The Big Bang Theory

Eine Blondine unter vier Nerds

von | 27. Juli 2018

Das Atommodell kann nicht nur vor dem Fernseher betrachtet werden, sondern auch bei Szenenwechsel einer The Big Bang Theory Folge. Foto: Lena von Heydebreck

„Im Winter ist der Platz nah genug an der Heizung, damit mir warm ist und dennoch nicht zu dicht, um ins Schwitzen zu kommen. Im Sommer liegt er in einem angenehmen Durchzug der entsteht, wenn man die Fenster öffnet. Er befindet sich weder direkt vor dem Fernseher, was einer eventuellen Konversation abträglich wäre, noch zu weit weg für eine parallaktische Verzerrung.“ Dies ist nur eine von vielen lustigen aber auch skurrilen Aussagen des Physikers Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory.

Die Sitcom The Big Bang Theory begleitet das nerdige Leben der Wissenschaftler und WG-Mitbewohnner Leonard Hofstadter (Johnny Galecki) und Sheldon Cooper (Jim Parsons) sowie ihre einzigen Freunde Rajesh Koothrappali (Kunal Nayyar) und Howard Wolowitz (Simon Helberg). Nach ihrer Arbeit an der Universität heißt es in der Regel Essen bestellen und gemeinsam Zeit verbringen. Dabei scheint nichts anderes, als Videospiele, Comic Helden, Science Fiction und „ungefährliche“ Experimente ihr Interesse zu wecken. Wäre da nicht die attraktive, blonde Nachbarin Penny (Kaley Cuoco). Physik, Superhelden und die Weiten des Weltalls sind zwar nicht ihr Ding, dafür steht sie anders als die Jungs von gegenüber mit beiden Beinen im echten Leben.

The Big Bang Theory ist die wohl beliebteste Sitcom im deutschen Fernsehen. Keine Sitcom war jemals lebhafter, bunter und abgefahrener. Die liebevoll bis ins spießigste Detail ausgeschmückten Szenen vermitteln glaubhaft das Leben der Geeks. Das ist dem Autor und Produzenten Chuck Lorre (Two and a Half Men, Young Sheldon) ebenso wichtig wie die wissenschaftlichen Fakten der Serie, die alle korrekt und real sind. Geprägt ist die Serie von jede Menge prominenten Gastauftritten von Wil Wheaton (Raumschiff Enterprise), James Earl Jones (bekannt als Darth Vader), Stan Lee (Comic-Zeichner und Schaffer des Marvel Universums), Leonard Nimoy (Spock in Star Trek) und Stephen Hawking, um nur einige zu nennen.

Oft ist es Dr. Dr. Sheldon Cooper der im Zentrum des Geschehens steht. Jung, hochintelligent und voller Komplexe: genau das macht ihn so speziell und vielschichtig. In nahezu jeder Episode lässt sich etwas Neues über Sheldon erfahren und dennoch bleibt er und sein verschobenes Verhalten jedes Mal ein Rätsel. Die Selbstverständlichkeit seiner Weltanschauung verleiht ihm eine ziemlich große Klappe, ohne dass er es je selbst zu merken scheint. Oft ist es dieses scheinbare Zufälligkeit die für die größten Lacher sorgt.

Leider sind die anderen Charaktere das genaue Gegenteil: denkbar einfältig und die Karikatur eines Klischees. Die Geeks die nicht nach draußen gehen, sich mit 30 noch Kostüme basteln, realitätsflüchtige Fans geplagt von zahllosen Ängsten und Krankheiten auf der Suche nach etwas Liebe. Jegliche Attraktivität und Sozialfähigkeit scheint ihnen zu fehlen. Penny liebt nur zwei Dinge: Wein und shoppen. Pleite ist sie quasi immer, doch mit ihren Reizen erkauft sie sich die Welt und wenn nicht pumpt sie eben Leonard oder Sheldon an. Sie bedient das Bild der naiven Blondine. Da hilft es auch nicht, jedes Mal zu erwähnen, dass gerade ein frauenfeindlicher Witz gerissen wurde, mit dem sich die Serie scheinbar selbst kritisiert.

Beziehung statt Forschung

Es braucht nur fünf Staffeln bis auch Sheldon und Howard ihre Freundinnen Amy Farrah Fowler (Mayim Bialik) und Bernadette Maryann Rostenkowski finden. Was vielversprechend losgeht, endet in derselben Redundanz die man schon von Two and a Half Men kennt. Eigentlich geht es nur noch darum trotz all ihrer Eigenarten die Beziehungen und ihr Sexualleben irgendwie am Laufen zu halten. Damit verliert die Sitcom ihren eigenen Charme und die Dramaturgie bekommt fast Soap Charakter. Dabei hätte das Thema so viel mehr Potenzial gehabt.

Trotzdem bleibt es eine der besten Sitcoms. Es sind die Momente in denen die Nerds zu wahren Helden werden, über sich hinauswachsen oder gerade durch ihre Eigenarten den Tag retten, die die Geschichten so liebenswert machen. The Big Bang Theory glänzt mit der selben Andersartigkeit wie ihre Charaktere und bricht mit den Standardmotiven der klassischen Sitcom ohne das Rad neu zu erfinden und genau das kommt beim Zuschauer an.

Auf ProSieben liefen bereits die ersten Folgen der 11. Staffel. Bis Herbst 2018 müssen wir uns allerdings noch gedulden, um zu erfahren ob noch einmal frischer Wind in die Nerd-WG kommt.

Text: Laura Fischer, Foto: Lena von Heydebreck