Couchkritik im Januar

von | 25. Januar 2019

Ein sexuell unerfahrener Teenager, eine zerstrittene College-Clique, ein Detektiv, der sich den Monstern der Märchenwelt verschrieben hat und eine Familie mit aufwühlender Geschichte: Der Januar wir spannend. Fotos: Jon Hall/Netflix | Allyson Riggs/NBC | Barbara Nitke/Netflix | 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Montage: Lena von Heydebreck

Abwechslungsreicher könnten die Serien im Januar nicht sein. Während es bei Amazon Prime gefühlvoll in die zweite Runde geht, verabschiedet sich Netflix von der Märchenwelt und landet stattdessen mit den Sex-Problemen Jugendlicher einen Volltreffer. Emotionen, Mystery und Humor: diesen Monat kommt jeder Serienfan auf seine Kosten.

This Is Us – 2. Staffel – ab 26. Januar bei Amazon Prime

Die Erfolgsserie aus den USA geht in die nächste Runde: Auch in der zweiten Staffel von This Is Us wird es gefühlvoll, emotional und mitreißend. Die Serie ist in zwei Zeitstränge geteilt und verbindet so das Familienleben der Pearsons in den 70ern mit dem Leben der drei Pearson-Kinder Randall (Sterling K. Brown), Kevin (Justin Hartley) und Kate (Chrissy Metz) in der Gegenwart. Während die Eltern Rebecca (Mandy Moore) und Jack (Milo Ventimiglia) versuchen, ihre Eheprobleme wieder in den Griff zu kriegen, bekommen Randall und seine Frau Beck (Susan Kelechi Watson) Jahre später unerwarteten Nachwuchs. Die Zuschauer erfahren in Staffel zwei endlich, wie Vater Jack ums Leben kam. Draufgänger Kevin kämpft unterdessen nicht nur mit der Fernbeziehung zu Freundin Sophie. Die Entscheidung erneut als Hauptdarsteller bei der Sitcom The Manny” einzusteigen, zieht unerwartete Probleme nach sich. Unterdessen wird die Beziehung zwischen Kate und Toby (Chris Sullivan) immer ernster und nimmt im Laufe der Staffel eine tragische Wendung.
Ab dem 26. Januar sind die neuen Folgen kostenlos bei Amazon Prime verfügbar und könnten für das ein oder andere Tränchen sorgen.
Im Gegensatz zu den USA war This Is Us in Deutschland ein echter Quotenflop. In Amerika wurde laut mdr KULTUR jede einzelne Folge von über zehn Millionen Zuschauern verfolgt, während die Zuschauerzahlen des Formats in Deutschland von Folge zu Folge abnahmen, wie DWDL berichtete.
Die Serie verlangt es, sich intensiv mit ihr zu beschäftigen, um die verschiedenen Plots und Zeitsprünge nachvollziehen zu können. Sie lebt von den herzlichen Charakteren, in die sich der Zuschauer ab der ersten Sekunde hineinversetzen und mit denen er mitfiebern kann. Lässt man sich auf die ungewöhnliche Erzählweise ein, wird man mit einer wundervollen Geschichte belohnt, die ans Herz geht und süchtig macht.

Sex Education – Staffel 1 – seit 11. Januar bei Netflix

Unverblümt, ungeschönt und hautnah. Der Streamingdienst Netflix hat am 11. Januar diesen Jahres eine neue Serie veröffentlicht: Sex Education. Wie der Titel unschwer erkennen lässt, steht neben den Problemen Jugendlicher und dem alltäglichen Schulwahnsinn vor allem eines im Vordergrund: Sex.
Otis Milburn (Asa Butterfield) ist noch Jungfrau und das einzige Kind der Sex-Therapeutin Jean (Gillian Anderson). Im Gegensatz zu seiner Mutter ist der 16-Jährige ziemlich verklemmt und noch sehr unerfahren. Als er durch Zufall Adam Groff (Connor Swindells), dem Sohn des Schuldirektors, bei einem Sex-Problem hilft, kommt seine Mitschülerin Maeve Wiley (Emma Mackey) auf die Idee, gemeinsam mit Otis Sex-Therapien an der Schule anzubieten. Otis lässt sich auf den Einfall ein und es beginnt eine Zeit voller unvorhersehbarer Gespräche und dunkler Geheimnisse, die man besser für sich behalten sollte.
Die zurückhaltende Hauptrolle der Serie verkörpert kein Geringerer als Asa Butterfield. Der 21-Jährige ist bekannt aus Filmen wie Der Junge im gestreiften Pyjama und Die Insel der besonderen Kinder. Mit seinem jugendlichen Aussehen und den unschuldigen blauen Augen scheint der Charakter Otis Milburn wie für ihn gemacht.
Gerade die ersten Folgen der Serie wirken jedoch eher stumpf. Dem Zuschauer wird sehr offensiv vermittelt, dass es in Sex Education vorrangig um sexuelle Handlungen geht. Es entsteht sehr schnell der Eindruck, dass die Geschichte rund um Otis Milburn eher oberflächlich bleibt. Doch von Folge zu Folge spielen die Gefühle der einzelnen Charaktere eine immer größer werdende Rolle und die Serie beginnt immer mehr in emotionalen Bahnen zu laufen. Es lohnt sich, dran zu bleiben.

Grimm – Staffel 6 – seit 6. Januar auf Netflix

Die sechste Staffel der Fantasy-Serie Grimm ist gleichzeitig auch die Letzte. Nach einem Einbruch der Quoten geht die Geschichte rund um den Detective Nick Burkhardt (David Giuntoli) aus Portland nun zu Ende.
Zu Beginn der Serie ist Nick plötzlich fähig, in seinen Mitmenschen Wesen zu sehen, wie es sie eigentlich nur im Märchen gibt. Als seine Tante Marie (Kate Burton) angegriffen und verletzt wird, erkennt er sein Potential, den Menschen mit seiner Gabe als sogenannter „Grimm“ zu helfen. Nachdem die erste Staffel auf dem TV-Sender NBC veröffentlicht wurde, gingen die folgenden Staffeln durch die Decke. Grimm erreicht laut kino.de zu Bestzeiten um die acht Millionen Zuschauer. Seit Staffel vier hat der Sender allerdings mit einem Quoteneinbruch zu kämpfen, was letztendlich dazu führte, dass die Serie nur noch im Nachtprogramm ausgestrahlt wurde. Für die sechste Staffel wurde nur die Hälfte an Folgen gedreht, um die Serie zu einem sinnvollen Ende zu führen. Das wirkt sich auch auf den Plot der letzten Staffel aus. Der seit der fünften Staffel wütende Bürgerkrieg in der Wesen-Welt wird während der sechsten Staffel sehr stiefmütterlich behandelt und dem Zuschauer leider zu großen Teilen vorenthalten. Das kurz gehaltene Ende der Serie zeigt noch einmal umso mehr wie notwendig weitere Folgen gewesen wären, um  alle Handlungsstränge zu einem wirklich sinnvollen Abschluss führen zu können. Alles in allem lässt die finale Folge von Grimm den Zuschauer enttäuscht zurück. Ein trauriges Ende für eine Serie, die einen würdigen Abschluss verdient hätte.

Friends from College – Staffel 2 – seit 11. Januar auf Netflix

Nachdem das Wiedersehen der alten College-Freunde Max (Fred Savage), Sam (Annie Parisse), Ethan (Keegan-Michael Key), Marianne (Jae Suh Park), Nick (Nat Faxon) und Lisa (Cobie Smulders) in Staffel eins völlig aus dem Ruder gelaufen ist, ist die Freundschaft zwischen den alten Schulfreunden vollends zerrüttet. In Staffel zwei führt die Hochzeit von Max die zerstrittenen Freunde wieder zusammen und soll ein Jahr später die Streitigkeiten zwischen ihnen endlich beenden. Während des Polterabends und der Festlichkeiten haben sie keine Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen und müssen sich notgedrungen wieder zusammenraffen. Friends from College besticht weniger mit der Handlung, als vielmehr mit der berühmten Besetzung: Wieder mit dabei ist How I Met Your Mother-Star Cobie Smulders, die als Robin Sherbatzky weltberühmt wurde. Oscar-Preisträger Nat Faxon verkörpert die Rolle des Nick und ist bekannt aus der Sitcom Ben und Kate mit Dakota Fanning. Außerdem war er in der Komödie Sextape an der Seite von Cameron Diaz und Jason Segel zu sehen. Regie führte Nick Stoller, der als Drehbuchautor Kino-Hits wie Bad Neighbors, Sex Tape oder Männertrip landete. Netflix hat hier eine Eigenproduktion geschaffen, die sich leider definitiv nicht zu den besten Formaten des Streaming-Dienstes zählen lässt. Die Dialoge zwischen den Darstellern wirken oft belanglos und übertrieben gespielt. Viele Szenen sind unnötig in die Länge gezogen und einige Gags wirken auf den Zuschauer gezwungen lustig. Sucht man jedoch nach einer wenig aufregenden Serie, um nach einem stressigen Tag herunterfahren zu können, ist dieses Format genau das Richtige.

Text: Anne Baum, Fotos: Jon Hall/Netflix | Allyson Riggs/NBC | Barbara Nitke/Netflix | 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Montage: Lena von Heydebreck