Lisa Müller Alumni HS Mittweida

Februar 2017

Ich bin Lisa Müller, ich studierte ab 2010 zunächst 1,5 Jahre Medientechnik und wechselte dann zu Medienmanagement. In diesem Fach habe ich auch meinen Abschluss gemacht (2014).

Ich dachte mir: “Nee, das macht er nicht!”

Franz und ich hatten beschlossen, das Hochschultheater 2013 zu übernehmen und “Zurück in die Zukunft” mit ein paar kleinen Tanzeinlagen zu inszenieren. Wir dachten uns schon, dass das eventuell eine kleine Bewährungsprobe für unsere Beziehung wird, denn schließlich würden wir knapp ein Jahr lang an diesem Stück arbeiten und rund um die Uhr nicht nur mit uns und dem Studium, sondern auch mit diesem Projekt zu tun haben. Gemeinsame Entscheidungen fällen, Kompromisse finden und das ein oder andere Mal mit unseren Vorstellungen aneinandergeraten.

Im Endeffekt war es aber eine super Teamarbeit. Wir hatten ähnliche Vorstellungen und Ansichten und gab es doch mal Differenzen, haben wir problemlos und sehr zügig eine Lösung gefunden. Nie hätten wir gedacht, dass uns diese enge, lange Zusammenarbeit so einfach fallen würde. Schließlich war dann auch Premiere und alles lief großartig – was natürlich auch an unserem großartigen Team lag, mit dem wir wunderbar zusammenarbeiten und verlassen konnten.

Das Stück kam super an, alle Vorstellungen waren ausverkauft und sogar “überkauft”. Soll heißen, wir mussten sogar noch extra Plätze schaffen und haben mehr Karten verkauft, als geplant. Manche kamen sogar ein zweites Mal. Ich dachte ja, das kann nicht mehr getoppt werden. Bis dann die Derniére anstand – die letzte Vorstellung.

Um ihn herum schnappten auf einmal alle nach Luft und irgendjemand hat gequietscht.

Die Aufführung, zu der all unsere Freunde und Verwandte kamen, um sich auch mal anzusehen, was wir da mit unserem Team gezaubert haben. Wie immer hielt ich meine Abschlussrede auf der Bühne, während Franz hinter mir Rosen und irgendwelche Zettel an unsere Schauspieler und Teammitglieder verteilte. Die Rosen waren abgesprochen, aber von den Zetteln wusste ich nichts. “Da wird er sich spontan etwas ausgedacht haben”, dachte ich bei mir und habe weiter zum Publikum gesprochen.

Dann nahm Franz mir das Mirko aus der Hand, “I’m yours” von Jason Mraz schallte durch die Boxen und das Licht wurde auf uns gerichtet. “Okaaay, was hat er denn jetzt wieder geplant?”, fragte ich mich noch, denn Franz ist eigentlich eh ein recht kreativer und spontaner Kopf, weshalb es nicht abwegig wäre, wenn er noch einen letzten Programmpunkt als Überraschung geplant hätte.

Er fing an, über uns zu reden – unsere Beziehung und das Projekt und an viel mehr erinnere ich mich gar nicht mehr, weil mein Kopf dann irgendwie abgeschaltet hat. Ich war einfach nur geflasht und dachte mir “Nee, das macht er nicht!” Dann ging er zu meinem Vater, der in der ersten Reihe saß und murmelte irgendetwas. Um ihn herum schnappten auf einmal alle nach Luft und irgendjemand hat gequietscht.

Dann kam Franz wieder zu mir, kniete sich vor mich und spätestens da war ich vollkommen vernebelt. Ich hab eigentlich niemanden mehr gesehen oder gehört außer Franz, der meine Hand nahm und fragte, ob ich ihn heiraten will. Ich konnte nicht mal “Ja” sagen, nur nicken. Im Leben habe ich nicht damit gerechnet, dass er mir den Antrag machen würde!

Es waren natürlich alle eingeweiht – außer meine Familie und ich. Alle Freunde im Publikum und fast das ganze Team auf der Bühne wussten Bescheid. Auf den Blättern, die Franz zuvor verteilt hatte und die unser Team nun hochhielten, stand übrigens “Lisa ich liebe dich” in einzelnen Buchstaben. Das war schon sehr süß und ich weiß auch gar nicht mehr, wann ich anfing, diese Situation so richtig zu realisieren. Irgendwann während der After Show Lounge war das vermutlich. Das war wirklich ein sehr gelungener Abschluss! 🙂

Job und Studium

Zurzeit arbeite ich hauptberuflich als Sprecherin. Hauptsächlich mache ich bisher Werbung (Radio, TV, online) und hin und wieder auch Telefonansagen, Voice Over für Image Videos und seit über einem Jahr mittlerweile auch nichtkommerziell Hörspiele.

Es kommt auf die Kunden an. Manche brauchen meine Arbeit erst in der kommenden Woche, aber die meisten wollen die Aufnahme tatsächlich noch am gleichen Tag haben. Meistens habe ich dann so drei bis vier Stunden Zeit. Hin und wieder kommt es aber auch vor, dass jemand anruft und sagt: „Hier Lisa, ich brauch dich mal ganz dringend. Hast du in den nächsten 10 Minuten Zeit?“ Manchmal geht mir auch ein Auftrag flöten, weil ich nicht rechtzeitig ans Handy gehe, da ich in einer anderen Aufnahme oder kurz auf Toilette bin. (Passiert aber eher selten.)

Ich würde glatt behaupten, meinen Traumjob schon gefunden zu haben. Das Sahnehäubchen allerdings wäre es, wenn ich eines Tages irgendwie den Fuß in die Synchronbranche schaffen könnte. Professionell Hörspiel-, Hörbuch- und Synchronsprechen wäre das non plus Ultra für mich und ich bemühe mich weiterhin, meine sprachlichen Fähigkeiten dahingehend auszubauen, um das irgendwann mal zu schaffen.

Das Studium in Mittweida hat mich insofern beeinflusst, dass sich mein Berufswunsch entwickelt und gefestigt hat. Dadurch, dass man sich überall mal ausprobieren durfte, habe ich gemerkt, was mir wirklich Spaß macht und das war dann eben das Sprechen.

Stünde ich nochmal an dem gleichen Punkt, an dem ich damals stand, würde ich es genauso machen, egal mit oder ohne dem Wissen, was es im Endeffekt aus mir gemacht hat. Müsste ich mich heute nochmal entscheiden, dann vermutlich nicht. Als ich zu studieren begonnen habe, waren die Medienstudiengänge ganz anders aufgebaut. Wenn ich so höre, wie diese in den vergangenen Jahren immer wieder umgemodelt wurden, würde ich mich jetzt vielleicht dagegen entscheiden.

Ich war bei der Novum als Redakteurin und später sogar Ressortleitung im Spot tätig, habe eins meiner Module im Radio absolviert, wo ich später auch zur Station Voice wurde, war bei der Organisation der damaligen Mediennächte 2010 und 2011 dabei und jedes Jahr meines Studiums war ich außerdem beim Hochschultheater dabei: dreimal als Schauspielerin, einmal im Team Requisite und einmal als Projektleitung. Das war auch mein liebstes Projekt von allen, das leider immer zu wenig Aufmerksamkeit bekommt und unterschätzt wird.

Es war immer eine tolle Teamarbeit mit allen, das Team war übersichtlich, sodass man immer genau wusste, wen man weshalb ansprechen konnte und natürlich war es nicht zuletzt das Schauspielern und das Kreative, was so großen Spaß gemacht hat.

Ein Beitrag von Linda Drescher; Fotos Lisa Müller.