Events werden immer mehr zu wichtigen Marketinginstrumenten großer Unternehmen. Doch wie verbindet man ein Event mit Marketing, welche organisatorischen Hürden müssen genommen werden und wie sieht es mit den rechtlichen Komponenten aus? Das und noch einiges mehr haben uns die drei Referenten des Panels „PLAN IT.FEEL IT.KEEP IT.“ verraten.

Das Spiel mit den Großen

Jörn Pfotenhauer, Geschäftsführer von ECD International aus Stuttgart, plant Events für die „ganz dicken Fische“ der Luxusgesellschaft. Zu seinen Kunden gehören Firmen wie Mercedes Benz, Hugo Boss oder Chanel. Er erklärte, wie wichtig die Nachhaltigkeit von Events ist, welche Ansprüche die „Reichen und Schönen“ haben und wie sich mit Ihnen arbeiten lässt.

Zu Beginn ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, dass es sich bei Kunden um “Könige” handeln kann. Das Engagement von ECD International bezieht sich nämlich auf die Elite der Weltbevölkerung. Elite, das sind 14 Millionen Bürger, die im vergangenen Jahr mehr als 64,3 Billionen Dollar unter sich aufteilen konnten. Summen, die sich für einen kleinen Studenten jeglicher Vorstellungskraft entziehen. Wie lassen sich die Ansprüche solch einer Zielgruppe also dennoch optimal zufriedenstellen? Mit engem Kontakt zum Auftraggeber sowie Faszination für Ideen und Konzepte, so Jörn Pfotenhauer. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, dass das Event oder die Marke im Vordergrund stehen muss. Deswegen agiert die ECD International aus zweiter Reihe heraus, um dem Auftraggeber volle Publicity zu generieren. Fehler dürfen dabei selbstverständlich nicht passieren.

“Alle Formate, die wir produzieren, sind sehr aufwendig. Es gibt trotzdem null Fehlertoleranz.” Diese würden zu Vertrauensverlust führen. Der Grundsatz lautet also: “Lieber wenige gute Partnerschaften, als viele durchschnittliche Beziehungen.”

Jörn Pfotenhauer erzählte über die Bedürfnisse der Schönen und Reichen.

Jörn Pfotenhauer gab Einblicke in die Bedürfnisse der Schönen und Reichen.

Was ist für den Zauber nötig?

Vielleicht genau durch diese Zielstrebigkeit hat sich ECD International einen Namen im Eventmarketing gemacht. Auf dem Erfolg ausruhen möchte man sich bei dem Stuttgarter Unternehmen aber nicht. Die Nachhaltigkeit von Events hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Zauberwörter sind: “Emotional Relationship Marketing”. Es geht nicht um den bloßen Besitz von Luxusgütern oder die Teilnahme an einem Spitzenklasse-Event. Wichtig sei eine Erinnerung oder prägende Erfahrung, so Jörn Pfotenhauer. Genauso wie das Red Bull Media House ist ECD International auf der Suche nach Pathfindern. Mails mit Ideen oder mutige Bewerbungen für Praktika sind also gern gesehen.

Von der Idee zum Phänomen – die VideoDays

Christoph Krachten, Mitbegründer von Mediakraft und Organisator des größten YouTuber-Treffen Europas, den VideoDays, hat sich ebenso nach Mittweida verirrt. Er berichtete dem Publikum über die Organisation und Planung der VideoDays und nannte Gründe für das stetig wachsende Interesse an YouTubern. Wie es sich für einen richtigen Youtuber gehört, startete Christoph Krachten seine Keynote mit einem Video über die VideoDays, in dem die Ausmaße der Veranstaltung sichtbar gemacht wurden. Angefangen haben die VideoDays 2010 als ein Treffen von YouTubern und deren Fans in einem kleinem Raum auf der Gamescom. 2011 wurde aus dem Raum ein Saal, 2012 füllte man eine komplette Messehalle mit Fans. Nur ein Jahr später gelang der Durchbruch und die VideoDays wurden in die Kölner Lanxess Arena verlegt. Die VideoDays seien ein “emotional unglaubliches Event”, das vor allem die Zielgruppe der 12- bis 14-Jährigen erreichen soll. Für diese Zielgruppe sind YouTuber zum einen Stars und zum anderen Vorbilder, an die es sich emotional herantreten lässt. Gleichzeitig haben sie sich ihren Ruhm allein erarbeitet. Der Weg auf die “große Bühne” scheint für die Besucher des Events also greif- und erreichbar.

Christoph Krachten berichtete über den Erfolg der YouTube-Szene.

Christoph Krachten berichtete über den Erfolg der YouTube-Szene.

“Was früher die Bravo war, ist heute YouTube und BibisBeautyPalace.”

Diese unglaubliche Resonanz der YouTuber zeigt sich auch über ihre mediale Präsenz. Formate wie die Tagesschau berichteten über die diesjährigen VideoDays, der Film “Kartoffelsalat” hat es in die Kinos geschafft und “Die Lochis” kommen im Dezember 2015 ebenfalls auf die große Leinwand. Laut Christoph Krachten liegt das Geheimnis des Erfolgs in der Symbiose zwischen YouTubern und Fans. Die YouTuber bekommen durch ihre Bekanntheit Verträge mit Sponsoren, die die junge Zielgruppe nicht mehr erreichen und dies über YouTube wieder ändern wollen. Auf der anderen Seite haben die Fans durch die YouTuber Vorbilder und Idole, denen sie nacheifern können. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Eventrecht – so sieht es eigentlich aus

Dr. Mandy Risch-Kerst ist Fachanwältin, Dozentin und Gründerin der Kanzleikooperation EVENTLawyers für Kunst-, Musik- und Eventrecht. Sie gilt als Expertin im Event-Compliance- & Brand-Management und geht konsequent auf die Bedürfnisse von Künstlern, Agenturen und Veranstaltern ein. Sie gab uns einen Einblick in die rechtlichen Grundlagen der Eventkonzeption und einige Tipps, welche Fallen uns dort begegnen können. Einen kompletten Konzeptschutz gibt es in Deutschland leider nicht, es existieren ausschließlich Schutzrechte wie das Urheberrecht, Markenrecht oder Titelschutzrecht. Im Falle eines Events kann man sich die Idee, den Titel, die Bezeichnung sowie das Programm rechtlich schützen lassen. Allerdings ist die reine Idee, wie man sie im Kopf hat, nicht geschützt, sondern muss umgesetzt werden, damit sie einem Schutzrecht unterliegt. Ein reiner Gedanke lässt sich also nicht schützen. Ähnlich sieht es bei der Marke aus, egal ob Bild-, Wort- oder Klangmarke. Sie muss angemeldet werden, damit sie geschützt ist.  

“Wer die Marke hat, hat die Macht.”

Dr. Mandy Risch-Kerst lud zur Medienrechtsstunde ein.

Dr. Mandy Risch-Kerst lud zur Medienrechtsstunde ein.

Dies bedeutet: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Den Markenschutz kann man alle zehn Jahre verlängern lassen. Die Rechte einer Marke liegen immer bei demjenigen, der sie zuerst angemeldet hat. Der Wert einer Marke lässt sich übrigens mit einer Faustregel berechnen: Markenwert entspricht dem Jahresumsatz mal drei genommen. Wer das alles nicht verstanden hat, sollte vielleicht doch öfters die Rechtsvorlesungen unserer Fakultät besuchen.

Text: Fabian Opitz. Beitragsbild: Laura Wirth.