Funk(t) es bei euch schon?

Beim Medienforum 2017 in Mittweida war Referentin Claudia di Lena von Funk zu Gast und hat uns in ihrer Keynote viele Einblicke über Arbeitsprozesse, das Team und die Zielgruppe der frischen Firma gegeben.

ARD und ZDF starteten am 01.10.2016 mit ihrem Online-Medienangebot „funk“ für Jugendliche und junge Erwachsene. Seitdem ist viel passiert, denn das Jahr bescherte viele neuen Ideen, Projekte, Formate – aber auch Kritik.

 

Aber erstmal ganz von vorn…
Als im Oktober 2014 beschlossen wurde, EinsPlus und ZDFkultur zu Gunsten eines neuen Online-Jugendkanals einzustellen, war das der Anfang des Ganzen, zwei Jahre später folgte die Geburt der Online-Plattform.

Aber was ist „funk“ überhaupt?

Da es sich bei hierbei um ein Tochterunternehmen von ARD und ZDF handelt, werden die finanzielle Mittel durch die Rundfunkgebühren bereitgestellt. Funk bezahlt jährlich ca. 38,25 Millionen Euro für unterschiedliche Produktionen die dann auf unterschiedlichen Plattformen wie beispielsweise YouTube,Snapchat, Facebook aber auch auf der eigenen Webseite (funk.net) Content ausgestrahlt werden.

Quelle: Youtube Kanal „funk“

Mit Bildung und Unterhaltung sollen Personen im Alter von 14-29 angesprochen werden, die immer seltener das Fernsehangebot der Öffentlich-rechtlichen nutzen.
 Damit Funk genau diese Zielgruppe erreicht, werden unter Anderem bekannte Lizenz-Serien wie „Orange Is The New Black“ ausgestrahlt, aber auch eigene Formate durch unterschiedliche Partner und junge „Medienmacher“ aus bspw. der YouTuber Szene produziert.

 

Dadurch grenzen sich die Inhalte nicht nur thematisch, sondern auch ästhetisch und formattechnisch grundlegend voneinander ab und werden auf über 60 Kanälen ausgestrahlt, die teilweise schon seit Jahren bestehen.
 Somit wird ein teilweise bestehender Konsumer-Kreis angesprochen, der automatisch Klicks generiert.
Das durch Fynn Kliemann und Freunde initialisierte „Kliemannsland“ konnte so durch funk und den NDR ins Leben gerufen oder bereits bestehende Formate wie Youtube-Kanäle von Katrin Fricke „Coldmirror“ oder auch „Bohemian Browser Ballet“ unterstützt bzw. in das Portfolio eingegliedert werden.

 

Einblicke in beispielhafte Produktionsprozesse im Bereich Dokumentation und mehr konnten uns beim Medienforum Christian Tippe und Huberts Koch, bekannt als „Y-Kollektiv“ geben. Es werden generell sowohl einzelne und kleinere Produktionsfirmen für Projekte in Betracht gezogen als auch Kooperationen mit bereits etablierten Online-Größen wie dem Rocket Beans Team bzw. TV-Sendern (BR, WDR, NDR und viele mehr) initiiert, was der Bandbreite zu Gute kommt.

 


Es klingt nach einem guten Konzept. Doch wie erfolgreich ist das Geschäftsmodell?



Bisher hatte funk 256 Millionen Views auf YouTube und 90 Millionen Aufrufe auf Facebook (Zeitraum: 1.10.2016 bis 31.08.2017).
Die fiktionale Mystery-Serie „Wishlist“ konnte unter anderem beim Grimme-Preis und beim Deutschen Fernsehpreis 2017 überzeugen, das Satireformat „Datteltäter“ erhielt den Grimme Online Award 2017 und die Teams vom „Kliemannsland“ sowie vom Reportage-Format „Y-Kollektiv“ wurden beim Webvideopreis 2017 ausgezeichnet.

 

Innerhalb des Jahres musste „Funk“ allerdings auch viel Kritik von Seiten der Nutzer einstecken.
 Ursachen hierfür sind Formate wie bspw. „Jäger & Sammler“, „Fickt Euch“, „Auf Klo“ oder auch „Janas Diary“, die mehr „Disslikes“ als positive Resonanz erhielten. Auch die Kommentarkultur zeigt Unzufriedenheiten auf und „zu einseitige Berichterstattung“ oder das Behandeln „sexueller Inhalte“ wird kritisiert. Oftmals wird hier Kritik an der Finanzierung hinzugezogen, die durch die Rundfunkgebühren staatlich erzwungen werden. Natürlich ist es schön, wenn durch die Nähe zu den Nutzern auch der direkte Diskurs gefördert wird, allerdings kann dieser natürlich wertend in beide Richtungen ausschlagen.

 

Ein Jahr geht, ein Jahr kommt…

 

„Wir haben in den vergangenen Monaten zusammen mit den Kollegen von ARD und ZDF viele Formate angeschoben, viel positives Feedback von unseren Nutzern bekommen und sogar ein paar Preise gewonnen. Wir wollen aber noch mehr ausprobieren und natürlich weiterhin beobachten, was funktioniert und was nicht. Wir analysieren genau, wo wir schon gute Wege gefunden haben und woran wir noch intensiver arbeiten müssen. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel angekommen und haben natürlich noch einige Formate in der Pipeline.“ so die Programmgeschäftsführer Florian Hager und Sophie Burkhardt.

 

Für 2018 laufen bspw. derzeit die Vorbereitungen für die Adaption der norwegischen Erfolgsserie „Skam“, um nur einige der kommenden Projekte zu nennen und auch in bereits Etabliertem gibt es Nachschub, wie z.B. mit dem neuen Format „Koch ma!“ aus dem Kliemannsland und der zweiten Staffel der Serie „Wishlist“.

 

Funk selbst ist noch am renovieren, darum sollte man der Firma Zeit geben, für ein komplett neues Konzept ein neues Programm aufzubauen. Man sollte nicht alles „direkt zerreissen“, sondern sich über Vielfalt an Online-Angeboten freuen. Und was die Sache noch viel schöner macht:

 

Wenn’s einem nicht gefällt, kann man ja einfach ein neues Format ausprobieren.

 

 

 

 

Hier nochmal die Keynote von Claudia di Lena beim diesjährigen Medienforum.

 

QUELLEN: funk.net, presseportal.zdf.de

Beitrag von Lars Rösler und Nona Brodersen
Fotos vom Medienforum 2017