Pop oder Flop? – Wer überzeugt beim 99drei Soundcheck?

Er öffnet die schwere Stahltür zum Zentrum für Medien und Soziale Arbeit, Bahnhofstraße 15, in Mittweida. In der Eingangshalle ist bereits die Hölle los. Er war noch nie hier, hat von der Veranstaltung durch Facebook erfahren. Einige Leute – er nimmt an, es sind Studenten – stehen am Getränkeverkauf und stoßen mit ihren Kommilitonen an. Andere machen Gruppenfotos vor einer bunten Fotowand. „Soundcheck Pop“ steht im Graffitti-Style darauf. Er drängelt sich durch die Massen und reiht sich mit in die Schlange vor dem TV-Studio ein.

„Heute ist auf jeden Fall weniger los als letzte Woche beim Soundcheck Rock.“ meint mein Teamleiter, als er einen Blick durch die Fensterwand vor dem Zentrum für Medien und Soziale Arbeit wirft. In fünf Minuten beginnt der Einlass. Es wird Zeit, dass ich auf Position gehe. Gleich muss ich den unzähligen Gästen ihre Plätze zuweisen.

Es ist 19:30 Uhr. Er betritt das Fernsehstudio. Mit einem freundlichen Lächeln wird ihm ein Stempel auf die Hand gedrückt. Im TV-Studio steht bereits jeder auf Position. Studierende treffen letzte Einstellungen an beeindruckenden Fernsehkameras. Er blickt nach oben und entdeckt einen Himmel voller Lichter. Alle in verschiedenen Größen und verschiedenen Formen. Die Einrichtung im Studio erinnert ihn an Shows aus dem Fernsehen: Sitz- und Plauderecke für Moderatoren und Gäste, eine Bar und die Bühne mit Instrumenten. Einfach aber passend. Er setzt sich auf einen der bunten Papp-Hocker, direkt in der ersten Reihe und lässt alles nochmal auf sich wirken.

Langsam verschwindet die Schlange vor dem Einlass und die meisten Leute sitzen auf ihren Plätzen. Dennoch muss ich einige noch ein bisschen hin und herrücken, schließlich soll der Saal am Ende durch die Kamera top gefüllt aussehen. Dann setze auch ich mich auf einen freien Sessel in der hintersten Reihe. Ich lasse mich in das rote Samt fallen und atme durch. Die ersten Aufgaben sind schon mal erledigt. Jetzt kann die Show beginnen.

„Und hier sind Eintagsflieger!“ ruft der Moderator. Der Lichtpegel fällt auf die fünf Jungs im rechten Teil der Bühne. Der Schlagzeuger beginnt den Takt vorzugeben. Nach nur drei Liedern ist der Auftritt beendet. „Na das ging ja schnell.“ denkt er sich. Als nächstes wird ein Spiel gespielt. Dafür wird noch ein Mitspieler aus dem Publikum gesucht. Er überlegt kurz, doch ein paar Reihen hinter ihm ist jemand schneller. Aber mitraten geht ja trotzdem noch.

Ich schaue mich im TV Studio um und sehe, dass auch meine Teammitglieder noch einige letzte freie Plätze ergattern konnten. Neunzig Minuten Programm gehen reibungslos über die Bühne. Drei Pop-Newcomer-Bands spielen jeweils drei ihrer besten Songs. Zwischendurch quatschen Tom und Hannah, die Moderatoren, mit den Musikern und lockern die Runde mit Spielen auf, zusammen mit dem Publikum. Für jeden ist irgendwie was dabei.

AberHallo ist die zweite Band beim Soundcheck Pop. Er ertappt sich, wie er seinen Fuß zum Tackt wippt. Die Jungs wissen wirklich, wie man Stimmung verbreitet. Schließlich betreten Die Lieferanten die Bühne und geben einige ihrer Songs zum Besten. Und jetzt abstimmen: Jeder Zuschauer soll entweder eine rote, grüne oder blaue Karte nach oben halten. Die jeweilige Farbe wird den Bands vorher zugeordnet. Er stimmt für seine Favoriten. Als die Moderatoren „Die Lieferanten“ zum Sieger erklärt werden, wundert er sich über das Ergebnis und fragt sich, wie die Stimmen so schnell ausgezählt werden konnten. Von Studenten, die hinter im sitzen erfährt er, dass die Moderatoren die ungefähren Zuschauerstimmen schätzen und danach den Sieger des Votings küren.

Die Lieferanten haben also das Studiovoting gewonnen, das bedeutet für die Band ein Votingvorsprung an Facebook-Likes, noch alles drin, für anderen Bands… Langsam schleichen auch die letzten Zuschauer aus dem TV-Studio. Zeit für ein Gruppenfoto! Das gesamte Campus-Festival-Team versammelt sich auf der Bühne: „Cheeeeeese!“ und „Klick!“. Das Bild ist im Kasten. Schnell mache ich mich auf den Weg rüber in die Mitarbeiterräume. Hier warten am Check-Out bereits die ersten Techniker auf mich, die ihre Zugangspässe abgeben möchten. Das gesamte Team hatte einen stressigen, aber erfolgreichen Tag. Das wird gefeiert. Manche beginnen sofort. Später ziehen die meisten in den Club.

Draußen im Foyer stellt er sich zu einer Gruppe Medienstudenten. Ebenso wie er, sind auch sie begeistert von der Show. Ab in den Club, es ist Aftershowparty. Schließlich sind viele der Organisatoren ihre Kommilitonen. Da lässt man es sich nicht nehmen, nochmal gemeinsam anzustoßen. Er trinkt den letzten Schluck Bier und will sich gerade auf den Nachhauseweg machen, als er hinter sich jemanden reden hört: „Hey, hast du nicht Lust noch mit in den Studentenclub zu kommen?“ …

Sophie Wallstabe und Anne Baum