Bürger ins Zentrum: Das 2. Zukunftsforum

Bürger ins Zentrum: Das 2. Zukunftsforum

Autofreie Wohngebiete, ein neuer Kulturraum, individueller Personennahverkehr? Wie wird Mittweida 2030 aussehen?

Im Rahmen des Projektes “Zukunftsstadt Mittweida” ging das Zukunftsforum am Montag, den 25. Januar 2016, mit einer neuen Veranstaltungsform in die zweite Runde.

Das Konzept für die „Zukunftsstadt Mittweida“ entsteht derzeit in Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung Mittweida, der Hochschule Mittweida und der Universität Leipzig. Die Kampagne ist Teil eines Wettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Über 160 Städte hatten sich zu Anfang beworben, nur 52 von ihnen konnten sich als „Zukunftsstadt“ qualifizieren. Ziel ist es, einen Dialog zwischen Bürgern, Stadt und Hochschule zu schaffen, um so ein gesamtstädtisches Konzept für die Entwicklung Mittweidas bis 2030 zu entwickeln.

Im November vergangenen Jahres hatte bereits das erste Zukunftsforum stattgefunden, um in drei Workshops und der anschließenden Podiumsdiskussion Vorschläge für Mittweidas Zukunft zu erörtern. Was als lose Themen- und Ideensammlung begann, wurde nun zum zweiten Zukunftsforum konkret: “Was ist umsetzbar? Wer profitiert? Und welche Vor- und Nachteile bringen verschiedene Einrichtungen in Mittweida?”, waren die Leitfragen der Veranstaltung.

Prof. Dr.-Ing. Jan Schaaf , Professor für Immobilien- und Gebäudemanagement an der Hochschule Mittweida:

„Jetzt geht es um Machbares: Wir wollen gemeinsam mit den Bürgern ein Leitbild entwickeln und möglichst viele dafür motivieren. So entsteht ein Navigationssystem der Stadt, dass von einer breiten Schicht getragen wird.“

Von Anderen lernen
Eröffnung des 2. Zukunftsforums in der Filmbühne Mittweida.

Eröffnung des 2. Zukunftsforums in der Filmbühne Mittweida.

Mit zwei Impulsvorträgen wurde das Zukunftsforum in der Filmbühne eröffnet – die Botschaft ist klar: Mittweida soll sich ein Beispiel an anderen Kleinstädten nehmen, die Problematiken wie leerstehende Geschäfte und den Wegzug der jungen Menschen aktiv bewältigen.

Dr. Stefan Neubauer, einer der beiden Referenten und Kulturamtsleiter in Eberswalde, folgt einer klaren Idee: Stadtentwicklung ist Kulturentwicklung – und andersherum. Er fördert in Eberswalde gezielt die regionale Identität mit einem wöchentlichen Kulturprogramm. Jeden Samstag wird dabei ein Programm von professionellen Künstlern dargeboten, einmal im Monat treten regionale Musikschulen, Theater- und Tanzgruppen auf. Die Stimmung für Kultur habe sich seitdem sehr gewandelt.

“Wir haben eigene städtische Formate entwickelt, das Stadtfest als Straßen- und Kulturfest etabliert, […] und animieren die Menschen, sich mit ihrer Stadt auseinanderzusetzen. Die Menschen verstehen sich selbst als Kulturakteure.“

Workshops beleben die Innenstadt

Ganz nach dem Motto “Bürger ins Zentrum” fanden die anschließenden Workshops im 1865, im Info-Zentrum T9 und im Sonderbuch-Verkaufsladen in der Rochlitzer Straße statt, um dort mit den Teilnehmern die Themen “Gründerklima & Co”, “Nachhaltige Infrastruktur” und “Eine attraktive Stadt für alle Altersgruppen” zu besprechen und nun auch konkrete Lösungsvorschläge zu finden.

Im Workshop für die infrastrukturelle Entwicklung Mittweidas.

Im Workshop für die infrastrukturelle Entwicklung Mittweidas.

medienMITTWEIDA hat den Workshop von Sebastian Killisch, Fachbereichsleiter für Bau & Ordnung der Stadt Mittweida, besucht, um selbst Einblick in die Gesprächsrunden des 2. Zukunftsforums zu bekommen. Das erste Fazit nach einer Stunde: Noch keine konkrete Leitbildaussage. Die Frage nach der Wertigkeit der verschiedenen Infrastrukturen sollte nur der Einstieg in die Besprechung konkreter Lösungsansätze sein, entwickelte sich aber zu einer endlosen Diskussion voller Für- und Widersprüche. Mittweidas Wohngebiete für Autos sperren und einen Bus zu zentralen Parkhäusern einrichten oder doch lieber die gesamte Stadt zur Dreißigerzone machen? Bringt eine gute Autobahnanbindung mehr Menschen nach Mittweida oder mehr Mittweidaer aus der Stadt? Es folgt der Einwurf, dass man auch die telematische Infrastruktur bisher außer Acht gelassen habe.

Zurück bleibt der Eindruck, dass die Themen und Fragestellungen während des Workshops wesentlich prägnanter waren, als zum ersten Zukunftsforum, es jedoch mehr Treffen bedarf, um realistische Visionen und deren Umsetzung zu diskutieren.

Sebastian Killisch selbst sieht die Entwicklung des Workshops entspannt:

“Aus der Diskussion heute gehe ich eigentlich sehr positiv raus. Weil doch sowohl generell als auch zu den dahinterliegenden Thematiken viel offen gesagt wurde. Letztendlich werden wir das natürlich erst anhand der Gesamtauswertung beurteilen können.”

“Jede Stimme soll gehört werden. Jeder darf etwas sagen.”

Beim anschließenden Wintergrillen, das den richtigen Rahmen für zwanglose Zukunftsfantasien geben sollte, sprach medienMITTWEIDA auch mit Marcus Jänecke, Projektkoordinator an der Hochschule Mittweida, über die Entwicklung des Zukunftsforums:

“Mein Eindruck ist, dass mehr Leute gekommen sind als beim ersten Zukunftsforum, was mich sehr freut. Die Atmosphäre ist angenehm und sehr ungezwungen, dadurch, dass wir die Veranstaltung so dezentral organisiert haben. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt mit der Zukunftsstadt mitten in Mittweida angekommen sind.”

Rege Diskussionen auch im Workshop “Eine attraktive Stadt für alle Altersgruppen".

Rege Diskussionen auch im Workshop “Eine attraktive Stadt für alle Altersgruppen“.

Trotzdem entsteht bei einem Blick auf das Facebook-Profil der Zukunftsstadt der Eindruck, dass eine Vielzahl der Bürger die Plattform noch nutzt, um über ihre Stadt zu schimpfen, anstatt gemeinsam visionäre Ideen für ein lebenswerteres Mittweida 2030 zu entwickeln. Die Frage, ob diese Entwicklung überhaupt noch mit den Zielstellungen des Projekts zu vereinbaren sei, weiß der Projektkoordinator souverän zu beantworten:

“Es ist natürlich so, dass die Menschen die Konflikte von heute sehen – wie zum Beispiel das fehlende Hallenbad. Der Wunsch nach einem Hallenbad strahlt aber viel größer, als einfach mal schwimmen gehen zu können. Das strahlt in Richtung des Themas “Bildungsangebote”. Kinder müssen erst nach Burgstädt fahren, um schwimmen zu lernen. Das ist ein infrastrukturelles Problem und der Hinweis darauf, dass Bildungsleistungen hier nicht abgedeckt werden können. Das Hallenbad ist also nur ein Teil des Problems, das gelöst werden muss – und auf einmal geht es doch wieder um die großen Themen. Deswegen sind auch die kleinen Vorschläge total wichtig.”

Mit dem zweiten Zukunftsforum wird klar, dass der Wille der Menschen, an der Gestaltung ihrer Stadt teilzuhaben, wächst. Die Ideen wurden durchaus konkretisiert, der Dialog zwischen den Teilnehmern war weitaus reger als noch beim ersten Zukunftsforum, das Veranstaltungskonzept stimmig und kommunikationsfördernd. medienMITTWEIDA ist gespannt auf die Präsentation der Leitidee für die Stadtentwicklung im Frühjahr.

Text: Magda Lehnert. Beitragsbilder: Zukunftsforum Mittweida.

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