Spitzensportler stehen ständig unter Druck, denn sie müssen immer Bestleistungen abgeben. Doch nicht nur sie selbst und ihre Trainer haben diese Anforderungen, sondern auch die gesamte Medienlandschaft. Aber was sagen die Sportler selbst zu der Macht der Medien und nutzen sie diese vielleicht sogar selbst?

Der Wettkampf ist vorbei, der Sportler ist ausgepowert und erschöpft. Auf dem Weg zur Umkleidekabine wird er von einem Reporter abgefangen. Dutzende Fragen werden dem Sportler gestellt, auf die er sofort eine passende Antwort parat haben muss – am besten noch eine gut ausformulierte und intelligente. Der Druck auf die Athleten nimmt auch nach dem Wettbewerb nicht ab. Sollte das so sein? In der letzten Veranstaltung des Medienforums Mittweida 2014, ging es in einer großen Talk-Runde um die Verbindung zwischen Medien und Sport und wie beide miteinander agieren.

 Stefan Kretzschmar

“Die Medien sind ein notwendiges Übel im Sport.”

Stefan Kretzschmar, ehemaliger Handballspieler, und Stev Theloke, ehemaliger Leistungssportler und Schwimmer, haben nicht immer nur gute Erfahrung mit den Medien gemacht. Oft sind es die Misserfolge, die medial besonders ausgebreitet werden und die ein Sportler so immer wieder durchleben muss. Auf die Frage, wie Theloke nach einem Wettkampf durch die Kameras zum Umkleideraum geht, antwortet er: “Wenn du gute Leistung abgeliefert hast, gehst du da mit einem breiten Grinsen vorbei. Wenn es nicht so gelaufen ist, ist das etwas ganz anderes. Oft versuche ich nur schnell vorbeizukommen.”

Stefan Kretzschmar

“Wenn du mit der BILD redest, gehst du einen Pakt mit dem Teufel ein.”

Kretzschmar sieht das ähnlich. Als schlechtes Beispiel der Medien zieht er die BILD heran, die nach einem Interview eine Aussage von ihm aus dem Zusammenhang riss und damit auch andere Sportler gegen ihn aufbrachte. In der Aussage ging es darum, dass Kretzschmar nicht verstehen konnte, dass Marihuana auf der Dopingliste im Handball steht. “Ich kann mir nicht vorstellen, welche positiven Eigenschaften die Droge auf meinen Sport haben soll.”

Auch Prof. Dr. Heike Kugler, Sportpsychologin des Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), stimmt dem zu. “Der erste Kontakt mit den Medien war schon suspekt, besonders wenn man noch den letzten Wettkampf verarbeiten muss.” Sie meint jedoch, dass psychologische Unterstützung sehr helfen kann, um schlechte Presse gut zu verkraften.

Generation „Headdown“

Medien können aber auch positive Auswirkungen auf die Sportwelt haben, meint Dr. Tobias Haupt, Fachbereichsleiter “Social Media Marketing” des Instituts für Fußballmanagement. “Besonders junge Sportler, die mit den sozialen Netzwerken groß geworden sind und ihren Kopf immer gesenkt halten, um das Smartphone zu sehen, kommen teilweise selbst zu den Pressestellen der Vereine. Sie wollen sich selbst in den Medien publizieren.” Wichtig sei, dass die Vermarktung der Sportler strategisch und geplant vonstattengeht, um die User maximal anzusprechen.

Stefan Kretzschmar hält dagegen. Er meint, dass strategische Meldungen im Internet oft zu künstlich wirken. Er postet lieber vollkommen ungeplant, wie zum Beispiel als er Angela Merkel für die “Ice-Bucket-Challenge” nominierte.

Zum Schluss sind sich alle Teilnehmer der Runde recht einig: Die Beziehung zwischen Sport und Medien ist nicht immer einfach, dafür aber ungeheuer wichtig. Durch die Medien können sich die Sportler selbst vermarkten, können aber auch starke Probleme mit dem erhöhten Leistungsdruck bekommen.

Text: Johannes Pursche. Bilder: Medienforum Mittweida.