(K)eine Zukunft ohne Bargeld?

Schwindet Bargeld langsam aus dem Leben der Deutschen? Foto: Maria Khaychuk

Es ist Mittagszeit, mein Magen knurrt und ich laufe herüber zum Imbiss, um mir etwas zu essen zu kaufen. Als ich bestellen möchte, fällt mir auf, dass mein Portemonnaie leer ist – Ich habe kein Bargeld dabei. Hier ist es aber nicht möglich, mit Karte zu zahlen. Genervt davon verlasse ich den Laden, hole mir mein Mittagessen im Supermarkt und zahle den Betrag per Karte.

Mit dieser Situation sind allzu viele Menschen vertraut. Doch ist es wirklich ein Grund zum Ärgern, dass man nicht überall mit Karte zahlen kann? Mittlerweile ist die Digitalisierung der Finanzbranche in den Alltag der meisten Bürger eingekehrt. Heutzutage zahlen die meisten Menschen mit Karte und nutzen Onlinebanking über ihr Smartphone, um die nächste anstehende Rechnung zu begleichen oder Bestellungen im Internet per Paypal oder Kreditkarte abzuwickeln. Doch in welche Richtung führt dieser Anstieg von digitalen Zahlungsmitteln? Könnte die Barzahlung verdrängt und eine bargeldlose Gesellschaft eingeführt werden?

Deutsche halten am Bargeld fest

Vor allem in Deutschland erfreut sich die Barzahlung nach wie vor großer Beliebtheit. Am häufigsten wird hier mit Bargeld bezahlt, doch ist der Anteil seit 2011 von 82 auf 74 Prozent gesunken, wie das Wirtschaftsmagazin brand eins schreibt. Dennoch gilt immer noch das Gesetz über die Deutsche Bundesbank (BBankG) § 14, Absatz 1, Notenausgabe: „Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel.

Laut einer Studie der Bundesbank, die alle drei Jahre zum Zahlungsverhalten in Deutschland veröffentlicht wird, ergab diese im Jahr 2017, dass eine Person in Deutschland rund 107 Euro bei sich trägt. Besonders kleine Beträge bis fünf Euro werden weiterhin zu 96 Prozent in bar beglichen. Außerdem sollen Zahlungen zwischen Privatpersonen sowie Essen und Trinken außer Haus ebenfalls überwiegend mit Bargeld gezahlt werden.

Die Nutzung von Debitkarten hat zugenommen und Kreditkarten werden häufiger als vor drei Jahren verwendet. Was hohe Zuwächse in Deutschland aufweist, sind die kontaktlosen Zahlungen mit Karte. Der Anteil ist erstmals auf über ein Prozent Umsatz gestiegen, so die Deutsche Bundesbank.

Zum Zahlungsverhalten der Deutschen veröffentlicht die Bundesbank in ihrer Studie, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten auch in Zukunft in bar zahlen möchte und die Bargeldabschaffung ablehnt. Dennoch steigt das Wachstum von modernen Zahlungsmitteln, insbesondere bei jüngeren Verbrauchern. Diese suchen Alternativen mit Zahlverfahren über das Mobiltelefon und Internet.

Dass die Deutschen so sehr am Bargeld festhalten, kann viele Gründe haben. Laut einer Befragung der Bundesbank würde die Bargeldabschaffung eine große persönliche Einschränkung bedeuten. Außerdem sind Anonymität und Ausgabenkontrolle ein weiteres Kriterium für die Entscheidung zu Bargeld zu greifen.

Der „gläserne Kunde“

Auch wenn das Zahlen mit Karte durchaus praktisch ist, bedeutet Bargeld für die Bevölkerung ein Stück von Freiheit. Bargeld gewährleistet Anonymität, denn nicht jeder möchte seinen Geldtransfer nachvollziehbar machen. Die Folge des schwindenden Bargeldes könnte sein, dass Bürger „gläserne“ Kunden werden. Jede Transaktion wäre verfolgbar und kleine Beträge wie Spenden könnten nicht in bar getätigt werden.

Auch nennt die Sparkasse in ihrem Finanzportal mehrere Gründe gegen die Bargeldabschaffung. So wird zum Beispiel Bargeld als „geprägte Freiheit“ beschrieben, welches in Zeiten von Datenschutzproblemen persönliche Entscheidungsfreiheit ausdrückt.

Außerdem wird weiter davor gewarnt, dass das Bargeld durch andere Währungen, wie Edelmetalle oder Gegenstände, ersetzt werden könnte. Als mögliche Vorteile der Bargeldabschaffung nennt Michael Wüst, der seit 1992 an der Hochschule Mittweida Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik lehrt, dass die Logistik der Zurverfügungstellung von Bargeld kompliziert ist und die Fälschungsproblematik hinzukommt.

Ebenfalls spielt die Abschaffung für das kriminelle Milieu eine Rolle, aber letztendlich wäre Kriminalität nicht unbedingt ein überzeugendes Argument gegen Bargeld. Wenn Bargeld verboten wird, werden Kriminelle andere Wege des Zahlungsverkehrs finden, so Michael Wüst.

Was bringt die Zukunft?

Wie früh kann also mit einem Eintritt der Bargeldabschaffung in Deutschland gerechnet werden? Oder wird es überhaupt jemals dazu kommen?

Zur Zukunft ohne Bargeld in Deutschland sagt Michael Wüst: „Aus heutiger Sicht ist es schwierig zu sagen für die Bundesrepublik Deutschland. Man müsste in die Zukunft schauen und beobachten wie die Entwicklung und Wirkungen in Schweden sind.“

Denn Schweden ist das Land, welches Vorreiter in der Bargeldabschaffung ist. So sind zum Beispiel Swish, ein mobiles Zahlungssystem in Schweden sowie iZettle, ein Mobile-Payment-Anbieter, alles schwedische Erfindungen auf dem Gebiet der bargeldlosen Zahlung. Die Süddeutsche Zeitung schrieb im Juni diesen Jahres, dass das Land die erste bargeldlose Gesellschaft werden könnte. Denn nicht nur Geschäfte lehnen oftmals Scheine und Münzen ab, auch Banken sind nicht dazu verpflichtet Bargeld anzunehmen.

Ob die bargeldlose Gesellschaft in Deutschland in näherer Zukunft eintreten könnte, hält Prof. Dr. Wüst letztlich für Spekulation. Der Eintritt wäre schwer zu beurteilen, da es auf die Einstellung der Bevölkerung ankommen würde und deren politischen Willen.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, prognostizierte eine etwas radikalere These beim Weltwirtschaftsforum 2016. In zehn Jahren soll Bargeld wahrscheinlich nicht mehr existieren, so berichtete das Handelsblatt. Ob das wirklich stimmt, ist abzuwarten, denn so wie es aussieht, ist die Tendenz in Deutschland stark gegen die Abschaffung von der Zahlung mit Bargeld.

Text und Titelbild: Maria Khaychuk