Friedhof – Treffpunkt für Gedanken über den Tod

Große Bäume, dichte immergrüne Hecken und ausgebaute Wege, umgeben von einer alten Ziegelmauer. Wenn man das so hört könnte man meinen, die Rede sei von einem Park. Trotzdem sind nirgendwo lachende Kinder oder Studenten mit Picknickkörben zu sehen, denn tatsächlich befinden wir uns auf dem Alten Mittweidaer Friedhof.

Robert* ist Student in Mittweida. Gelegentlich kommt er hierher, um über alles Mögliche nachzusinnen. Warum geht er dafür aber auf den Friedhof? „Das ist ein Ort der Ruhe, abseits so vom alltäglichen Rummel, da kann man abschalten, aber auch mal über das Leben und den Tod nachdenken.“ Robert konfrontiert sich selbst mit einem Thema, dass für viele Menschen mit Leid verbunden und somit eher gemieden wird. Doch auch abseits des Friedhofs beschäftigt er sich mit dem Tod. Seit einigen Jahren diskutiert er immer wieder mit Familie und Freunden über das Thema und schreibt seine Ergebnisse auf. Irgendwann möchte er daraus einmal ein kleines Buch machen. Doch was veranlasst ihn dazu, sich so mit dem Tod zu befassen? „Es betrifft uns ja alle irgendwann […] keiner bleibt davon verschont.“

Damit trifft er einen Nerv in der Gesellschaft. Jeder weiß, dass das Leben einmal ein Ende hat. Tagtäglich werden die Menschen damit konfrontiert, denn der Tod ist ein elementarer Bestandteil des natürlichen Kreislaufs. In jeder Kultur und in den Religionen spielt das Lebensende eine zentrale Bedeutung. Trotzdem ist der Tod häufig ein Tabuthema. Das hat auch Robert schon mehrfach festgestellt: „Viele sagen dann „kein schönes Thema, lass uns über was Anderes reden“ oder lenken vom Thema ab.“ Dennoch lässt er nicht davon ab nachzufragen. Die Ergebnisse die er bekommt sind immer unterschiedlich: „Eine sehr gute Freundin von mir denkt zum Beispiel, dass sterben einfach wie einschlafen ist. Man merkt es ja nachts auch nicht, wenn man schläft und beim Sterben wacht man halt endgültig nicht mehr auf. Ein anderer Freund von mir ist Krankenpfleger. Für ihn ist der Tod was ganz Normales. Er denkt, dass die Menschen so sterben, wie sie auch gelebt haben, also wenn du optimistisch bist, dann bleibst du auch beim Sterben gelassen und umgedreht.“

Der alte Friedhof in Mittweida zeigt ebenfalls verschiedene Ansichten über den Tod. Auf manchen Gräbern stehen große Grabteine mit goldener Inschrift, andere werden von Efeu bedeckt. Robert ist der Ansicht, dass jedes Grab auch etwas über die Biographie des Verstorbenen erzählt. Darüber kann man sicherlich streiten, denn wie ein Grab aufgebaut und gepflegt wird, hängt zumeist von den persönlichen Bedingungen der Hinterbliebenen und deren Beziehung zum Verstorbenen ab. Doch ein Trost bei dieser Ansicht bleibt: Mit dem Grab bleibt auch ein Stück Erinnerung an die Toten. Vielleicht sollten Friedhöfe nicht nur als Orte des Leidens gesehen werden, sondern eben auch, wie es in anderen Kulturen üblich ist, als Ort des Mutes und der Freude am Leben.

Robert hat für sich selbst noch keine Antworten gefunden, wie sich Sterben wohl anfühlt, oder ob es etwas danach gibt. Aber er hat trotzdem keine Angst vor dem Tod. „Wenn es soweit ist, dann ist es halt so. Kann eh niemand vorhersagen oder was dran ändern. Aber ich hab mir schon paar Mal vorgestellt, wie es wäre ein Geist zu sein. Ich würde vermutlich ständig Leute ärgern, aber ich würde auch auf meine Familie und meine Freunde aufpassen.“

*Name geändert