Meghan und Harry

Majestätische Quoten und umstrittene Kommentare

von | 15. Juni 2018 | Media

Millionen von Menschen waren vor dem Fernseher dabei, als sich Meghan und Harry im Mai das Ja-Wort gaben. Nicht nur deshalb sorgte die Trauung für viel Gesprächsstoff. Titelbild: Jessica Saalfrank

Millionen von Zuschauern reckten ihre Köpfe zum Fernseher und bescherten den TV-Sendern ungewöhnliche Quoten: Zu sehen war die Übertragung der Hochzeit von Meghan und Harry im Windsor Castle, auf die schon viele Fans gewartet haben. Auch die Zuschauer des deutschen Fernsehens konnten das Spektakel live miterleben.

Für viele war es die Traumhochzeit des Jahres: Am 19. Mai 2018 gaben sich Schauspielerin Meghan Markle und der britische Prinz Harry das Ja-Wort. Stundenlang fieberten Millionen von Fernsehzuschauern weltweit dem entscheidenden Moment entgegen. Das Resultat des Tages war ein frisch getrautes Ehepaar im britischen Königshaus – und hohe Einschaltquoten für RTL, ZDF, n-tv und WELT.

Die Hochzeit war durchaus eine willkommene Veranstaltung für die Sender, denn laut der Wirtschaftswoche sinken die Einschaltquoten der Fernsehsender kontinuierlich. Vor allem die Privatsender leiden darunter: Durch die sinkenden Zahlen sind auch die Werbeeinnahmen rückläufig. Michael Kessler, bekannt aus Formaten der ProSiebenSat.1-Gruppe, wagt auch Kritik an seinem Ursprungssender: Wenn Sat.1 mit dem Programmslogan ‚Freut euch drauf!‘ wirbt, fragt man sich immer öfter, worauf man sich eigentlich freuen soll.“

So werden Einschaltquoten gemessen

Das Messverfahren für die Quoten der Sender wird von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit Hilfe eines sogenannten GfK-Meters erhoben. Etwa 6.000 repräsentative Empfangsgeräte zeichnen die Programmnutzung sekundengenau auf. Die Daten werden dann nachts an die GfK übermittelt und dort abgerufen.

 

Der Fußball regiert die Einschaltquoten

Die Top-Ten der deutschen Einschaltquoten wurden durch die Übertragung von Fußballspielen erzielt. Auf Platz eins steht das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zwischen Deutschland und Argentinien – das Jahr, in dem sich Deutschland zum vierten Mal den Pokal holte. Auch auf allen anderen Platzierungen befanden sich Übertragungen von Fußballspiele aus Welt- oder Europameisterschaften.

Hohe Quoten – hohes Kritikpotenzial

Die Zuschauermarktanteile des ZDF lagen im Mai 2018 durchschnittlich bei 6,8 Prozent. Konkurrent RTL erreichte durchschnittlich 11 Prozent. Am Hochzeitstag stieg die Zahl beim ZDF jedoch fast um das Sechsfache: In der Zeit zwischen 11 und 15 Uhr lag der Marktanteil des ZDF bei 43,8 Prozent und war somit Spitzenreiter unter den vier übertragenden Sendern. Auch RTL konnte mit dem Event hohe Zuschauerzahlen erzielen: 1,92 Millionen der 14-49-Jährigen, das entspricht einem Marktanteil von 17,8 Prozent, verfolgten die royale Hochzeit auf dem privaten Sender.

Für das ZDF waren die hohen Einschaltquoten Fluch und Segen zugleich. Bereits kurz nach der Übertragung wurde die Moderation stark kritisiert: Hautfarbe und Herkunft der Braut wurden zu sehr thematisiert, fanden viele Zuschauer. Mit zahlreichen Kommentaren über die „afroamerikanische“ und „exotische“ Herkunft von Meghan sorgte das ZDF für reichlich Diskussionspotenzial. Auch wegen Bemerkungen wie, dass „die Queen bei Meghan wohl ein Auge zudrückt“ oder dass die Braut „aus Marketinggesichtspunkten genial“ sei, wurde das ZDF des Rassismus beschuldigt. Der Sender wies die Vorwürfe allerdings zurück: Die Herkunft der Braut und die damit verbundene weltoffene Monarchie der Briten sind laut ZDF  von öffentlichem Interesse. Einige Aussagen wären jedoch auch in der Redaktion kritisch diskutiert worden.

Die kritisierenden Kommentare vom ZDF in einem kurzen Video vom Youtube-Kanal Übermedien zusammengefasst:

Text und Titelbild: Jessica Saalfrank