Viel Kreativität in der eigenen Bachelorarbeit, ein Ziel, das oft an der Realität scheitert. Über die Ziellinie geschafft, hat es allerdings Sebastian Köcher, der für seine Abschlussarbeit ein eigenes 3D-Kinomagazin entworfen hat. Wie er zu dieser Idee kam und was James Cameron damit zu tun hat, verrät er im Interview.

James Cameron, der Regisseur von Avatar, ist davon überzeugt, dass in Zukunft ein Großteil des Entertainments in S3D (Stereoscopic 3D) vorliegen wird. Jedoch ist in der deutschen Fernseh-, bzw. Internetlandschaft S3D immer noch eine Seltenheit. Um das zu ändern, hatte der Medientechnik-Student Sebastian Köcher die Idee, zusätzlich zum schriftlichen Teil seiner Bachelorarbeit eine stereoskopische Magazinsendung zu produzieren. Gemeinsam setzte er mit seinem betreuenden Professor Christof Amrhein eine Stereo-3D Produktion mit fernsehtypischen Elementen um. Daraus entstanden ist das Kinomagazin „dEEP“.

Anhand von „dEEP“ sollen die Unterschiede in der Produktion einer solchen Sendung gegenüber einer 2D-Produktion verdeutlicht werden. Denn ein Fernsehprogramm mit ganztägigem S3D-Inhalt gibt es in Deutschland bisher nur im Pay-TV.

Sebastian, worum geht es eigentlich in deinem Kinomagazin?

In der Sendung thematisieren wir den deutschen 3D Film ,Lost Place‘. Produziert wurde dieser von der Firma ,MovieBrats – Films & Animation‘. Die Unterstützung und das Interesse durch Geschäftsführer Alex Weimar, sowie Cast und Crew vom Film haben die Magazinsendung in dieser Form möglich gemacht. In der Sendung bringen wir Hintergrundwissen zum Film und Allgemeines zum Produzieren in S3D. ,Lost Place‘ läuft seit 19. September im Kino.

Bei dem S3D-Vorhaben gab es sicherlich viel zu planen. Wie lange hat denn die Entwicklung gedauert?

Die Idee ist Anfang Mai entstanden. Ende Juli ist innerhalb von drei Tagen an Drehorten in Berlin und Potsdam alles abgedreht worden. Die Sendung war Mitte August fertig. Also hat es von der Idee zum Konzept bis hin zur fertigen Sendung etwa dreieinhalb Monate gedauert.

Was brauchte es denn alles, um deine Ideen zu verwirklichen?

Ich habe finanzielle Unterstützung vom Medieninstitut Mittweida e.V. bekommen. Mit einem Team von insgesamt 16 Studenten der Hochschule Mittweida haben wir die Sendungselemente abdrehen können. Mit vier von ihnen habe ich die Sendung redaktionell ausgearbeitet. Ich selbst war Produktionsleiter und Regisseur der Magazinsendung. An dieser Stelle möchte ich allen nochmal danken, die an der Umsetzung der Sendung beteiligt waren.

Wir haben sehr schnell feststellen können, dass eine Umsetzung der Sendung in S3D viel zeitaufwendiger ist, als eine Umsetzung in 2D. Durch Sponsoren konnten wir die Kosten aber gering halten. So hat uns zum Beispiel das ,3D Innovation Center‘ in Berlin, die Firmen ,PRO VIDEO‘ und ,tectum – Raum und Zeit‘, sowie ,die medienakademie‘, ein Partner der Hochschule Mittweida, mit Technik und weiteren Diensten unterstützt.

Ab heute kann man sich die erste Sendung des neuen 3D-Magazins „dEEP“ auf YouTube ansehen. Das Ergebnis wurde jedoch schon vorher einem Testpublikum vorgespielt. Wie waren die ersten Reaktionen?

Bisher wurde die Sendung nur 18 Probanden vorgespielt. Der Großteil der Testzuschauer hat die Sendung positiv bewertet und einen Mehrwert durch die Umsetzung in S3D empfunden.

Ich bin nun sehr gespannt auf weitere Reaktionen. Ich hoffe auf mehr Projekte der Hochschule Mittweida, die zeigen, dass S3D eine Chance im journalistischen Bereich hat. Durch die Kooperation mit dem ,3D Innovation Center‘ des Fraunhofer Heinrich Hertz Instituts besteht die Chance, S3D für verschiedene Formate auszutesten. Speziell die inhaltliche Arbeit für stereoskopisches Fernsehen ist noch in den Anfängen. Hier gibt es also viel Forschungspotential. Ich denke, wir haben mit ,dEEP‘ eine gute Grundlage zur weiteren Forschung und Projektarbeit geschaffen.

Hast du schon Ideen und Pläne für das nächste Projekt und weißt, wie es nach deinem Abschluss weiter gehen soll?

Mein nächstes Ziel ist es, ein weiteres Projekt in S3D an der Hochschule Mittweida umzusetzen. Die Sendung ,dEEP‘ hat viel Potential. Eine regelmäßige Veröffentlichung einer S3D-Sendung an der Hochschule könnte möglich sein. Ich würde außerdem gern einen Kurzfilm in S3D umsetzen, um damit weitere Studenten für S3D zu begeistern.

Der Markt in Deutschland ist dafür bisher noch klein, also heißt es erstmal warten und viel lernen. S3D funktioniert nicht mit jedem Inhalt und deshalb müssen passende Formate mit sinnvollem Einsatz im Fernsehen und auf Internetplattformen erst noch gefunden werden.

 „dEEP“ auf der großen Leinwand

Die erste Episode des Kinomagazins soll demnächst auch den neuen Erstsemesterstudenten an der Hochschule vorgestellt werden. Dabei wird mit Sicherheit bei vielen das Interesse für 3D-Produktionen geweckt. Für einige der neuen Studenten wird 3D dann zukünftig auch eine größere Rolle spielen, wenn sie ab diesem Semester den neuen Studiengang „Media and Accoustical Engineering“ belegen.

Text: Tom Weber. Video: Sebastian Köcher.