Couchkritik im Dezember

von | 14. Dezember 2018

Vier Serien-Neuheiten der völlig unterschiedlichen Art. Fotos: Matthias Clamer/Netflix | ©2018 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. | Yigit Eken / Netflix | © 2018 Stefan Erhard, Montage: Lena von Heydebreck

Gerade im kalten Wintermonat Dezember lockt uns die gemütliche Couch und der warme Tee am Abend vor den Bildschirm. Da passt es sehr gut, dass wir wieder vier Serien für euch haben, die absolutes Suchtpotenzial bieten. Der letzte Monat des Jahres steht serientechnisch ganz im Zeichen von Netflix. Düster, mitreißend, mörderisch – das amerikanische Unternehmen hält so einige spannende Neuheiten für euch bereit, die es sich anzuschauen lohnt!

Dogs of Berlin – Staffel 1 – seit 7. Dezember auf Netflix

Wütende Clans, Nazis, korrupte Polizisten: Dogs of Berlin ist nach Dark die zweite deutsche Netflix-Serie. Im Fokus steht ein Polizeidrama. Ein deutsch-türkischer Fußballspieler der Nationalmannschaft wird ermordet und die Berliner Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Diese führen die beiden Polizisten Kurt Grimma (Felix Kramer) und Erol Birkan (Fahri Yardim) in die Berliner Drogen- und Mafiaszene. Je mehr die beiden Beamten in die Ermittlungen einsteigen, desto tiefer geraten sie in die Berliner Unterwelt, die nach und nach Verbindungen zu den höchsten Ämtern der Stadt aufweist. Dogs of Berlin bedient sich nicht zuletzt einiger Klischees: So stammt Polizist Grimma beispielsweise aus einer Nazifamilie, seine Freundin trinkt und seine Geliebte ist eine überforderte Sozialhilfeempfängerin, die ihr Einkommen durch Telefonsex aufbessert. Währenddessen ist der türkische Polizist Birkan schwul und hadert mit der Akzeptanz seines Vaters. Regisseur Christian Alvart, der auch die TatortFilme mit Til Schweiger inszeniert hat, zeigt Berlin mit seinen unvereinbaren Gegensätzen und düsteren Momenten. So bewegen sich seine Figuren zwischen Gesetz und Gewalt hin und her, actionreich natürlich. Alvart spielt nicht nur mit den Klischees, er setzt sie übertrieben provokant ein. Jede Figur hat seine eigene Geschichte und es wird sich Zeit genommen, diese vorzustellen. Dadurch kommt letztendlich die Zwiespältigkeit der einzelnen Charaktere ans Licht. Eines sollte man sich jedoch merken: Wenn man denkt, eine Figur zu kennen, dann kann sich diese Ansicht in der nächsten Folge wieder komplett verändern.

The Protector – Staffel 1 – ab 14. Dezember auf Netflix

The Protector ist das erste türkische Netflix-Original. Die Serie erzählt die Geschichte von Hakan (Cagatan Ulusoy), der in der Millionenmetropole Istanbul ein scheinbar unauffälliges Leben führt. Zumindest bis zu dem Tag, an dem er erfährt, dass er einem alten Geheimorden angehört, übernatürliche Kräfte besitzt und sich einer besonderen Herausforderung stellen soll: Die Stadt vor Untoten beschützen. Mit dieser Aufgabe ist er jedoch anfangs sichtlich überfordert. Ob er der rechtmäßige Protector, sprich Beschützer, ist, muss sich also erst noch herausstellen. Netflix bedient sich dem Superhelden-Genre und scheint sich sicher zu sein, dass die Serie in Europa Anklang findet. Eine zweite Staffel ist nämlich bereits in Planung, so das Infoportal kino.de. Spannung, actionreiche Szenen, Superheldencharaktere und eine Liebesgeschichte runden die Serie ab und lassen die zehn Folgen der ersten Staffel sehr kurzweilig wirken. The Protector lebt von der Hauptfigur, mit der sich der Zuschauer gut identifizieren kann, da sie anfangs nur ein ganz normales Leben führt. Das Konzept erinnert an die Serie Supernatural, bei der ebenfalls Menschen mit speziellen Begabungen auf Dämonen und Geister treffen. Allerdings zeugt diese Gemeinsamkeit eher von Qualität, anstatt einer einfachen Nachahmung.

YOU – Du wirst mich lieben – Staffel 1 – ab 26. Dezember auf Netflix

Gossip Girl trifft auf Pretty Little Liars und was dabei entsteht, ist die neue Serie YOU – Du wirst mich lieben. Kein Geringerer als Gossip Girl-Star Penn Badgley spielt die Hauptrolle des nerdigen Buchhändlers Joe Goldberg. Dieser verliebt sich Hals über Kopf in die junge, aufstrebende Schriftstellerin Guinevere Beck (Elizabeth Lail), als sie eines Tages seine Buchhandlung betritt. Joe beginnt im Internet über sie zu recherchieren. Dank ihrer Offenheit in den sozialen Medien findet er so einiges über sie heraus. Doch die anfängliche Liebelei mündet in eine wahnhafte Obsession. Er weiß alles über sie. Er belauert sie. Er manipuliert sie. Und doch entwickelt sich zwischen beiden eine Liebesgeschichte, die reichlich Spannungspotential bereithält. Auch Pretty Little Liars-Fans kommen auf ihre Kosten, denn Shay Mitchell übernimmt den Charakter der reichen Peach Sainger. Sie ist eine gute Freundin von Beck und wird in die mörderische Geschichte der beiden hineingezogen. Mit einem Plot zwischen Teenie-Romanze und Psychothriller hat You – Du wirst mich lieben das Potenzial, an Erfolgsserien wie Riverdale oder Pretty Little Liars anzuknüpfen.

Baby – Staffel 1 – seit 30. November auf Netflix

In Baby geht es um zwei junge Mädchen, die im nobelsten Stadtteil von Rom wohnen. Sie führen ein scheinbar sorgloses Leben, doch der Schein trügt. Hinter der Fassade brodelt es gewaltig. Und überhaupt ist das Leben in Parioli für Chiara (Benedetta Porcaroli) und Ludovica (Alice Pagani) einfach zu langweilig: Eine elitäre Schulausbildung, für die die Eltern teuer bezahlen, abwesende Familienväter, morgendliches Lauftraining im Park – was die beiden brauchen ist ein Geheimnis. Ein verborgenes Doppelleben. Die zwei Schülerinnen gleiten in die Prostitution, feiern wilde Partys, trinken viel Alkohol. Die Serie geht unter die Haut, da die jungen Hauptdarsteller mitreißend und sensibel in ihre Gefühlswelt blicken lassen. Die erste Staffel besteht aus sechs Folgen, die man regelrecht verschlingt. Die Serie bedient sich einer wahren Begebenheit, weswegen sie in Italien im Vorfeld der Ausstrahlung viel Aufruhr ausgelöst hat. Die italienische Staatsanwaltschaft deckte 2014 einen Prostitutionsskandal auf, bei dem eine 14-Jährige und eine 15-Jährige aus Parioli Kunden gegen Geld mit Sex bedienten. Neben Topmanagern und Wirtschaftsprüfern, umfasste die Kundenliste auch Politiker. Fast verstörender wirkten jedoch die Aussagen der Mädchen aus wohlhabenden Elternhäusern zu ihrer Motivation. Sie gaben an, nicht etwa aus Geldnot gehandelt zu haben, sondern aus Langeweile und dem Wunsch nach Luxusartikeln.

Text: Sophie Wallstabe, Fotos: Matthias Clamer/Netflix | ©2018 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. | Yigit Eken / Netflix | © 2018 Stefan Erhard, Montage: Lena von Heydebreck