Menschen lieben es, Geschichten zu erzählen und von Geschichten unterhalten zu werden. Gute Geschichten können wir uns ein Leben lang merken. Dieses Phänomen macht sich seit Mitte der 80er Jahre auch die Werbe- und Marketingbranche zu nutzen. Doch wie „fesselt“ man seine Kunden mit Storytelling? 

Aktuell ist es der Werbespot des Elektronikmarktes „Media Markt“, der mit einfachen, alltäglichen aber lustigen Geschichten, für Lacher und Gesprächsstoff sorgt. Die Strategie dahinter: Storytelling.

http://youtu.be/eEHMrir5mmU

Bei Problemen „abgeholt und angesprochen“

Anstatt mit lauten und aufdringlichen Parolen um jeden Kunden zu werben, so wie früher, wird heute versucht, mit den Werbespots Identifikationsfläche zu schaffen. Florian Krumrey (Kreativagentur Butter) und Till Felber (Jung von Matt, Heimat uvw.), beides Referenten beim Medienforum 2014 und seit mehreren Jahren in der Werbe- und Marketingbranche tätigstanden medienMITTWEIDA zum Interview zur Verfügung und erklärten zum Thema Storytelling in der heutigen Marketingwelt:

„Der Vorreiter in Sachen Storytelling, dem Werben durch erzählte Geschichten, war auch hier 1984 das Unternehmen Apple mit einem gleichnamigen Film, der bis heute den Kern der Marke erzählt. Der Effekt bei jeder Marketingkampagne mit Storytelling ist bis heute jedoch gleich: Wir erhalten in der Werbung nicht mehr nur nüchterne Fakten, sondern werden bei unseren Problemen abgeholt und angesprochen.“ 

Laut dem Fachbuch „Storytelling – Das Praxisbuch„, sei Storytelling der Gegenpol zur alten „Einweg-Kommunikation“ und nichts weiter als das Wiedergeben von explizitem, aber vor allem impliziertem Wissen in bildlicher Form, wie zum Beispiel mit sprachlichen Bildern. Außerdem erklären die Autoren, dass diese Marketingform nicht nur die zunehmende Beliebtheit und somit auch die Verkaufszahlen steigere, sondern auch die eigene Corporate Idendity unterstreichen könne.

Zusammenhänge entscheidend

Dennoch ist Storytelling nicht gleich durch einfaches Erzählen erfolgreich. In dem Buch erklären die Autoren Karolina Frenzel, Hermann Sottong und Michael Müller, dass die erzählten Geschichten in Zusammenhänge „eingebettet“ sein müssen. Das heißt also, dass für gutes Storytelling die Geschichten nicht einfach zusammenhangslos und unvollständig wirken dürfen. Wäre dies der Fall, so würden sich die User beziehungsweise die Zielgruppe nicht angesprochen fühlen, keine Emotionen mit der Geschichte verbinden und dementsprechend auch nicht bei ihren Problemen „abgeholt werden“.

Zielgruppe direkter ansprechen

Im Interview erklärte Till Felber außerdem den entscheidenden Vorteil, denn Storytelling kann Zielgruppen und User viel mehr berühren als Product-Telling und diese so spezieller erreichen, halten und möglicherweise sogar erweitern. In Geschichten können wir alle Gefühle erleben und bleiben dabei unbeschadet.“

Gegen Product-Telling und für Storytelling entschied sich im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 Coca-Cola. In den Werbespots wurde mit dem „WIR-Gefühl“ gespielt, denn „WM sind wir ALLE“:

Trotz des Erfolgs von Kampagnen mit Storytelling sei die Idee, laut Felber, bis heute noch nicht ausreichend genutzt:

„Trotzdem denken leider immer noch zu viele Marken, dass ihr Produkt die interessante Story ist.“ 

Warum sich diese Art von Marketing noch nicht ganz durchgesetzt hat und warum Storytelling so wichtig für den Wandel ist, erfahrt ihr beim Medienforum Mittweida 2014.

MEDIENFORUM MITTWEIDA 2014

 

Unartig wie dunkle Schokolade

So wichtig ist Storytelling für moderne Kampagnen

 

Tag: 17.November 2014.

Uhrzeit: 10:30 Uhr.

Ort: Fernsehstudio, Zentrum für Medien und Soziale Arbeit.

 

Referenten: Florian Krumrey (Kreativagentur Butter) und Till Felber (Jung von Matt, Heimat uvm.).

Text: Daniela Möckel, Beitragsbild: Christine Wolf.