Riverdale

„Sarkastischer Humor ist meine Art die Welt zu verstehen“

von | 30. Juli 2018

Seit fast 100 Jahren ist die Familie Blossom für ihre Ahornsirup Produktion in Riverdale bekannt. Foto: Lena von Heydebreck

17 Jahre alt, halblanges schwarzes Haar, Lederjacke, Mitglied einer Biker Gang, der typische Außenseiter eben. Sein Name ist Jughead Jones, Sohn von FP Jones, der sicher nicht ganz zufällig an Negan von „The Walking Dead“ erinnert. Beide wohnen auf der South-Side in Riverdale. Das kleine verschlafene Dorf hat es mit seinen Lügen, Intrigen, Korruption und letztlich wegen des Mordes an Jason Blossom ganz schön in sich.

Die fantastischen vier

Die Serie besteht aus vier Helden, die eben jenen Mord aufklären wollen: Frauenheld Archie, Veronica (mit den ebenso reichen wie kriminellen Eltern), dem bereits erwähnten Jughead und Moralapostel Betty, die von der bezaubernden Lili Reinhardt gespielt wird. Diese entpuppt sich durch ihre schauspielerische Entwicklung als VIP der Serie. Das Ganze wird durch einprägsame Charaktere wie Cheryl Blossom, Veronica Lodge oder Familienvater Fred Andrews ergänzt.

Wie du mir, so ich dir

Jughead wird in der Serie von Cole Sprouse gespielt und erzählt, Stück für Stück, die ganze Geschichte über den Teenie Alltag wie unerwiderte Liebe, Sex, Fremdgehen, Mord, Streit, Geld und natürlich Jingle Jangle (fiktive Droge der Serie). Ihr kennt das ja. Was zunächst etwas platt klingt, wird allerdings unglaublich gut verpackt erzählt. Die Serie traut sich dabei auch schwere Themen wie Homosexualität in Verbindung mit religiösen Machenschaften aufzugreifen. Viele Bögen zu bekannten Serien wie „Twin Peaks“ oder „Pretty Little Liars“ lassen sich spinnen, dennoch muss „Riverdale“ nichts kopieren.

Die Eigenproduktion von Netflix besticht durch einen hohen Spannungsbogen, loyale interessante Charakteren sowie einer guten, wenn auch manchmal zu hastig zu Ende gebrachten, Handlung.

Die Musikstücke sind eine begeisternde Ergänzung und haben starken Ohrwurmcharakter. Ich habe mich nicht nur einmal dabei erwischt, wie ich mir die gecoverten „Kids in America“ oder „Mad World“ auf Spotify nachträglich angehört habe. Diese unterstreichen gut das Storytelling der Serie und verleihen dem Ganzen einen gewissen Charme. Doch es zeigen sich auch Schwächen: Ein paar der Szenen sind etwas übertrieben und auch etwas zu kindlich nach dem Schema „wie du mir, so ich dir“ abgehandelt. Das trifft aber eher auf die kleineren Konflikte zu.

Grande Finale

Ein weiterer Brecher ist die furiose vorletzte Folge der zweiten Staffel: Hier geht es Schlag auf Schlag und der Zuschauer bekommt keine Verschnaufpause. Solch eine Folge zeigt auf, wie stark und lange der Handlungsbogen aufgebaut wurde. Die Schattenseite: Es geht kaum besser und die letzte Folge sinkt im Vergleich etwas ab. „Riverdale“ braucht sich nicht vor bekannten Serien des Genres verstecken und findet sich zu Recht in jeder Top 10 Liste der besten und/oder meist gesehenen Serien von Netflix wieder. Weiter so Jug!

Text: Benjamin Agsten, Foto: Lena von Heydebreck