Eine Burschenschaft ist ein Freundschaftsbund, in dem alle dieselben Ziele verfolgen: Freundschaft, Tradition und Persönlichkeitsentwicklung. Es ist ein „Bund fürs Leben“, aus dem die Mitglieder im Regelfall nie wieder austreten. Seit der Gründung des Technikums Mittweida im Jahre 1867 gab es in der Hochschulstadt bis zu 48 studentische Verbindungen gleichzeitig. Während des Nationalsozialismus und zu DDR-Zeiten waren jedoch die meisten Burschenschaften verboten. Im Dezember 1990 formierte sich aus 15 jungen Männern einer Seminargruppe der Hochschule Mittweida die Burschenschaft Fidentia. Heute ist Marcel Czerny Vorsitzender der Verbindung. Er studierte Informationstechnik an der Hochschule Mittweida und war zur Gründungszeit Assistenzlehrkraft.

Der Name „Fidentia“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Hoffnung. Auch in den Farben der Bänder und „Vollwichse“ – also der kompletten Uniformen – spiegelt sich diese Einstellung wieder: Grün, Gold und Schwarz. Grün ist die Farbe der Hoffnung, Gold und Schwarz stehen für die Stadt Mittweida. Der verschlungene Zirkel im Wappen der Burschenschaft ist das Symbol dieser besonderen Verbindung. Die Burschenschaft Fidentia ist heute im Bund Deutscher Ingenieur-Corporationen (BDIC) und dem Mittweidaer Senioren-Cartell (MSC) vertreten.

Auch „Chaoten“ können sich bessern

Grundsätzlich kann jeder männliche Studierende der Hochschule Mittweida der Burschenschaft beitreten. In einer Probezeit, der sogenannten „Fuxenzeit“, erhalten die „Fuxen“, also die Lehrlinge, Unterricht. Sie üben sich im Verhalten gegenüber Frauen und Freunden, dem korrekten Benehmen in der Öffentlichkeit, dem Tanzen, in der freien Reden und Rhetorik, erlernen eine perfekte Kleiderordnung, Tischmanieren und natürlich das richtige Verhalten in einer Burschenschaft. Geschichte, Vokabular, Liedgut und Traditionen gilt es zu verinnerlichen. Wichtig ist außerdem, dass die typische Mütze, die Mitglieder einer Burschenschaft nur zum schwarzen Anzug tragen dürfen, beim Essen, Trinken, Telefonieren, Grüßen, Küssen und sogar beim Toilettengang abgenommen werden muss. In regelmäßigen Treffen in der „Constante“, ähnlich einem Clubraum der Burschenschaft, oder bei sogenannten „Kneipen“, das heißt Versammlungen mit Gesang, werden die Traditionen gelebt.

Verhält sich ein Mitglied bei einem solchen Treffen nicht korrekt, so ist das ein „Bierverschiss“, der mit einem kurzfristigen Ausschluss aus der Gruppe sanktioniert wird. Beleidigung oder üble Nachrede werden in einer Burschenschaft nicht geduldet. Stattdessen ist es wichtig, freundschaftlich, offen und demokratisch miteinander umzugehen. „Wenn sie reinkommen, sind es alles Chaoten und im Laufe der Zeit mausern sie sich zum Guten“, umschreibt Kerstin Czerny scherzhaft die Entwicklung der jungen Männer in der Burschenschaft. Sie ist eine sogenannte „Couleurschwester“ und damit Ehrenmitglied in der Vereinigung aufgrund besonderer Verdienste. Sie unterstützt die Mitglieder der Burschenschaft, die „Fidenten“, unter anderem bei der Organisation des alljährlichen Gründungsfestes Anfang Dezember. Damit stellt sie als Frau jedoch eine Ausnahme dar, denn die Studentenverbindung ist mit ihren etwa 50 Mitgliedern eine reine Männerdomäne.

Frau Czerny umschreibt den Bund der Männer so: „Tritt in eine Studentenverbindung ein und du bist nie wieder einsam.“ Grillabende, Wochenendausflüge und eine alljährliche Floßtour auf der Saale sowie der Kontakt mit befreundeten Burschenschaften sind Beweise für die gelebte Freundschaft.

Link: Website der Burschenschaft Fidentia Mittweida

Im folgenden Audiobeitrag erklärt der Vorsitzende der Burschenschaft Fidentia, Marcel Czerny, wer in die Verbindung eintreten kann und was ihn erwartet. Auch der Rektor der Hochschule Mittweida, Professor Dr. Lothar Otto, nimmt zur Zusammenarbeit von Hochschule und Burschenschaft Stellung.