Privatsender setzen weiterhin auf UKW

UKW soll in Sachsen 2015 abgeschaltet werden. Viele Privatsender stehen dem Digitalradio aber eher skeptisch gegenüber.

Mit DAB+ wurde ein neuer Übertragungsweg für digitales Radio in Deutschland geschaffen. Seit der Einführung im August 2011 wurde das Sendenetz weiter ausgebaut. Doch der Verkauf von Digitalradio-Empfängern läuft schleppend. Auch manche Privatsender können und wollen ihre Programme nicht digital ausstrahlen.

Die „Sächsische Landesmedienanstalt“ hat am Montag, den 22. Oktober, den freien Radios in Sachsen ein Angebot unterbreitet: Wenn die nicht kommerziellen Sender ab 2015 auf eine Ausstrahlung via UKW verzichten, finanziert die Medienanstalt die Verbreitung über DAB+. Zusätzlich sollen auch in den nächsten zwei Jahren die teuren Leistungskosten der UKW-Verbreitung bezahlt werden. Die Landesmedienanstalt bietet diese Kostenübernahme nicht grundlos an. Im Landesrundfunkgesetz ist festgeschrieben, dass ab 2015 UKW in Sachsen abgeschaltet werden soll.

Markus Heinker, Jurist und ehemaliger Programmdirektor bei „Energy Sachsen“, geht jedoch davon aus, dass das Radiohören über UKW auch nach 2015 noch funktioniert. „Radio ist zwar ein sehr intensiv genutztes Medium, die Hörer sind aber nach meinen Erfahrungen wenig bereit, sich speziell für den Radioempfang neue Geräte anzuschaffen.“

Laut Heinker lebe Radio im deutschen Markt sehr von den vorhandenen Strukturen. Und das sei nach wie vor das analoge UKW-Signal. Auch Harald Gehrung, Geschäftsführer von „Radio ffn“ ist überzeugt, dass UKW auch in drei Jahren noch nutzbar sein wird: „Die Entwicklung des Digitalradios wird noch fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen.“

DAB+ bietet Wachstumschancen

Aufgrund der ungewissen Entwicklung der digitalen Übertragung, wollen einige Privatradios ihre Sender noch nicht über DAB+ ausstrahlen. Laut Nico Nickel, Pressesprecher des sächsischen Privatsenders „Radio PSR“, sei gegenwärtig eine digitale Ausstrahlung des eigenen Programms noch offen. „Wir sehen aktuell keine Notwendigkeit uns vom funktionierenden Verbreitungsweg zu verabschieden“, berichtet Nickel.

Für Radiosender in Sachsen kommt noch hinzu, dass aktuell nur der MDR die Möglichkeit hat, seine Hörfunksender über DAB+ in dem Bundesland zu verbreiten. Für weitere Sender seien die technischen Voraussetzungen und Kapazitäten vorerst noch nicht gegeben. Allerdings können zumindest nationale Programme digital ausgestrahlt werden. „Regiocast Digital“, ein Schwesterunternehmen von „Radio PSR“,  sendet beispielsweise schon seit eineinhalb Jahren bundesweit drei Programme über DAB+. „Dadurch ist es machbar, nationale Radiomarken zu etablieren. Darin sehen wir echte Wachstumschancen für das Radio“, so Nickel.

Digitale Verbreitung ist zu gering

Ein weiterer Nachteil des Digitalradios: Bisher können nur Hörer in Ballungszentren wie Berlin, Hamburg oder Leipzig problemlos das Signal empfangen. Deshalb wollen einige Privatsender aus ländlichen Regionen ihre Programme noch nicht digital ausstrahlen. „Wir haben eine zu geringe technische Verbreitung von DAB+. Digitalradio ist aktuell nur in circa 60 Prozent unseres Sendegebiets Niedersachsen empfangbar“, beklagt Harald Gehrung von „Radio ffn“, obwohl sich dieser Zustand bald ändern soll. Michael Richter vom „Digitalen Rundfunk Mitteldeutschland“ sieht der Entwicklung optimistisch entgegen: „Das Sendenetz ist vermutlich ab 2015 flächendeckend in Deutschland ausgebaut.“

Nur wenige Hörer nutzen Digitalradios

Nicht nur die Privatsender selbst, sondern auch die Hörer scheinen kaum Interesse am digitalen Hörfunk zu haben. Ein Grund dafür ist die Neuanschaffung eines digitalen Empfangsgerätes. Regionale Studien ergeben, dass nur ein geringer Anteil der Bevölkerung die digitalen Radiogeräte nutzt. Die „Funkanalyse Bayern“ ermittelte, dass bisher nur 6,9 Prozent der Haushalte ein DAB-Empfangsgerät besitzen.

Bei so vielen negativen Argumenten wollen die digitalen Radiosender vor allem mit neuen Programmen versuchen Akzeptanz in der Bevölkerung zu finden. Über DAB+ können aktuell 13 Sender aller möglichen Genres bundesweit empfangen werden, darunter beispielsweise ein reines Fußballradio, ein Wissensradio und ein Sender für elektronische Musik. Hinzu kommen regional viele Radioprogramme der ARD. Im digitalen Bereich können pro Frequenz bis zu 15 Programme übertragen werden, analog ist nur ein Programm möglich.

Text: Jan Dahms. Bild: flickr.com, Fotograf: David Alphazoo, Bearbeitung: Nathalie Gersch