Weltweit kämpfen Social Media-Unternehmen wie Facebook um die Gunst ihrer chatliebenden User. Welche Rolle spielen dabei Messenger-Apps, was für Angebote gibt es und auf welche Entwicklungen setzen WhatsApp, Threema und Co. um Nutzer zu locken?

Seit dem 21. Januar 2015 ist es auch mit einer Desktop-Version möglich, „WhatsApp“ am Laptop oder PC zu nutzen, wie meedia.de berichtet. Wobei Apple-Nutzer bisher von diesem Dienst ausgeschlossen sind. Außerdem habe WhatsApp mit der Freischaltung einer Telefonie-Funktion in seinem Android-Client begonnen, wie „heise online“ berichtet. Bisher sei bei WhatsApp jedoch ein einladungsbasiertes Freischalten erforderlich um die Neuerungen zu benutzen. Mit dieser neuen Strategie scheint WhatsApp jedoch nicht der einzige Messaging-Dienst zu sein, der sich um Alternativen und Erweiterungen bemüht und sich „aufrüstet“.

Das Wettrüsten hat begonnen

Die Unternehmen hinter den Messaging-Diensten verfolgen verschiedenste Strategien und Techniken, um aus der Vielzahl von Chat-Diensten herauszustechen und sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen. Eine Möglichkeit, die bereits von Messenger-Apps verwendet wird, ist die Bezahlung beim Download der Applikation. So kostet der Chat-Service von Threema beispielsweise bereits 1,99 Euro für Android- und iOS-Nutzer und auch WhatsApp verlangt mittlerweile jährlich einen Betrag von 0,89 € im Apple Store sowie im Google Play Store. Auch im Windows Play Store ist der Preis bei den Apps gleich. Kostenlos hingegen ist der Facebook Messenger sowie der integrierte Messenger in der Twitter-App. Diese beiden Messaging-Dienste finanzieren sich über die zugehörigen Social Media-Netzwerke und somit größtenteils durch (personalisierte) Werbung.

Im Gegensatz dazu setzt „Telegram“ noch auf Werbefreiheit, so heißt es auf der Website: „Telegram is free forever. No ads. No suscription fees.“ Telegram stezt außerdem auf eine weitere Strategie, die der Transparenz, da es sich um ein Open-Source-Programm handelt. Das bedeutet, jeder kann den Quellcode einsehen, mitwirken und ihn erweitern. Die Mentalität dahinter ist laut Benjamin Herzog, Informatik-Student an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, nicht mit Geld aufzuwiegen.

„Es gibt große Projekte, die allein dadurch entstanden sind und keiner Geld verdient hat. Solche Messenger nutzen keine Monetarisierung, weil es einfach nicht notwendig ist, die Entwickler machen das aus Spaß. Die Server-Kosten werden allein über Spenden getragen.“

Angst, dass der Facebook-Messenger bald etwas kostet, hat Herzog hingegen nicht.

„Facebook weiß genau, dass die Nutzer ohne den Chat weg wären, weswegen sie den Messenger nicht monetarisieren. Ihnen reicht allein der Betrag, den sie über die Werbung auf Facebook machen.“

Gratis-Apps oft mit Sicherheitslücken versehen

Er warnte allerdings davor, wenn etwas kostenlos sei und man seine Daten angeben müsse, würden die Entwickler zu 80 Prozent mit der Verwendung der Daten der Nutzer Geld verdienen. Das müsse nicht unbedingt durch den Verkauf dieser sein, sondern könne auch durch zielgerichtete Werbung geschehen, wie sie beispielsweise nun bei Facebook existiert.

Das Thema Sicherheit und Datenschutz wurde nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook in Höhe von fast 22 Milliarden Dollar in den Medien thematisiert, unter anderem auch bei medienMITTWEIDA. Für den Laien gäbe es aber in puncto Sicherheit kaum Unterschiede in der Flut von Messenger-Apps meint Herzog, dass es letztendlich nicht nur auf die Sicherheit ankomme, „denn was hilft die sicherste App, wenn sie von niemandem genutzt wird?“ Nur durch Sicherheit könne sich die Konkurrenz nicht durchsetzen.

Freunde vor Sicherheit

Am Entschiedensten wäre, wie viele der Kommunikationspartner beziehungsweise Freunde dieselbe App nutzen. Um diesen Aspekt bei der Entwicklung und Erweiterung der Messenger-Dienste zu berücksichtigen, würden die Betreiber der Messenger auf Animationen und Spaß-Features setzen. Bilder, Videos und Standorte zu verschicken, gelte bei den meisten Messengern bereits als Standard, somit müssen diese sich immer weiterentwickeln, um auf dem neuesten Stand zu sein.

Bei WhatsApp scheint diese Strategie zu funktionieren, wie der Gründer Jan Koum in einem Post auf seiner Facebook-Seite kürzlich zeigte. Waren es im April 2014 noch 500 Millionen Nutzer der App, wurde im August 2014 die 600-Millionen-Nutzer-Marke überschritten. Nach Angaben des Gründers dürfte WhatsApp nun 700 Millionen monatlich aktive Nutzer haben.

Auch der Ausbau der Anbieter und die damit einhergehende Erschließung der geschäftlichen Bereiche scheinen immer wichtiger zu werden. So wird zum Beispiel für ständige Erreichbarkeit und den Zugriff beziehungsweise die Verfügbarkeit von wichtigen Daten und Dokumenten gesorgt.

Alternativen zu bekannten Messengern

Alternativen zu den oben genannten Messengern wurden bei „CHIP“ getestet und diskutiert. Die App „Viber“ bietet Nutzern die Möglichkeit Nachrichten zu versenden und kostenlos zu telefonieren, „Skype“ hat den Vorteil der Videotelefonie. Bei allen sind aber Sicherheitseinstellungen kaum möglich, ebenso wie bei Google Hangouts. Bei den restlichen Apps wie zum Beispiel „Line“ ist die Verbreitung häufig problematisch. Eine noch „junge“ App ist „Wire“, gegründet von einem Skype-Mitarbeiter, wie meedia.de berichtet. Es soll „akkufreundlich“ sein, synchron auf allen mobilen Endgeräten laufen und außerdem die Europäischen Datenschutzgesetze einhalten.

Meinungen über Messaging-Apps sind gespalten

Als Informatik-Student ist Benjamin Herzog bereits von den neuen Messenger-Apps auf dem Markt begeistert – geschäftlich findet bei ihm häufig die gesamte Kommunikation mobil per Skype oder Facebook-Chat statt, nicht per Mail oder Telefon.

„Per Telefon hat man keine Unterlagen, die Messenger-Apps bringen da ein perfektes Zwischengewicht. Die Kommunikation funktioniert sehr schnell und trotzdem hat man alles schriftlich festgehalten.“

Sabine Emmerich, Event-Expertin von der „Mplus Agentur für Kommunikation und Reaktion“ aus München ist jedoch der Meinung, das Messenger-Apps direkte Kommunikation nicht komplett ersetzen.

„Ein kurzes Anteasern via App kann sinnvoll und flexibel sein, ersetzt allerdings nicht das direkte Gespräch.“

Ihrer Ansicht nach wäre nach wie vor ein Gespräch am Telefon oder vis-a-vis viel persönlicher und biete auch deutlich weniger Freiraum zur Fehlinterpretation von Aussagen. „Die Stimme sagt viel mehr aus als Emoticons“, meint Emmerich. Geschäftliche Konditionen müssen anschließend sowieso in einem Sideletter oder Vertrag festgehalten werden. Sie bleibe deshalb lieber bei Telefonaten, als Messenger im Geschäftsleben zu benutzen.

Text: Chris Hanisch. Beitragsbild: Louisa Bandura.