Waffen in den Händen der Zukunft

von | 1. März 2019

Zum „Red Hand Day“ werden rote Handabdrücke gegen den Einsatz von Kindersoldaten gesammelt und an Politiker gesendet. Foto: Domenique Liebernickel 
Der 12. Februar ist der Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Er dient als Erinnerung und als Mahnung, um diese Kinderrechtsverletzungen zu beenden.

Im Jahr 2002 wurde an diesem Datum das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zum Verbot des Einsatzes von Kindern als Soldaten verabschiedet. 167 Staaten sind diesem bis heute beigetreten. Die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren gilt laut dem Protokoll als Kriegsverbrechen. Daneben dürfen Jungen und Mädchen unter 18 Jahren nicht gegen ihren Willen eingezogen oder an Kampfhandlungen beteiligt werden.

Die „Liste der Schande“

Laut den Pariser Prinzipien, die 2007 in Kraft getreten sind und bis heute von 105 Staaten unterzeichnet wurden, werden Kindersoldaten wie folgt definiert:

Kindersoldaten sind „alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden, darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt werden.“

Dabei werden sie sowohl von regulären Armeen als auch von Rebellengruppen genutzt. Die Vereinten Nationen veröffentlichen jedes Jahr eine Liste der Schande, die Armeen und bewaffnete Gruppen anzeigt, die Minderjährige beschäftigen. 2017 waren es 66 Gruppen in 14 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Es wird davon ausgegangen, dass es aktuell rund 250.000 Kindersoldaten weltweit gibt, wovon 40 Prozent weiblich sind.

So wurden beispielsweise seit 2009 mehr als 8000 Kinder, überwiegend Mädchen, von der nigerianischen Boko Haram rekrutiert und teilweise gezwungen, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen.

Warum ausgerechnet Kinder?

Kinder werden als billigere Arbeitskräfte angesehen als Erwachsene. Darüber hinaus sind sie gut zu beeinflussen und leicht zu formen. Dadurch sind sie oftmals gehorsamer und furchtloser. Sie werden an besonders gefährlichen Stellen der Front eingesetzt, zum Beispiel als Spion, Vorhut oder Minensucher. Da sie weniger Möglichkeiten haben, ihre Rechte einzufordern, insofern sie sie überhaupt kennen, sind sie schutzloser gegenüber staatlichen und lokalen Autoritäten. Die Kinder werden oftmals entführt und gezwungen, als Soldaten zu agieren. Dabei werden sie durch Misshandlungen, Drogen oder geringen Sold gefügig gemacht. Ein weiterer und sehr ausschlaggebender Grund dafür, Kinder als Soldaten zu missbrauchen, ist allerdings die günstige und leichte Verfügbarkeit von sogenannten Kleinwaffen und leichten Waffen. Zu diesen zählen Pistolen, Handgranaten und beispielsweise Maschinengewehre. Sie sind vergleichsweise günstig, leicht zu beschaffen und auch von Kindern benutzbar.

Die langfristigen physischen als auch psychischen Folgen sind für sie dabei verheerend. Zu absolutem Gehorsam gezwungen, schwindet ihr Selbstbewusstsein. Durch das Elend, was sie erleben, aber auch verüben, werden sie traumatisiert und seelisch schwer verletzt.  

 

Befreiungsversuche

Laut einer UNICEF Veröffentlichung wurden in den letzten zehn Jahren rund 65.000 ehemalige Kindersoldaten befreit. Die Wiedereingliederung in ein normales Leben fällt allerdings schwer, da sie teilweise von ihren Familien und Dörfern als Mörder verachtet werden. In Übergangszentren versucht UNICEF die Kinder medizinisch sowie psychologisch zu versorgen. Darüber hinaus wird ihnen Zugang zu Bildung verschafft und es werden ihnen Arbeitsmöglichkeiten näher gebracht, die ihnen eine Perspektive aufzeigen. Das Ziel dabei ist, dass sie nicht bei der nächsten Möglichkeit aus Mangel an Alternativen wieder als Kindersoldaten rekrutiert werden.

Die Vereinten Nationen setzen auf Verhandlungen mit beteiligten Parteien, um Freilassungen und die Integration der Kinder zu ermöglichen. So startete beispielsweise im Jahr 2014 die UNICEF Kampagne „Children, Not Soldiers“, die nationale Sicherheitskräfte dazu anregt, den Einsatz und die Rekrutierung von Kindersoldaten zu beenden und zu verhindern. Auch Verhandlungen mit nicht-staatlichen Konfliktparteien haben bisher Erfolge verzeichnen können. So wurden im Jahr 2015 in der Zentralafrikanischen Republik über 2.600 Kinder befreit.

 

Mitmachen, Leben retten

Hilfe aus der Gesellschaft ist in vielerlei Hinsicht möglich. So findet jedes Jahr am 12. Februar der „Red Hand Day“ statt. An diesem Tag werden in verschiedenen Aktionen rote Handabdrücke auf Papierbögen gedruckt und mit dem Namen und Wohnort der entsprechenden Person versehen. Die Bögen einer Aktion werden dann gesammelt an Politiker des Wahlkreises oder der Bundesregierung gesandt. Auf diese Art und Weise kann dem Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschafft werden.

Es ist auch möglich, direkt zu helfen. So kann man über World Vision eine Kinderpatenschaft übernehmen. Ab bereits einem gespendeten Euro pro Tag kann die Entwicklung eines Kindes, seiner Familie und indirekt auch die seines Dorfes gefördert werden. Durch die Gelder werden Brunnen und sanitäre Anlagen gebaut, aber auch die Verfügbarkeit von Alltagsgütern und Nahrung wird sichergestellt. Somit wird die Not in den entsprechenden Gegenden minimiert und die Anfälligkeit für Radikalisierung ebenso.

Sonst ist es möglich, Spendenaktionen ins Leben zu rufen und diese Erträge an Kinderhilfswerke zu senden. So können Benefizkonzerte, Flohmärkte oder Spendenläufe organisiert werden. Möglichkeiten gibt es viele, sie müssen nur genutzt werden.

 

Text: Alexander Grau, Titelbild: Domenique Liebernickel