Die „Piratenpartei” ist aus der Medienwelt nicht mehr wegzudenken

Die „Piratenpartei” ist aus der Medienwelt nicht mehr wegzudenken.

Derzeit gibt es kaum eine Talkshow ohne ein Mitglied der „Piratenpartei”. Es reicht mit der kostenlosen Wahlwerbung und unerfahrenen Politikneulingen, kommentiert Julia Schwalbe.

Sie kamen aus dem Nichts, sie sahen Plätze in der Regierung und sie siegten bereits bei vier Landtagswahlen in Deutschland – die Möchtegern-Politiker der „Piratenpartei“. Eine planlose Partei erhält gratis Promo, beinahe ohne danach zu fragen. Die Piraten wurden von den Medien viel zu schnell von der politischen Minderheit zur Mainstream-Partei geadelt.

Kein Talk ohne Pirat

Die Hauptsache scheint aktuell für Talk-Redakteure zu sein, einen dieser hippen Netzwelt-Revolutionäre auf der Gästeliste stehen zu haben. So lässt Günther Jauch ungesprächige Computer-Nerds wie den „Piratenpartei“-Geschäftsführer Johannes Ponader lieber twittern statt diskutieren. Ponaders kameraliebende Vorgängerin Marina Weisband durfte sich bei „Roche & Böhmermann“ sogar einen Joint genehmigen. Was zählt, ist die Provokation und der Unterhaltungswert des Gesprächspartners, nicht der Inhalt der Diskussion.

Die Piraten konnten kaum schnell genug Nachwuchs-Politiker hervorbringen, um der rasant wachsenden Nachfrage der Talkshows gerecht zu werden. Während sich die Talk-Redaktionen vorher nur altbekannte Talkshow-Urgesteine untereinander zugeschoben oder weggeschnappt haben, konnten sie von den vermeintlich frischen Gesichtern nicht genug bekommen.

Mit unterhaltsamen Nonsens zum Medienhype

Dabei waren die Politik-Seeräuber vor drei Jahren noch ein Haufen vereinzelter Hacker und Gratisdownloader. Mittlerweile sind ihre unscharfen Positionen und ihr Image als „Junge Wilde“ absolut gesellschaftsfähig, den Medien sei Dank. Und das Interesse dürfte demnächst – und leider – auch nicht abebben: Da sie jung und unerfahren sind, behaupten die Nachwuchs-Politiker in Interviews nämlich meistens unterhaltsamen Nonsens. Dabei sind selbst die vermeintlich neuen Thesen bereits seit vielen Jahren Gesprächsstoff. Nur früher ohne der Marke „Piratenpartei“.

Im Zweifelsfall die Nazi-Keule

Aber auch bei den Piraten geht der Neuigkeitswert mal zurück – doch viele Journalisten haben damit kein Problem, schließlich ist die schreibende Zunft einfallsreich und kreativ. Piratin Weisband, selbst Jüdin, wurde schon mal mit Hitler gleichgesetzt, auch ihr Nachfolger Ponader durfte sich auf „FAZ.net“ diesen Vergleich gefallen lassen. Eine geschmacklose Effekthascherei. Aber es funktioniert: Denn die Konsumenten hören oder schauen hin, wenn – zur Abwechslung – mal wieder ein Politikneuling als Nationalsozialist bezeichnet wird.

Auch zum Parteitag der „Piratenpartei“ stürmten hunderte Journalisten aus aller Welt nach Neumünster. Eigentlich eine langweilige Veranstaltung, doch Rettung nahte: Schließlich durchquerte ein Pirat mit einem Plakat der „Linkspartei“ die Halle. Wie sollte es auch anders sein, für die Medien war auch das der perfekte Aufhänger – und schon wieder Anlass für ein Nazi-Vergleich.

Nerds an die Macht? Nein, danke!

Wie hochnäsige Parasiten nutzen die orangen Polit-Freibeuter die Umsonst-Wahlpropaganda aus. Die Vorstellung, dass durch diese Öffentlichkeit in nicht allzu ferner Zukunft ein Pirat den Posten des Bundeskanzlers übernehmen könnte, sollte den Medienhäusern jedoch zu denken geben. Dann könnten sich die Medien bei sich selbst bedanken: Nämlich dann, wenn eine Piratenregierung ihre Verdienstgrundlage, den Schutz des geistigen Werkes, zunichtemachen würde. Zumindest wären viele Redaktionen selbst daran schuld.

Text: Julia Schwalbe, Bild: Quelle: wikipedia, flickr, Fotograf: Piratpartiet, humanoid23, Bearbeitung: Nicole Schaum