Radioquote

Die Frage, ob man der deutschsprachigen Musik durch eine gesetzliche Radioquote auf die Beine helfen muss, treibt Politiker und Radiomacher seit Jahrzehnten um. Medienmanagement-Student Franz Kindler hatte den Eindruck, dass dank Andreas Bourani und Co das Thema längst von der Realität überholt wurde. Deshalb beschloss er, sich der Frage wissenschaftlich zu nähren, jedenfalls für den sächsischen Radiomarkt. Seine Erwartungshaltung war klar: mdr1 ganz weit vorn mit deutscher Musik und NRJ auf dem letzten Platz. Alles anders.

Die Quote für deutschsprachige Musik im Radio ist keine deutsche Erfindung. Franz Kindler stellt in seiner Bachelorarbeit Regelungen aus drei europäischen Ländern sowie Australien und Kanada vor. Außerdem befasst er sich mit der Bundestags-Empfehlung zur freiwilligen Deutsch-Quote aus dem Jahr 2004. Diese sieht eine Quote von 35 Prozent vor, allerdings mit der Besonderheit, dass auf die Quote auch Musik angerechnet wird, die zwar nicht deutschsprachig ist, aber in Deutschland produziert wurde. Die Empfehlung sieht außerdem vor, dass die Hälfte der Musik Neuerscheinungen sein müssen bzw. von Nachwuchskünstlern stammen müssen.

Vor diesem Hintergrund untersucht Franz Kindler die Realitäten im sächsischen Radiomarkt. Grundlage der Untersuchung ist die Auswertung von zwei (künstlichen) Wochen im November 2015 in der Zeit von 6 bis 18 Uhr.

Es zeigt sich, dass deutschsprachige Musik weiterhin selten ist. Sächsische Radios spielen im Durchschnitt lediglich 17,5 Prozent deutschsprachige Musik. Dabei sind die beiden Adult-Contemporary-Formate der BCS (RTL und die Stadtradios) mit einem Deutsch-Anteil von gut 21 Prozent an der Spitze. Erst dann folgt mdr1 Radio Sachsen mit 18 Prozent, etwa gleichauf mit Radio PSR. Das Schlusslicht bildet nicht, wie man vermuten würde, NRJ Sachsen (fast 15 %) sondern R.SA mit gut 11 Prozent.

Franz Kindler