Der Hype um die neue Trendsportart

von | 29. September 2018

MOBA-Games werden oft am PC gespielt. Ein Headset zur Kommunikation untereinander gilt als Grundausstattung. Foto: Lena von Heydebreck

Hochkonzentrierte Spieler, tausende jubelnde Fans, Millionen an Preisgeld. Vom Hobby zur Sportart. Ein Blick in die Welt des eSports.

Frenetischer Applaus brandet durch das Olympiastadion von Peking. 45.000 Fans jubeln für eines der beiden Teams, über 40 Millionen Zuschauer verfolgen das Match live per Stream mit. Doch es handelt sich hierbei nicht um ein Fußballspiel oder die Olympischen Spiele. Es ist das Finale der „League of Legends“-Weltmeisterschaft, welches am 4. November 2017 stattfand. Dabei handelt es sich nur um eines von vielen großen eSports-Turnieren, die seit Jahren immer mehr Zuschauer begeistern. Und auch immer lukrativer, den allein die Preisgelder gehen vereinzelt in die Millionen. Allein das Sieger-Team bekam bei der League of Legends-WM über 1,8 Millionen Dollar Preisgeld. Doch was versteht man unter dem Begriff „eSport“ genau?

Vom Nischensport zum Massenphänomen

Der elektronische Sport, oder eSport, bezeichnet nach Jörg Müller-Lietzkow, Professor für Medienökonomie und Medienmanagement an der Universität Paderborn, das „wettbewerbsmäßige Spielen von Computer- oder Videospielen im Einzel- oder Mehrspielermodus. eSport versteht sich des klassischen Spielbegriffs und erfordert sofern Spielkönnen, als auch strategisches und taktisches Verständnis.“ Obwohl laut eSport-Bund Deutschland sich der Begriff im generellen Verständnis vom grundlegenden Charakter des Sports bewegt, wird er von vielen Menschen in der Gesellschaft nicht als richtige Sportart anerkannt. Aber auch wenn die genaue Zuordnung weiterhin strittig ist, wird eSport immer populärer. Sein einstiges Image als Nischensport trägt der eSport längst nicht mehr zu Recht:  Millionen von Zuschauern verfolgen Turniere oder Weltmeisterschaften via Stream oder fiebern direkt vor Ort mit. Die Profi-Spieler und Spielerinnen aus aller Welt werden mit ihren Teams gefeiert wie Weltstars.

Nicht nur Jugendliche begeistert der eSport, auch Sportler und Prominente sind Gamer: Mila Kunis, Vin Diesel, Snoop Dogg oder Sportler wie Neymar, Lionel Messi oder Antoine Griezmann spielen auch hobbymäßig gerne Games. Sogar Sängerin Jennifer Lopez, Ronaldo oder Steve Aoki besitzen oder haben Anteile an ihren eigenen eSport-Teams. Nicht nur in den Medien, auch in der Politik wird eSport zum Thema. Im März verfassten Koalitionsvertrag will man „eSport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen.“ So fehlt im Generellen nur noch die Anerkennung als offizielle Sportart, zum Beispiel des Olympischen Komitees, obwohl diese für viele längst überfällig ist.  Laut Sportwissenschaftler Kevin Rudolf gibt es eben Sportarten, „bei denen die Belastungen anders verteilt sind, man denke nur an Billiard, Schach oder Schießen. Wie bei diesen Sportarten liegen die Anforderungen im eSport vielmehr im Bereich der kognitiven Fähigkeiten.“ So kommt es eben auch auf schnelle Reaktionszeiten und Multitasking an.

Was wird eigentlich gespielt?

Der eSport hat viele unterschiedliche Spiele im Repertoire, welche ihre ganz eigenen Mechaniken und Regeln besitzen. Am bekanntesten sind wohl die MOBA-Games (Multiplayer Online Battle Arena) wie League of Legends oder DOTA2. In beiden treten jeweils zwei Teams mit jeweils fünf Spielern gegen das Andere an. Ziel ist es dabei, die gegnerische Basis oder feindlichen Kern zu zerstören. Allein DOTA2 konnte laut ComputerBild zu Spitzenzeiten 30 Millionen aktive Spieler verzeichnen. Im Shooter-Genre sorgen Counter-Strike: Global Offensive und Rainbow Six – Siege für intensive Teamgefechte. Auch Strategie-Spiele werden wettbewerbsmäßig gespielt. Mit World of Tanks oder Starcraft 2 hat man zwei erfolgreiche Vertreter. Der Vorgänger Starcraft sorgte schon 1998 in Südkorea für ein Massenphänomen, worauf man gleich zwei TV-Sender allein für eSport-Matches startete. Auch für Solisten kann man mit Hearthstone seine Kartenkünste präsentieren, während man bei FIFA den digitalen Ball rollen lassen kann. Viele dieser Titel tragen ihre Turniere weltweit aus, vereinzelt mit Preisgeldern in Millionenhöhe.

Das Fernsehen als neuer Ausstrahlungsort des eSports

Bei der wachsenden Popularität dauerte es nicht lange, bis auch die TV-Branche auf eSport aufmerksam wurde; allen voran der Sportsender Sport1 und die ProSiebenSat.1-Gruppe. Seit 2015 gibt einen zusätzlichen eSport-Kanal auf sport1.de und eine extra eSports-App. Seit 2016 werden auch die ersten Turniere im Free-TV gezeigt. Mit einer Reportage-Reihe über die eSport-Aktivitäten des VfL Wolfsburg konnte man auch viele Zuschauer erreichen. Zuletzt wurde das Finale der FIFA Global Series 2018 gezeigt. Auch die ProSiebenSat.1-Gruppe widmet sich dem Thema auch im Free-TV. Zwar erst zu späterer Uhrzeit, aber bei wachsendem Interesse will man weiter in die Ausstrahlung von eSport-Events investieren. Mit dem Magazin „ran eSports“ konnte der Sender für sich zufrieden stellende Quoten einfahren. Laut der InfoDigital sagte Zeljko Karajica, der CEO von 7Sports, dass der eSport von den Zuschauern gut angenommen wurde. „Dank der Kooperation mit der ESL (European Sports League) haben wir hochwertigen Content, den wir über das ProSiebenSat.1-Netzwerk ausspielen können- vom Massenmedium TV bis hin zu digitalen Plattformen wie ran.de.“

In Einblick in League of Legends zeigt, wie man mit Leidenschaft den Vorurteilen trotzt.

Nicht von der Hand zu weisen ist der Fakt, dass die Konkurrenz im linearen TV groß ist und das es einige Zeit dauern wird, bis wir mehr und öfter eSport vor dem Fernseher sehen werden. So wie aber sich das Medium TV verändert, wird sich der digitale Sport auch wandeln. So wie die „Gamer“ älter werden, steigt simultan auch die Akzeptanz und Bekanntheit dieser neuen Sportart. Wer weiß, vielleicht fiebern wir in einigen Jahren im Stadion nicht mehr nur mit unserer Lieblings-Fußballmannschaft mit, sondern hoffen, dass unser Lieblings-Fifa-Spieler die nächste Runde gewinnt.

Text: Michael Born, Foto: Lena von Heydebreck