Mit dem Zug quer durch Europa

von | 10. Januar 2020

Den europäischen Kontinent entdecken: Interrail machts möglich. Titelbild: Anton Baranenko

Spontanität, Freiheit, Abenteuer: Wer beim Reisen lieber auf Erkundungstour statt Pauschalurlaub setzt, für den könnte Interrail eine Option sein. Jedes Jahr erkunden mehr als 280.000 Menschen mit dem Interrail-Pass im Gepäck Europa. Welche Ticketoptionen es gibt, was zu beachten ist und für wen sich die Zugfahrkarte eignet, könnt ihr hier nachlesen.

Was ist Interrail?

Bei einem Interrail-Pass handelt es sich um ein Bahnticket zum Pauschalpreis. Je nach Tarif lässt sich mit der Zugfahrkarte entweder ein europäisches Land oder der gesamte Kontinent entdecken. Insgesamt stehen 40.000 Reiseziele in 31 Ländern zur Auswahl, aus denen sich das Reiseabenteuer individuell zusammenstellen lässt. Innerhalb des vorab ausgewählten Zeitraumes kann der Pass für unbegrenzt viele Zugfahrten genutzt werden. Dabei besteht keine Einschränkung durch vorgeschriebene Zugfahrten oder -zeiten, wodurch eine flexible Planung und spontanes Reisen möglich sind.

Welche Reiseziele gibt es?

Ein Überblick, welche europäischen Länder mit einem Interrail-Ticket bereist werden können:

  • Belgien
  • Bosnien und Herzegowina
  • Bulgarien
  • Dänemark
  • Deutschland
  • Finnland
  • Frankreich
  • Griechenland
  • Großbritannien
  • Irland
  • Italien
  • Kroatien
  • Litauen
  • Luxemburg
  • Mazedonien
  • Montenegro
  • Niederlande
  • Norwegen
  • Österreich
  • Polen
  • Portugal
  • Rumänien
  • Schweden
  • Schweiz
  • Serbien
  • Slowakei
  • Slowenien
  • Spanien
  • Tschechische Republik
  • Türkei
  • Ungarn

Genauere Informationen und Tipps zu den einzelnen Destinationen sowie Empfehlungen zu Reiserouten sind auf der Webseite von Interrail aufgeführt.

Wer kann mit Interrail reisen?

Als Interrail 1972 gegründet wurde, war die Entdeckungstour quer durch Europa nur für junge Menschen bis 21 Jahre vorgesehen. Heute gibt es diese Altersbeschränkung nicht mehr. Grundsätzlich kann jeder, der über einen offiziellen Wohnsitz in Europa verfügt, ein Interrail-Ticket erwerben. Alle Abenteuerlustigen, die außerhalb von Europa leben, haben die Möglichkeit, mit dem Eurail-Ticket auf Reisen zu gehen – diese Zugfahrkarte basiert auf dem gleichen System wie Interrail

Wichtig ist zu beachten, dass der Bahnpass in jedem Fall personengebunden und nicht übertragbar ist. Außerdem muss der Reisende zu jeder Zeit mit einem Lichtbildausweis nachweisen können, dass er der Besitzer des Tickets ist.

DiscoverEU

DiscoverEU wurde nach einem Vorschlag des Europäischen Parlaments ins Leben gerufen und soll es jungen Menschen ermöglichen, Europa zu bereisen und dadurch den Kontinent und seine Kulturen kennenzulernen. Ursprünglich sollten alle Jugendlichen in Europa ein Interrail-Ticket zum 18. Geburtstag erhalten – dieses Geschenk zur Volljährigkeit war der EU-Kommission laut verschiedenen Medienberichten aber vermutlich zu teuer, weshalb das Projekt im Sommer 2018 in abgespeckter Version durch ein Auswahlverfahren gestartet wurde. Jugendliche, die an dieser Initiative teilnehmen wollen, müssen 18 Jahre alt und Staatsbürger eines der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sein. Jedes Jahr gibt es zwei Bewerbungsrunden. Um daran teilzunehmen, muss in einem Online-Bewerbungsformular die Nummer des Personalausweises oder Reisepasses angegeben und im Anschluss ein Quiz absolviert werden. Es besteht zudem die Möglichkeit, sich als Gruppe mit bis zu vier Personen zu bewerben vorausgesetzt, alle Gruppenmitglieder erfüllen die Teilnahmebedingungen. Bisher haben laut dem Europäischen Jugendportal rund 50.000 junge Menschen einen Pass erhalten, mit dem sie in einem vorgegebenen Zeitraum bis zu 30 Tage lang Europa erkunden konnten.

Welche Ticketoptionen gibt es?

Global Pass vs. One Country Pass

Bei der Wahl des passenden Interrail-Tickets sind die grobe Anzahl der Reiseziele und der dafür vorgesehene Zeitraum entscheidend. Für diejenigen, die quer durch Europa auf Entdeckungstour gehen und sich dabei möglichst alle Freiheiten offen lassen wollen, eignet sich der Interrail Global Pass. Mit diesem Ticket können innerhalb des gültigen Zeitraumes alle der 31 teilnehmenden Länder bereist werden. 

Wer nicht so viel Zeit hat oder lieber ganz intensiv in die Kultur eines bestimmten europäischen Landes eintauchen möchte, für den könnte der Interrail One Country Pass eine Option sein. Dieses Ticket bietet die Möglichkeit, für einen ausgewählten Zeitraum unbegrenzt durch ein einzelnes Land zu reisen.

Flexi Pass vs. Continuous Pass

Ist die Entscheidung bezüglich der groben Reiseroute gefallen, muss bei der Auswahl des richtigen Tickets noch die Verweildauer in den einzelnen Städten berücksichtigt werden. Mit einem Flexi Pass kann an jedem Tag während der Gültigkeitsdauer des Interrail-Tickets gereist werden. Die Anzahl der Reisetage hängt dabei vom jeweiligen Pass ab. Zur Auswahl stehen beispielsweise vier Reisetage innerhalb von einem Monat oder 15 Reisetage innerhalb von zwei Monaten. 

Ein Continuous Pass ist ausschließlich in Kombination mit einem Global Pass möglich. Mit dieser Ticketoption kann an jedem Tag während der ausgewählten Gültigkeitsdauer des Passes gereist werden. Die kürzeste Reisedauer beträgt mit dem Continuous Pass 15 Tage. Es ist aber auch möglich, ein Ticket mit bis zu drei Monaten Gültigkeit zu erwerben.

Berechnung der Reisetage

Ob ausgedehnte Europa-Tour oder Kurztrip: Interrail bietet Tickets mit verschiedenen Variationsmöglichkeiten an. Von drei Reisetagen innerhalb von einem Monat bis zu drei ganzen Reisemonaten stehen diverse zeitliche Abstufungen zur Auswahl. Ein Reisetag beginnt und endet dabei immer um Mitternacht. Innerhalb dieses Zeitraumes können unbegrenzt viele Züge im gesamten Schienennetz der Länder genutzt werden, für die der jeweilige Interrail-Pass gültig ist.

Wie viel kostet ein Interrail-Ticket?

Die Kosten der verschiedenen Interrail-Tickets hängen zum einen von den Reisezielen und der Anzahl der Reisetage ab und zum anderen vom Alter des Reisenden. Die Preise gelten in allen teilnehmenden Ländern und werden in Euro angegeben. Grundsätzlich gibt es vier Tarifgruppen:

  •     Kinder (4-11 Jahre) 
  •     Jugendliche (12-27 Jahre)
  •     Erwachsene (28-59 Jahre) 
  •     Senioren (ab 60 Jahre)

Dabei zahlen Erwachsene den jeweiligen Vollpreis für ihr Ticket. Senioren erhalten eine Ermäßigung von zehn Prozent auf alle Interrail-Pässe. Kinder reisen kostenlos mit, ab dem fünften Lebensjahr ist dafür ein spezieller Kinder-Pass notwendig. Dieser ist nur zusammen mit einem Erwachsenen- oder Senioren-Pass gültig. Die erwachsene Person muss hierbei nicht zwingend ein Familienmitglied sein.

Besonders attraktiv ist das Interrail-Ticket hinsichtlich des Preises für Personen bis einschließlich 27 Jahre – sie erhalten aktuell bis zu 23 Prozent Rabatt auf ihr Interrail-Ticket. Somit eignet sich das Reisen mit der Eisenbahn insbesondere für Studierende mit akutem Fernweh, aber geringem Budget.

Verwendung des Interrail-Passes

Vorbereitung

Wenn der grobe Reiseplan feststeht und somit die Entscheidung für ein Ticket gefallen ist, kann der Interrail-Pass online gekauft werden. Wer seine Reise langfristig plant, kann seinen Pass bis zu elf Monate im Voraus erwerben und durch Frühbucherrabatte sparen. Das Zugticket wird per Einschreiben direkt nach Hause geliefert. Interrail verkauft ausschließlich Papier-Tickets und bietet keine elektronische Version an. Das Unternehmen begründet diese bewusste Entscheidung damit, dass in den 31 europäischen Ländern, die mit Interrail bereist werden können, Fahrkarten nicht einheitlich ausgestellt werden und das Ticket in Papierform dadurch eine universelle Lösung darstellt. 

Neben dem Zugticket gehört zum Lieferumfang außerdem ein Interrail-Armband, ein Pass-Führer mit Informationen rund um die Nutzung von Interrail und eine Bahnstreckenkarte.

Nach Erhalt des Interrail-Passes sollten unbedingt die abgedruckten Daten überprüft werden. Sind die angegebenen Informationen falsch, ist das Ticket ungültig und muss an Interrail zurückgesandt und korrigiert werden.

Unterwegs

Der Interrail-Pass ist für die nationalen Bahngesellschaften und einige Fährlinien der teilnehmenden europäischen Länder gültig. Eine komplette Auflistung der Partner findet sich im mitgelieferten Pass-Handbuch oder in der Online-Übersicht auf der Interrail-Webseite

Die erste Bahnreise kann am ersten Reisetag des Passes ab Mitternacht angetreten werden. Spätestens um Mitternacht des letzten Gültigkeitstages muss die letzte Bahnreise beendet sein.

Was muss bei einer Reise mit Interrail beachtet werden?

Reisen ins Wohnsitzland

Zum Zugfahrticket gehört ein Reisetagebuch, in welches die Termine der einzelnen Fahrten eingetragen werden müssen. Wer sich für einen Interrail Global Pass entschieden hat und innerhalb seines Wohnsitzlandes reisen möchte, muss diese Termine unbedingt auf dem Pass vermerken. Nur dadurch erhält der Reisende die Berechtigung, an den zwei ausgewählten Terminen Fahrten in das Wohnsitzland zu unternehmen. An anderen Tagen ist das Interrail-Ticket für Fahrten im eigenen Land nicht gültig. Dadurch soll der ursprüngliche Sinn des Interrail-Passes – Europa zu erkunden – aufrechterhalten und der Missbrauch des Tickets durch Pendler im Wohnsitzland vermieden werden.

Reservierungen

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich vorab in einem bestimmten Zug einen Sitzplatz reservieren. Bei ausgewählten europäischen Zügen ist eine Vorabreservierung außerdem notwendig, um überhaupt in den Zug einsteigen zu dürfen. Dazu zählen eine Vielzahl von Zügen in Spanien, Italien und Frankreich sowie Highspeed- und Nachtzüge. Dafür fallen in den meisten Fällen zusätzliche Reservierungsgebühren an.

Eintragen von Reiseinformationen

Die Reiseinformationen von jedem genutzten Zug werden vor der Nutzung im zugehörigen Interrail-Reisetagebuch eingeschrieben. Bei einem Flexi Pass muss außerdem das Datum von jedem Reisetag auf dem Interrail-Pass eingetragen werden – und zwar vor Einstieg in den ersten Zug des Tages. Ansonsten handelt es sich um eine Reise ohne gültige Fahrkarte, was mit Bußgeldern bestraft werden kann. Beim Eintragen ist außerdem Konzentration gefragt: Wird das Datum falsch im Reisekalender vermerkt, muss es im darauffolgenden Feld korrigiert werden – wodurch ein ganzer Reisetag verloren geht.

Und wie funktioniert Interrail in der Realität?

medienMITTWEIDA hat mit zwei Studierenden gesprochen, die bereits mit Interrail durch Europa gereist sind, und sie nach persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen zum Reisen mit dem Zug befragt.

Vicky erfuhr vom großen Bruder ihrer besten Freundin von Interrail. Foto: privat

Viktoria Hofmann

Viktoria Hoffmann studiert Lehramt für Deutsch und Geographie und ist nach ihrem Abitur zusammen mit Freunden und dem Interrail-Ticket einen Monat lang durch Südosteuropa gereist.

Die 21-Jährige ist von Interrail überzeugt – und plant deshalb für die kommenden Semesterferien bereits ihre nächste Zugreise durch Europa.

Interview mit Vicky

Wie hast du das Reisen mit Interrail empfunden? 

Ich fand das wirklich alles sehr einfach und würde es genau deshalb auch jedem empfehlen – egal ob alt oder jung, das ist für jeden machbar. Im Endeffekt musst du dir vorher wirklich nur überlegen, wo es hingehen soll. Dann schreibst du das in diesen Pass, den du zugeschickt bekommst, setzt dich in den Zug, zeigst das beim Schaffner vor – und das war es auch schon. Das Einzige, was ein kleines bisschen komplizierter ist und worauf man wirklich achten sollte: bei einigen Zügen vorab einen Sitzplatz zu reservieren, denn manchmal sind die Züge wirklich komplett voll. Und bei einer Zugreise von mehreren Stunden ist es echt nicht cool, die ganze Zeit zu stehen oder auf dem Flur hocken zu müssen. Das ist also ein wichtiger Punkt, den man beachten muss, aber ansonsten gibt es eigentlich keine einfachere Art zu reisen.

Für wen ist das Reisen mit Interrail aus deiner Sicht besonders geeignet?

Ich kann das ehrlich gesagt gar nicht an einer bestimmten Ziel- oder Altersgruppe festmachen. Prinzipiell ist es denke ich für jeden geeignet, der einfach Bock darauf hat, viele Orte in kurzer Zeit zu sehen. Auch für alle, die jetzt noch nicht so viel Reiseerfahrung haben, eignet sich Interrail super, eben weil es eine sehr einfache und unkomplizierte Möglichkeit zum Reisen ist. Es ist natürlich nichts für Leute, die Lust auf Pauschalurlaub haben, bei dem alles geplant ist – vom Flug bis zum Transport und der Unterkunft. Sondern es ist schon eher was für diejenigen, die ein bisschen Abenteuerlust besitzen und viel auf eigene Faust machen wollen. Neben der Lust auf diese Art des Reisens sollte man auch ein bisschen Organisationstalent und Orientierungssinn mitbringen. Es ist eben keine vorgeplante Reise, die einem fertig serviert wird, sondern man muss schon individuell planen und das Ganze selbst in die Hand nehmen können. Dazu gehört eben auch, sich in der jeweiligen Stadt zurechtzufinden. Das ist aber alles machbar und man kann sich vorab informieren. 

Ich denke, dass insbesondere Studierende viele dieser Eigenschaften besitzen und Interrail deshalb gut für sie geeignet ist. Trotzdem würde ich das nicht pauschalisieren, denn im Endeffekt muss einfach jeder für sich selbst wissen, ob er Lust auf eine Reise mit dem Zug hat. 

Welche Tipps würdest du anderen, die Interrail auch ausprobieren möchten, mit auf den Weg geben?

Das kommt natürlich auch immer ein bisschen darauf an, wie man seine Reise plant. Wir haben das damals alles vorher gebucht und uns vor der Reise über Unterkünfte in den Städten informiert und geschaut, wo die meisten Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind. Das war rückblickend definitiv von Vorteil, weil es dadurch ein sehr entspannter Urlaub geworden ist und wir während der Reise nicht mehr so viel organisieren mussten. Deshalb würde ich das auch jedem empfehlen, der auf der sicheren Seite stehen will. Ich habe aber auch schon von vielen Leuten gehört, die alles spontan vor Ort geplant haben und da hat das auch super geklappt – da muss man eben einfach wissen, was für ein Typ man ist und auf sein Bauchgefühl hören. 

Ansonsten würde ich empfehlen, sich vorher ein bisschen über das Land oder die Stadt zu informieren, gerade was so Sachen wie Währung oder Verkehrssystem betrifft. Außerdem würde ich den Tipp geben, nicht zu viel Gepäck mitzunehmen. Gerade bei Klamotten kann man wirklich einsparen, weil man ja im Prinzip überall waschen kann. Trotzdem sollte man natürlich so packen, dass man für alle Wetterlagen gerüstet ist. Ich kann mich nämlich noch daran erinnern, dass ich damals ganz schön geschockt von den Temperaturunterschieden zwischen den Ländern war: In Ungarn war es zum Beispiel super heiß und in Polen dagegen richtig kalt. Also: lieber ein bisschen weniger einpacken, dafür aber durchdacht. Und wenn man doch mal was vergessen hat, geht die Welt auch nicht unter, denn heutzutage kann man ja fast alles nachkaufen.

Eric Brunner

Der 21-jährige Eric Brunner wurde durch seine Freunde auf Interrail aufmerksam und erkundete im Sommer 2017 insgesamt neun europäische Städte mit dem Zug.

Der Student für Wirtschaftsingenieurwesen reiste mit Interrail nach Wien, Ljubljana, Pula, Zagreb, Budapest, Bratislava, Krakau, Warschau und Breslau. 

Eric denkt noch gerne an seinen Trip mit Interrail zurück. Foto: privat

Interview mit Eric

Was war das schönste Erlebnis auf deiner Reise mit Interrail?

Das ist schwierig zu sagen, denn bei all den Eindrücken, die man während dieser Reise sammelt, kommt schon einiges an besonderen Momenten zusammen. Wenn ich mich auf eine Sache festlegen müsste, würde ich aber sagen, dass der schönste Moment tatsächlich das Einsteigen und Hinsetzen im allerersten Zug war. Von zu Hause losstarten und vor Augen haben, jetzt einen Monat lang mit dem Zug quer durch Europa unterwegs zu sein – das war so ein richtiger Wow-Moment. Da hab ich einfach nur Vorfreude verspürt und zum ersten Mal richtig realisiert, dass das Abenteuer jetzt wirklich losgeht.  

Lief während deiner Reise auch etwas richtig schief?

Prinzipiell lief eigentlich alles ziemlich glatt und es ging nichts Gravierendes schief. Aber ich sag mal so: Man hat natürlich immer mal eine Verspätung. Das ist, glaube ich, beim Bahnverkehr einfach immer ein Risiko. Außerdem ist die Infrastruktur zum Beispiel in Kroatien oder in der Slowakei längst nicht so gut ausgebaut wie hier. Das bedeutet, dass es auf meiner Reiseroute zum Beispiel Züge gab, die nur einmal am Tag gefahren sind. Deshalb muss man den Zug dann logischerweise auch bekommen, wenn man sein Ziel erreichen will. Einmal fuhr unser Zug früh um sechs Uhr und wir hatten davor noch eine Hostel-Party, sodass wir nach nur zwei Stunden Schlaf zum Zug hetzen mussten, weil wir sonst unsere Reise nicht wie geplant hätten fortführen können. Das war schon ein bisschen stressig aber darauf muss man eben einfach achten und im Endeffekt konnten wir auch drüber lachen. Dann ist da noch das Sitzplatzproblem. Anfangs haben wir vergessen, uns Sitzplätze zu buchen, und mussten dann für mehrere Stunden im Zug stehen, was nicht so cool war. Es ist aber auch mal vorgekommen, dass ein Zug vollkommen überfüllt war. Da hatten wir zwar Sitzplatzreservierungen, konnten die aber gar nicht nutzen, denn wir sind gar nicht bis zu unseren Sitzplätzen vorgedrungen. Auf sowas muss man sich eben auch einstellen und das in Kauf nehmen. Außerdem muss man beachten, dass man aus seinem eigenen Land nur raus- und am Ende wieder reinfahren kann. Da muss man echt aufpassen, wenn man seine Reisestrecke plant, dass man sein eigenes Land vermeidet, weil das Ticket dort nicht gilt. 

Was sind aus deiner Sicht die größten Vorteile von Interrail?

Ein großer Vorteil ist auf jeden Fall, dass alle Zugfahrten in einem Ticket gebündelt sind und dass ich dabei selbst entscheiden kann, wann und wohin ich fahre. Ein weiterer Vorteil ist, dass dieses Ticket in vielen europäischen Ländern gilt und man dadurch sehr viele Orte bereisen kann. Dann finde ich noch gut, dass man wirklich sehr flexibel sein kann, wo man hinfährt – außer eben im eigenen Land. Außerdem hat Interrail mir persönlich eine ganz neue Art zu reisen aufgezeigt, denn ich wäre sonst niemals auf den Gedanken gekommen, eine Zugreise durch Europa zu machen. Jeden Zug einzeln buchen, das wäre für mich einfach zu viel Aufwand und zu stressig gewesen. Auch der finanzielle Aspekt spielt dabei definitiv eine Rolle. Wenn ich damals die gleiche Zugreise ohne Interrail-Ticket gemacht hätte, dann wäre ich am Ende mindestens auf das Doppelte vom Preis gekommen. Man spart also auf jeden Fall und wenn man sich wie ich beispielsweise neun Städte anschaut, dann lohnt sich das wirklich. Außerdem finde ich gut, dass Interrail eine umweltfreundliche Art ist, um zu reisen. Im Vergleich zu einer Reise mit dem Flugzeug kann man mit dem Zug also auch noch seinen ökologischen Fußabdruck verkleinern.

Text: Lisa Müller, Titelbild: Anton Baranenko, Fotos Interview: Privat