Alkoholkonsum statt Kindervergnügen

Wasser- und Kratzeis

von | 2. Juni 2019

Die fruchtig- süßen Erfrischungen sind bei Kindern äußerst beliebt. Titelbild: Christin Post

Gemeinsam Fußball spielen bis spät abends auf dem Bolzplatz. Aufgeschlagene Knie, den Ball an den Füßen und das Wassereis in der Hand. Ein typischer Tag in jungen Jahren.  Eine nostalgische Ode an die Kindheit.

Die Temperatur betrug 30 Grad und ich war durchgeschwitzt vom Fußballspielen. Zur Erfrischung ging ich in den nächstgelegenen Kiosk und schaute in die Tiefkühltruhe. Wassereis, Kratzeis, Soft-Eis – die Auswahl war wirklich groß. Ich entschied mich für ein Kratzeis und ging zurück zu meinen Freunden auf den Bolzplatz. Das Kratzeis war zu hart und durchgefroren, ich bekam einfach nichts heraus. Ich wurde langsam ungeduldig und brachte meinen Zwölfjährigen Zehner-Bizeps auf Hochtouren. Zack , der Löffel war abgebrochen. Dann biss ich eben einfach so in das Eis. Hauptsache ich bekam eine Erfrischung. Da werden Kindheitserinnerungen wach. Aber was steckt hinter dem Kult des Wasser- und Kratzeises und wie geht es damit nun weiter?

In einer Bergkamener Garage fing alles an

Jedem Wassereis-Fan dürfte wohl die Eismarke „Bussy“ etwas sagen. Dahinter steht die Busemann GmbH, welche als einer der ersten Unternehmen in Deutschland mit der Herstellung von Wassereis anfing. Das Unternehmen wurde 1974 durch Heinrich Busemann und Paul Rutershoff gegründet. In einer Garage in Bergkamen- Oberaden wurde zu Anfang produziert, mit nur einer Maschine und mithilfe der ganzen Familie, so berichtet kamen-web.de.  Im selben Jahr gingen dann auch die ersten Wassereis-Strips, also Wassereis in länglichen Plastikverpackungen, über die Ladentheke und die Freunde waren damit ein absoluter Vorreiter in Herstellung und Vertrieb innerhalb Deutschlands. 1989 ergab sich dann laut der Webseite der Busemann GmbH der Einstieg in das Exportgeschäft. Dieser ebnete den Weg für die internationale Verfügbarkeit der Produkte. „Sogar Aufträge aus Dubai und China hatten wir schon“, so Geschäftsführerin Ilka Wagner gegenüber kamen-web.de.  Das Geschäft entwickelte sich gut und 2016 arbeiteten in dem Traditionsbetrieb 100 fest angestellte Mitarbeiter, in der Hauptsaison sogar bis zu 220. Die Busemann GmbH zählt, laut eigener Website, mit einer Tagesproduktion von 3,5 Millionen Wassereis-Strips zu den größten Herstellern Europas.

Kultig – schöne Erinnerungen

Wenn ich an das Wassereis denke, werde ich unweigerlich sofort zurück in meine Kindheit zurückversetzt. Von morgens bis abends war ich mit meinen Freunden auf dem Schulhof. Wir haben rumgealbert, Fußball gespielt und Wassereis gegessen. Danach war die Zunge rot, blau, grün oder sah aus wie eine besorgniserregende Mischung dazwischen. Das hat einfach dazugehört. Es gab früher schon mehr als fünf verschiedene Sorten.  Man war als Kind einfach verrückt nach dem Zeug. Dass die fruchtig-süßen Erfrischungen immer gut ankamen, kann auch Sandra Strasser, ehemalige Kioskbesitzerin in Stuttgart, bestätigen: „ Ich hatte einen Kiosk direkt neben einem Schulhof. Wenn dann Pause war, kamen die Kinder und haben mir das Wassereis nahezu aus der Hand gerissen.“ Ab wann die süchtig-machenden Strips in Deutschland so richtig in Mode kamen, ist nicht überliefert. Dass jenes Eis in allen erdenklichen Formen aber schon seit jeher gut ankommt, kann wohl jeder ehemalige Schüler bestätigen: Auf dem Schulhof lagen früher dutzende Wassereis-Packungen auf dem Boden. Das ist leider die Kehrseite der Medaille. Für die Umwelt ist die massenweise Produktion und die nicht-ordnungsgerechte Entsorgung ein wirkliches Problem. Aber wer denkt als zehnjähriges Kind schon an sowas?

„Bussy“ will neue Märkte erschließen

Wie bei vielen anderen Unternehmen steht auch bei der Busemann GmbH ein Generationswechsel an. Ilka Wagner wird die Firma ihres Vaters Helmut Wagner übernehmen.  Die Juniorchefin soll in absehbarer Zeit die Führung übernehmen, wie capital.de berichtet. „Bis heute macht mein Vater in der Unternehmensführung praktisch alles alleine, gibt kaum etwas ab. Da will ich neue Strukturen schaffen“, so Ilka Wagner 2016 gegenüber bild.de. Sie wolle neue Märkte und eine neue, saisonunabhängige Zielgruppe erschließen, nämlich Erwachsene, wie capital.de berichtet. Auch aus diesem Grund hat Busemann einen Deal mit dem Kölner Start-Up Unternehmen „Suckit“ geschlossen. Das Bergkamener Unternehmen produziert für „Suckit“ alkoholhaltige Wassereis-Sorten. So gibt es unter anderem Wodka Energy, Mojito und Rum Orange Wassereis zu kaufen. Laut capital.de sieht das Familienunternehmen in Kooperationen mit solchen Markenherstellern Potential. Dennoch ist aber klar, dass „Bussy“ auch weiterhin das allseits beliebte Wassereis für Kinder produzieren will. So wird der Kult also hoffentlich weiterhin bestehen bleiben. Und so bekommen hoffentlich noch viele Jahre Kinder zuhause Ärger, weil sie mit aufgeschürften Knien und dem Wassereis in der Hand erst viel zu spät Nachhause kommen.

Text: Niklas Niendorf , Titelbild: Christin Post