Fit und gesund durch’s Studium

von | 18. Januar 2019

Viele Studenten stecken im Zwiespalt zwischen Studium und Fitness. Foto: Pauline Rosa Maier

Gegen späten Abend schließe ich meine Haustür auf und falle direkt erschöpft auf die Couch. Ein Exposé muss noch geschrieben, ein Beleg abgeschickt werden und zwei E-Mails warten auf eine Antwort. Nach zehn Minuten durchatmen heißt es also, Laptop raus und so schnell wie möglich alle Aufgaben abarbeiten. Danach lasse ich mich nur noch von der neuen Netflix-Serie berieseln. Morgen früh steht der nächste Termin an. Für Sport, für ein heißes Bad oder für ein paar Entspannungsübungen bleibt heute also wieder keine Zeit. Doch nicht nur mein Alltag während meines Bachelorstudiums sieht so aus. Von Kommilitonen höre ich immer wieder ähnliche Geschichten.

Jeder sechste Student ist psychisch krank. Das geht aus dem aktuellen Arztreport der Krankenkasse Barmer hervor. Verantwortlich dafür ist neben dem ständigen Leistungsdruck und der Zukunftsangst auch die Tatsache, dass oft weder Zeit, noch Geld vorhanden sind, um sich um die eigene Gesundheit, sowie die körperliche und mentale Fitness zu kümmern. Eine Studie der Hochschule Coburg fand heraus, dass ein Dreiviertel der dort Studierenden weniger als zweieinhalb Stunden körperlich aktiv sind. Von der Weltgesundheits-Organisation WHO werden aber mindestens zweieinhalb Stunden körperliche Aktivität pro Woche empfohlen. An der Universität Leipzig ist die Zahl der übergewichtigen Studenten alarmierend. Laut Gesundheitsamt Leipzig sind aktuell 29 Prozent der Studierenden adipös, während es 2013 noch 17 Prozent waren. Mangelnde körperliche Fitness ist also ein Problem, dass deutsche Hochschulen und Universitäten mehr und mehr einnimmt.

Die Problematik

Gerade im Studium ist es schwer, Entspannung und Fitness in den Alltag einzubauen. Als Student, vor allem in praxisbezogenen Studiengängen, stehen oft mehrere Projekte parallel an. Das bedeutet ständige Erreichbarkeit, hier noch ein Anruf und dort noch eine E-Mail. Da fällt es schwer, sich Zeit für den eigenen Körper und die eigene Gesundheit zu nehmen. Oft starren Studenten den ganzen Tag auf den Bildschirm, sitzen in Vorlesungssälen oder in Bibliotheken und bewegen sich kaum. Für viele Studenten ist die Studienzeit auch die erste, die sie in ihren eigenen vier Wänden und somit ohne die Kontrolle der Familie verbringen. Laut eurostat lag das Durchschnittsalter beim Verlassen des elterlichen Haushalts im Jahr 2017 bei 23,7 Jahren. Für junge Studierende gibt es nun plötzlich niemanden mehr, der ein Auge auf ihre Schlafzeiten, ihren Alkoholkonsum oder ihre Ernährung wirft. Diese Selbstverantwortung kann anfangs schwierig sein. Zusätzlich ist das Studium auch finanziell gesehen eine belastende Zeit. Mit einem niedrigen BAföG bleibt oft kein finanzieller Spielraum für die Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder in einem Sportkurs. Auch der Hochschulsport ist dann keine Option. Die Angebote lassen sich nicht mit dem Stundenplan verbinden oder entsprechen nicht den Vorstellungen der Studenten.

Der medizinische Aspekt

Die Konzentration von Studenten ist oft über einen langen Zeitraum gefordert. So ist es auch bei mir. Teilweise besteht mein Unitag aus zwölf Stunden, wobei auch in den letzten noch die komplette Aufmerksamkeit gefordert ist. Deshalb sind Fitness und Entspannung bei Studenten besonders wichtig. Das erzählt mir auch meine Mutter Birgitt Maier, die niedergelassene Ärztin in Leipzig ist, wenn ich ihr von meinem stressigen Unialltag berichte. „Zur Vermeidung von Adipositas ist regelmäßige körperliche Betätigung notwendig. Adipositas bereits im jungen Alter ist ein hoher Risikofaktor für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, erklärt sie bezüglich des Übergewichts bei Studenten. „Den Kreislauf mehrfach täglich anzuregen, ist auch für die geistige Konzentration wichtig, die wiederum für die Lernphasen wichtig ist“, erzählt Birgitt Maier weiter. “Außerdem kann zu wenig Bewegung zu langfristigen Haltungsschäden führen. Beispielsweise Bandscheibenvorfälle sind bereits mit Anfang 30 keine Seltenheit mehr”. Deshalb sollte sich laut Birgitt Maier jeder Student genug Zeit für seine körperliche Fitness nehmen.

Fitness neben dem Studium

Eine Person, die über mehrere Jahre Studium und Sport unter einen Hut bekommen hat, ist Julia Wolf. Sie hat gerade ihre Masterarbeit an der Hochschule Mittweida abgegeben. Die letzten sechs Jahre hat sie hier studiert. Noch länger als ihr Studium begleitet sie ihre Fitnessaffinität. Diese hat bereits mit 16 Jahren begonnen, als sie angefangen hat, regelmäßig mit ihren Eltern ins Fitnessstudio zu gehen. Später hat sie im selben Studio sogar eigene Kurse gegeben. Als sie aus ihrer Heimatstadt nach Mittweida gezogen ist und hier mit ihrem Bachelor in Medienmanagement begonnen hat, musste auch sie anfangs schauen, wie sie Studium und den Sport vereint. Doch durch ihre große Liebe zur körperlichen Fitness hat sie schnell eine Lösung gefunden. „Für mich ist immer Zeit für Fitness“, sagt sie selbst. „Ich habe in einem Fitnessstudio in der Nähe vom Bahnhof angefangen, das war zwar etwas weit weg, aber das war es mir wert. Später habe ich auch an einem Kurs teilgenommen, der vom Hochschulsport angeboten wurde und den ich dann später sogar übernommen habe“, erzählt Julia weiter. Sie hat schnell erkannt, dass man alles schaffen kann, wenn es einem wichtig genug ist. So auch Studium und Fitness parallel. Sie sagt sogar, dass die Bewegung ihr geholfen hat, sich den Lernstoff besser zu merken. „Ich habe mir zum Beispiel Karteikarten geschrieben und mich damit auf den Stepper gestellt“, erklärt sie. Auf die Frage, warum ihr Fitness so wichtig ist, erzählt Julia, dass sie durch den Sport ein super Gefühl für ihren eigenen Körper entwickelt hat. Sie fühlt sich besser, gesünder und ausgeglichener. Noch dazu gibt ihr der Sport neue Energie, die sie für ihr Studium gut gebrauchen konnte und das Fitnessstudio war stets eine gute Abwechslung zum Alltag am Schreibtisch. „Strecken, die man am Tag zurücklegt, kann man ganz einfach zu Fuß auf sich nehmen und nicht immer ins Auto steigen. Genauso kann man jederzeit die Treppen statt den Fahrstuhl nehmen. So kann man den Sport in den Alltag einbauen ohne extra Zeit aufzuwenden. Und ab und zu sollte man auch ins Fitnessstudio, in den Sportkurs oder ähnliches gehen. Man fühlt sich danach immer besser!“, gibt Julia Wolf allen Studenten als Tipp mit.

Julia Wolf zeigt Fitnessübungen für zwischendurch. Sie hat CrossFit Yoga für sich entdeckt. Der Fokus liegt dabei auf der Stabilisierung der Haltung, durch die Beanspruchung aller Muskeln. Fotos: Marcel Nagler

„Gesundheit ist die erste Pflicht im Leben“, sagte Oscar Wilde schon 1895 in seinem berühmten Roman „The Importance of Being Earnest“. Denn ohne einen gesunden Körper würde niemand von uns ein glückliches, erfülltes Leben leben. Einige Studenten scheinen das zu vergessen. Doch das sollte sich ändern! Die eigene Gesundheit sollte jedermanns oberste Priorität und auch mit dem Studium unter einen Hut zu kriegen sein. Einfach mal eine Stunde am Tag den Laptop zuklappen, sich bewegen, ein paar Entspannungsübungen machen, Vitamine zu sich nehmen – und dann voller neuer Energie wieder durchstarten.

Text: Pauline Rosa Maier. Titelbild: Pauline Rosa Maier