichten? Wie haben sie 20 Jahre geschafft, ohne sich die Köpfe einzuschlagen? Werden Sie die Konzertauftritte vermissen?

Wir haben zu „So la la“ geschmunzelt, bei „Manfred Mustermann“ ein Tränchen verdrückt und uns mit „Safari“ auf die Nacht eingestimmt. Nach etwa 8395 Tagen Banddasein und mehr als 11 Stunden feinster, humorvoller, manchmal ernster und (selbst-) ironischer Musik geht auch diese Ära langsam zu Ende. Allerdings verabschiedet sich der TOPF vorerst still und heimlich und nur Stück für Stück.
Wir haben also noch ein bisschen Zeit, bis wir wirklich DANKE UND SERVUS sagen müssen.

Text: Eva Hahn.