Alle Jahre anders

von | 7. November 2019

Eine Erde, aber zig verschiedene Varianten, Weihnachten zu feiern. Titelbild: Maria Zimbal

Weihnachten wird international ganz verschieden gefeiert – in manchen Ländern mitunter gar nicht. Ob im Sommer, im Winter, mit Familie oder Freunden: Fünf internationale Studierende der Hochschule Mittweida erzählen von ihrem ganz persönlichen Weihnachten und wie sie es in diesem Jahr verbringen.

Ich bin Emna und ich habe russische und tunesische Wurzeln

Ich habe in Tunesien gelebt und dort wird kein Weihnachten gefeiert, weil es einfach nicht in der Kultur und Religion verankert ist. Ich bin nicht wirklich gläubig, aber Muslime feiern auch die Geburt ihres Propheten. Ich nenne das manchmal „muslimische Weihnachten“, um es Anderen zu erklären. Zu dieser Feier ist das Essen sehr wichtig, jede Familie bereitet einen speziellen Pudding zu. Diesen tauschen wir dann anstelle von Geschenken aus. In Russland wird Neujahr ausgiebig gefeiert, dann auch mit Geschenken. Es ist einfach eine große Party, mit Essen und guter Gesellschaft. Weihnachten wird in Russland dann erst am 6. beziehungsweise 7. Januar gefeiert.

Letztes Jahr habe ich ein europäisches Weihnachten erlebt. Mit meinem Freund war ich in Spanien – er kommt von dort. Wir haben uns auch beschenkt und ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind. Dieses Jahr ist Weihnachten keine große Sache. Ich werde mit Freunden wichteln, aber das war es auch schon. Der Jahreswechsel hingegen wird gefeiert, da fahre ich nach Berlin und treffe mich mit Freunden aus der Türkei, die auch kein Weihnachten feiern, dafür aber Neujahr.

Ich heiße Arjit und komme aus Indien

Wir feiern zu Hause Weihnachten, aber nicht aus religiösen Gründen, sondern wegen der Stimmung. Für mich geht es Weihnachten immer ums Essen. Wir kochen und es gibt viele Naschereien und Süßspeisen. In meiner Familie ist es Tradition, jedes Jahr zu Weihnachten etwas zuzubereiten, was es zuvor noch nie bei uns gab. Das heißt meine Mutter, mein Vater und ich kochen jeweils ein Gericht und dann gibt es ein großes Festessen. Am 24. Dezember sitzen wir dann lange zusammen, manchmal laden wir dazu Bekannte ein, manchmal nicht. Geschenke sind nicht so wichtig, das ist eher ein spontanes Ding, wenn man etwas Passendes findet. Und es hat sich zur Tradition entwickelt, dass wenn man ein Geschenk findet, man auch nur eins für jemanden hat – es beschenkt also nicht jeder jeden. Geschmückt und beleuchtet ist alles über drei Monate lang, denn im Oktober feiern wir in Indien Diwali, ein Lichterfest, und da bleibt die Beleuchtung gleich dran.

In Indien gibt es keine Weihnachtsmärkte, die mag ich hier sehr. Ich würde auch gern mal Weihnachten im Schnee erleben. In Deutschland ist es sehr ruhig – letztes Jahr war ich zu Weihnachten in Mittweida, das war total langweilig. Deshalb fahre ich dieses Jahr mit Freunden nach Prag, denn ich möchte auch etwas erleben um diese Zeit. Generell ist Weihnachten nicht so wichtig, aber ich feiere es gerne – Zeit zusammen zu verbringen und gutes Essen sind das Beste daran.

Ich heiße Jin und komme aus China

Dort wird generell kein Weihnachten gefeiert, sondern das chinesische Neujahr. Das dauert mehrere Wochen und fängt nicht am 31. Dezember an, sondern meist Ende Januar. 2020 wird es vom 25. Januar bis zum 8. Februar gefeiert. In dieser Zeit kommt die Familie zusammen, wir kochen, essen Hot Pot – ein chinesisches Fondue – und spielen Mah-Jongg. Am ersten Tag feiern wir meist mit den Großeltern, dann mit weiteren Verwandten. Manche nutzen diese Zeit auch, um zu verreisen, in meiner Familie machen wir das nicht. Die Haustüren sind zum Neujahr mit Sprüchen verziert, die ein „frohes neues Jahr” und „viel Glück” wünschen. Dann gibt es auch noch die berühmten Lampions, die das Gleiche symbolisieren.

Weihnachten und Silvester sind mir nicht wichtig. Ich werde das deutsche Weihnachten mit einer Freundin in Spanien verbringen und zu Silvester wieder in Chemnitz sein. Das chinesische Neujahr werde ich dann auch mit Freunden in Chemnitz feiern.

Mein Name ist Albert und ich komme aus Armenien

Wir feiern dort Weihnachten, allerdings nicht am 24. Dezember. Bei uns geht es am 31. Dezember los. Dann wird angestoßen und wie immer gibt es viel zu essen. Das dauert dann fast eine Woche – erst wird mit der Familie gefeiert, dann mit Freunden. Generell gibt es in dieser Zeit sehr viele Besuche und der Tisch wird nie leer. Die Vielfalt ist groß, bei uns gibt es viele Fleischsorten und speziell mariniertes Schaschlik. Das wird dann über dem Feuer gebraten. Zusammensein, gut zu essen und zu trinken sind sehr sehr wichtig. Und Geschenke gibt es auch – das ist kein Muss, aber keins zu haben ist nicht schön. Armenien liegt in den Bergen, zu dieser Zeit ist es also meist kalt und es liegt oft Schnee. Deshalb verbinde ich Weihnachten schon mit Schnee, aber den werde ich in Mittweida wohl kaum erleben.

Dieses Jahr kommen mich meine Eltern vom 20. bis 25. Dezember besuchen, dann werde ich ihnen etwas die Umgebung zeigen und vielleicht noch auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Danach treffe ich mich für ein paar Tage mit Freunden in Chemnitz und feiere dort. Unter anderem wollen wir in ein armenisches Restaurant gehen. Das Wichtigste für mich ist es, zu Weihnachten einen Kreis zu haben, in dem ich mich wohlfühle. Allein zu bleiben ist keine Option.

Ich bin Carolina und ich komme aus Brasilien

Meine Familie ist christlich und wir feiern Weihnachten im großen Kreis am 24. und 25. Dezember. Zu Weihnachten kommen auch Verwandte, die ich sonst das ganze Jahr nicht sehe, das ist sehr schön. Der Weihnachtsbaum wird zusammen geschmückt, aber schon Anfang Dezember – wir haben einen Plastikbaum, da es in Brasilien keine Tannen gibt. Manche dekorieren Palmen, aber ich finde, das ist nicht weihnachtlich. Man muss wissen, dass Weihnachten bei uns im Sommer liegt. Wir feiern dann auch manchmal in einem Strandhaus, gehen dort spazieren und haben auch schon einen Schneemann aus Sand gebaut. Heiligabend gibt es bei uns Truthahn, der muss sein, das ist Tradition. Süßigkeiten sind nicht so wichtig, aber es gibt auch einen Weihnachtskuchen, ähnlich wie Stollen, nur weicher. Und obwohl es Sommer ist, ist die Deko recht ähnlich zur deutschen, vielleicht etwas bunter. Es gibt sogar diesen Kunstschnee für Zuhause.

Hier in Deutschland liebe ich Weihnachtsmärkte, die haben wir nicht. Ich würde jeden Tag hingehen, wenn ich könnte. Ich finde es faszinierend, dass die Leute, obwohl es so kalt ist, rausgehen und Spaß haben. Ich wollte Weihnachten immer im Winter erleben, das ist für mich etwas ganz Besonderes. Ich habe sogar mein Zimmer geschmückt – mit Schwibbogen, Lichtern und Kerzen. Ich bin schon total in Weihnachtsstimmung und muss auch sagen, dass ich Weihnachten in Deutschland schöner finde als in Brasilien. Wäre meine Familie hier, wäre es perfekt. Ich weiß noch nicht ganz genau, wie ich dieses Jahr Weihnachten verbringe. Vielleicht grille ich mit zwei Freunden aus Syrien, aber ich bleibe dafür in Chemnitz, fahre also nicht weg.

Weihnachten hat international einen ganz unterschiedlichen Stellenwert. Wann, wo und wie gefeiert wird, ist von Land zu Land und Familie zu Familie verschieden. Jedoch sind gutes Essen und vor allem die Gesellschaft in dieser Zeit von zentraler Bedeutung.

Text: Kim Lu Kutschbach, Titelbild: Maria Zimbal