Viele erkennen ihre Stimme, doch nur wenige ihr Gesicht. Um Emotionen auszudrücken, nutzen Schauspieler ihren ganzen Körper, Synchronsprecher hingegen haben nur ihre Stimme. Doch was steckt hinter dem Beruf? Wie wird man Synchronsprecher? Ein Interview mit einem Synchronsprecher, der auch ein passendes Start-Up-Unternehmen gegründet hat, gibt Antworten.

Abends nach der Uni oder der Arbeit bei einem guten Film entspannen. Ohne die deutsche Synchronbranche wäre dies wohl nur halb so angenehm. Obwohl der Trend vor allem beim jüngeren Publikum immer mehr zu Filmen in Originalfassung geht, bevorzugt der Großteil weiterhin die deutsche Synchronfassung. Dies bestätigte die Umfrage von Lisa Gehricke, einer Medienstudentin der Hochschule Mittweida, die im Rahmen ihrer Bachelorarbeit zum Thema Synchronisation rund 300 Leute befragte.

Synchronsprecher werden

Eine Schauspielausbildung sollte für einen Synchronsprecher Voraussetzung sein, erklärt Dirk Stollberg im Interview mit medienMITTWEIDA. Er selbst ist unter anderem Synchronsprecher von Sam Huntington in der US-amerikanischen Mystery-Serie „Being Human“ und machte eine Schauspiel-, Gesangs- und Tanzausbildung in Hamburg. Dabei nahm er auch bei einigen Synchron-Workshops teil, die ihm zeigten, dass ihm dieser Beruf viel Spaß macht und Abwechslung bringt. Als er berufsbedingt nach Berlin ging, der „Hauptstadt des Synchron“ wie er sie bezeichnet, ergriff er die Chance, Synchronsprecher zu werden. Von einem Bekannten bekam er die Telefonnummer von Joachim Kerzel, der nicht nur die deutsche Synchronstimme von Hollywood-Stars wie Anthony Hopkins und Dustin Hoffman spricht, sondern auch in vielen Kinotrailern zu hören ist. Dieser fuhr mit Stollberg zu verschiedenen Synchronfirmen, um ihn bei den Aufnahmeleitern vorzustellen. Gewisse Kontakte zu haben, spielt offenbar eine wichtige Rolle.

Natürlich hat nicht jeder das nötige „Vitamin B“ und kann mit einem erfahrenen Synchronsprecher zu den verschiedenen Agenturen fahren, um sich dort vorzustellen. Nachfolgend erklärt Stollberg, wie ein Synchronsprecher allgemein an seine ersten Rollen kommt:

Eine Schauspielausbildung gibt Erfahrung, um verschiedene Rollen bestmöglich spielen zu können, erzählt Stollberg. Natürlich gibt es auch Sprecher ohne Schauspielvorerfahrungen, aber die Synchronfirmen suchen nach Schauspielern. Vor allem am Anfang muss man immer wieder „Klinken putzen, Klinken putzen“, rät der Synchronsprecher. Also immer wieder bei den Aufnahmeleitern melden und dann bekommt man mit Glück seine ersten Aufträge.

Ein Job mit Zukunft?

Synchronsprecher sind nicht angestellt, sondern arbeiten selbstständig, somit haben sie auch keine klassischen Arbeitszeiten. „In der Regel erfährt man bis 17 Uhr eines Arbeitstages, wann man am nächsten Tag im Studio sein muss“, erklärt Dirk Stollberg. Dadurch ist es mit der Planung von persönlichen Terminen eher schwieriger. Synchronsprecher können sich zwar theoretisch aussuchen, wann sie arbeiten möchten und wann nicht, sind als Selbstständige zur Sicherung ihres Lebensunterhalts allerdings auf Aufträge der Firmen angewiesen und sollten entsprechend verfügbar sein.

Dirk Stollberg.Dirk Stollberg sagt über den Beruf:

 

Es ist ein Traumberuf, der mir am Anfang, als ich ihn noch nicht kannte, gar nicht als solcher bewusst war. Im Moment kann ich mir nichts anderes vorstellen, weil es mich aus schauspielerischer Sicht erfüllt, man viele verschiedene Leute kennenlernt und nicht immer im selben Büro sitzt. Ich fühle mich mit dem, was ich mache, sehr wohl und hoffe, dass ich das noch ganz lange machen darf.“

Laut dem Synchronsprecher wird sich die deutsche Synchronbranche auch weiterhin behaupten können. Synchronisation hat in Deutschland bekanntlich eine lange Tradition und ist wahrscheinlich auch aus diesem Grund eine der besten weltweit. Synchronsprecher scheint also ein Beruf mit Zukunft zu sein. Schließlich werden jährlich tausende fremdsprachige Filme gedreht, die synchronisiert werden. Allerdings gibt es auch immer kritische Meinungen dazu. „Es gab immer schon Leute, die Filme und Serien gerne im Original geguckt haben“, sagt Stollberg dazu.

Diesen Kritikern der deutschen Synchronfassungen muss sich die Branche anpassen, erklärt er im Gespräch. Durch das Internet sind filmische Inhalte schneller einem großen Publikum zugänglich. Da viele immer schneller wissen möchten, wie es beispielsweise mit der Lieblingsserie aus den USA weitergeht, gehen sie den Kompromiss ein, sich die Serie im Originalton anzusehen, auch wenn sie vielleicht nicht alles verstehen.

Mobile Applikation für den Synchronberuf

Synchronsprechen heißt nicht nur vor’m Mikrofon zu stehen, sondern auch über die verschiedenen Studioeinsätze Buch zu führen. Um immer eine Übersicht über seine Finanzen zu haben, ist es wichtig, genau zu protokollieren, wann für welche Produktion welche Rolle in welchem Stundenumfang gesprochen wurde. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Informationen zu organisieren. Diese Methoden sind oft leider sehr zeitaufwendig oder unübersichtlich. Deshalb hat Stollberg eine App entwickelt, die diese organisatorischen und buchhalterischen Aufgaben vereinfachen und übersichtlicher machen soll.

Bei der Entwicklung richtete er sich auch nach den Wünschen und Ansprüchen seiner Kollegen. Seit dem 31. Dezember 2013 ist die „Synchron App“ nun im App Store erhältlich und bereits in den ersten Wochen gab es eine hohe positive Resonanz, erklärt der Synchronsprecher.

Tipps für angehende Synchronsprecher

Wer sich für diesen Beruf entscheidet, sollte viel Durchhaltevermögen haben. Schließlich kann man nicht davon ausgehen, von heute auf morgen Synchronsprecher zu werden. Es sollte einem Spaß machen, viele verschiedene Rollen zu spielen und das auch oft an einem Tag, wenn man für mehrere Produktionen spricht. Synchronsprecher ist auf jeden Fall ein Beruf mit sehr viel Abwechslung, bei dem bestimmt keine Langeweile aufkommt. Zudem ist es heutzutage auch möglich, als Quereinsteiger in der Synchronbranche Fuß zu fassen. Jemand ohne schauspielerische Grundkenntnisse braucht laut Stollberg allerdings meist viel länger, um eine gute Aufnahme einzusprechen. Die Synchronstudios gehen diesen Mehraufwand aber meist nur ein, wenn jemand Bekanntes dahinter steht, um somit Werbung für einen Film zu machen.

Für diejenigen, die sich näher für den Beruf interessieren, hat Dirk Stollberg hier noch ein paar Tipps für angehende Synchronsprecher:

 

Text: Christin Sperling. Grafik: Sarah Krause.