Hubert-Burda-Media

Vom FOCUS Online bis zum Haustiershop, Hubert Burda Media vereint sie alle.

Zeitungen, Zeitschriften, Verlage, alle kämpfen mit den gleichen Problemen. Wie kann journalistische Qualität gehalten werden, wenn Auflagenzahlen sinken und Anzeigenkunden wegbrechen? Eine Lösungsmöglichkeit bietet die zunehmende Diversifikationsstrategie verschiedener Medienunternehmen.

Hubert Burda Media zählt zu den innovativsten Medienunternehmen Europas. Grund genug, sich ein kurzes Update über das Unternehmen zu verschaffen.

Interessant: Um fast 13 Prozent soll Hubert Burda Media den Umsatz 2012 im Vorjahresvergleich gesteigert haben. Doch halt, was ist das? Nicht etwa mit der auf der Website angepriesenen Investition in innovative Magazintitel wie etwa FOCUS Online oder ähnliches. Nein. Sondern mit Tierfutter und Urlaubsreisen auf „Zooplus.de“ oder „HolidayCheck“.

Was das soll?

Das Schlagwort heißt Konvergenz. Eigentlich gar keine so schlechte Idee. Was an Erlösen nicht über traditionelle Wege erwirtschaftet wird, soll mit dem Vertrieb von Tiernahrung ausgeglichen werden. Und wenn die Anzeigenkunden wegbrechen? Kein Problem, dann werden einfach Anzeigen des eigenen Unternehmens geschalten, ohne das es der Leser merkt. Wie praktisch.

Radio setzt auf Dienstleistung

Natürlich ist gerade der Verkauf von Tierfutter ein vergleichsweise untypisches Beispiel. Auch „RADIO PSR“ setzt auf ergänzende Geschäftsfelder. Neben Werbeeinnahmen kommen sogenannte Business-to-Consumer Themen hinzu – wie der Verkauf eigener CDs und Bücher. „Weiterhin bieten wir über die ,RADIO PSR‘-Muttergesellschaft ,REGIOCAST‘ Dienstleistungen wie New Media Lösungen und Werbedisposition für andere Radiounternehmen in ganz Deutschland an“, erklärt Nico Nickel aus der Unternehmenskommunikation „RADIOZENTRUM“ in Leipzig. Diese Angebote umfassen neben Projektmanagement und Screendesign auch Sendelistenplanung und Reklamationsbearbeitung.

Räuchermännchen für journalistische Qualität

Die Gründe für eine solche Konvergenz scheinen einleuchtend. Wer sich ausschließlich auf eine Erlössäule stütze, stehe im Zweifelsfall vor dem Aus, wie Nickel erklärt. „In einem sich schnell verändernden Medienmarkt halten wir es für zwingend notwendig, sich weiterzuentwickeln und die Diversifikation der Geschäftsfelder voranzutreiben.“

Meinungen, gänzlich auf Querfinanzierungen verzichten zu müssen, finden sich fast keine. Immer wieder tauchen Gründe auf, die verheißen lassen, dass nur so sinkende Vertriebs- und Anzeigenerlöse auszugleichen sind. Dieser Ansicht ist auch Torsten Kleditzsch, Chefredakteur der Freien Presse. „Will man die journalistische Qualität bei sinkenden Vertriebserlösen halten, dann braucht man auch neue Erlösquellen.“ Welche diese genau sind, wurden jedoch nicht verraten, aber seit Jahren sind in Freie Presse-Shops verschiedene Tickets und Bücher und sogar auch Räuchermännchen im Angebot.

Auf Wachstum starker Marken setzen

Gänzlich auf Diversifikationsstrategien verzichten will die Bertelsmann-Tochtergesellschaft Gruner+Jahr. „Wir bei Gruner+Jahr setzen auf unsere Inhalte und deren Entwicklung und Ausbau“, erklärt Pressesprecher Christian Merl. Einen weitgehenden Nutzen der nicht-publizistischen Erlösquellen über die finanziellen Aspekte hinaus sieht Merl nicht.

Anders hält es Nico Nickel von „REGIOCAST“: „Zum einen löst die Auseinandersetzung mit diesen Themen einen Innovationsprozess innerhalb der Unternehmen aus, der neues Wissen, neue Expertise und nicht zuletzt neue Stellenprofile generiert.“ Darüber hinaus würden neue Geschäftsfelder auch das Eigenmarketing stärken, wodurch die Markenwahrnehmung des klassischen Mediums positiv beeinflusst werden könne. „Die beste Antwort auf die Herausforderung des Marktumfeldes ist Innovation.“

Medienunternehmen vs. Mischkonzern

Meinungen über Konvergenz auf dem Medienmarkt gibt es verschiedene. Grundsätzlich ist aber kaum ein Unternehmen abgeneigt. Christian Merl von Gruner+Jahr wirft letztendlich eine Frage auf: „Welchen Weg soll ein Medienunternehmen in Zukunft einschlagen? Will es Medienunternehmen bleiben oder Mischkonzern werden?“ Diese Frage muss sich jedes Unternehmen selbst beantworten. Im Endeffekt ist dennoch die Diversifikation aus rein finanziellen Aspekten praktisch zu sehen.

Text: Laura Berghold. Bild: André Krautschick.