Von Biene Maja bis One Piece. Von Naruto bis Heidi. Wie stark sind Anime und Manga in Deutschland vertreten und wie entwickelt sich eigentlich die Szene?

Die Leipziger Buchmesse vom 12. bis zum 15. März 2015 ist eine Veranstaltung für alle Lese- und Literaturfans, doch auch Liebhaber der japanischen Comickunst haben durch die stattfindende „Manga-Comic-Convention“ mittlerweile einen festen Platz auf der Messe erhalten. Dort werden Mangas, Comics, Figuren, Künstler, Spiele und auch Kostüme präsentiert.

Doch die Szene hat auch komplett eigene Events. Mikiko Ponczeck, selbst Mangaka, also „Manga-Zeichnerin“, erklärte im Interview mit medienMITTWEIDA, welche großen Conventions es in Deutschland noch gibt.

„Es gibt sehr viele Manga-Messen in Deutschland, die auch sehr gut besucht sind. Die Dokomi in Düsseldorf, Animagic in Bonn und Connichi in Kassel sind die bekanntesten neben der MCC, glaube ich. An sich mangelt es nicht an Veranstaltungen.“

So waren zum Beispiel auf der „Connichi“ in Kassel über drei Tage rund 24.000 Besucher.

http://youtu.be/mS-T89_eph0

Japanische Animation, japanische Comics

Das Wort „Anime“ ist eine Verkürzung des japanischen Wortes „animeshon“. Die Japaner haben die Bezeichnung vom englischen Begriff „Animation“ abgeleitet. In westlichen Ländern werden Animationsfilme aus Japan als „Anime“ bezeichnet. In Japan jedoch steht das Wort für alle Arten von Animationsfilmen, also auch für Zeichentrickfilme. (DERWESTEN)

Mangas, also japanische Comics, sind dementsprechend das literarische Gegenstück zum Anime und bilden oft die Grundlage für diese.

Die Kultur hatte in Deutschland zunächst einen schweren Start. Am 18. November 1971 lief „Speed Racer“, der erste Anime der im deutschen Fernsehen zu sehen war.

DER SPIEGEL verurteilte schon die erste Folge der Serie für ihre Brutalität. So soll der zehnjährige Serienheld Speed mit seinem Auto „Mach 5“ zu einem „großen Alpenrennen“ starten. Während des Rennens flögen Speeds Rivalen „reihenweise aus den Kurven, schlagen Kobolz, rasen gegen Felsen, stürzen in Schluchten, verbrennen und verbluten beiderseits der Piste.“

Erst der kleine „Wickie“ konnte 1974 in der deutsch-österreichisch-japanischen Kooperation „Wickie und die starken Männer“ das Ansehen von Animes in Deutschland verbessern. Auch „Heidi“ oder „Biene Maja“ sind zwar Kreationen aus Europa, die jedoch in Japan filmisch umgesetzt wurden.

Steigende Akzeptanz

Die Akzeptanz für Anime und Manga in Deutschland scheint Ponczecks Meinung nach, zu steigen. Die Leute seien mit „Sailor Moon“ und „Dragon Ball“ aufgewachsen, das präge eine Generation.

„In den letzten Jahren hat sich viel geändert. Allgemein wird es viel eher als normal angesehen als am Anfang, so ist zumindest mein Gefühl.“

Kristin Eckstein, zuständig für Marketing und Presse bei „TOKYOPOP“ erklärt im medienMITTWEIDA-Interview, dass sich der deutsche Manga-Markt bei den Top-Titeln kaum von dem japanischen beziehungsweise internationalen Markt unterscheide.

„Besonders erfolgreich sind auch in Deutschland gerade die Titel, die sich in Japan (und international) großer Beliebtheit erfreuen, darunter aktuell etwa Top-Titel wie „Naruto“, „One Piece“ oder „Attack on Titan“.“

Auch Klassiker wie „Sailor Moon“, „Dragon Ball“ und „DEATH NOTE“ würden laut Eckstein noch hoch im Kurs stehen.

Sie gehe davon aus, „dass sich der Manga-Markt nach dem Boom in den 2000ern mittlerweile stabilisiert und als fester Bestandteil etabliert hat.“ TOKYOPOP habe in den vergangenen zwei Jahren steigende Verkaufszahlen verzeichnen können. „Somit geht es dem Manga-Markt aktuell besser als dem regulären Buchmarkt.“

In den Händlervorschauen von „CARLSEN MANGA“ und „Egmont Manga“ gibt es Zahlen zu verkauften Exemplaren: Über vier Millionen verkaufte Exemplare kann „Carlsen Manga“ mit One Piece vorweisen. Der Manga um die „Strohhutbande“ gilt als größter Bestseller. Das ebenfalls bekannte „Fairy Tail“ kommt in Deutschland auf circa 570.000 Exemplare. Bei „Egmont Manga“ gab es in den letzten Jahren größere Absätze im Bereich Comics und Graphic Novels. So sei der Absatz seit 2010 um 25 Prozent, der Manga-Markt in Deutschland um 50 Prozent gestiegen.

Die deutsche Szene

Mikiko Ponczeck

„Die Szene in Deutschland ist extrem fleißig, finde ich. Fans sind sehr engagiert und arbeiten hart, ob es nun Fanprojekte, Cosplay oder eigene Manga (Doujinshi) sind. In anderen Ländern gibt es nicht immer so eine ausgeprägte Szene. Zeichnerisch können viele Deutsche mittlerweile mit ihren japanischen Vorbildern mithalten.“

Deutsche Mangaka gibt es wenige. Die Szene sei trotz ihrer Aktivität recht klein, meint Ponzceck. Doch gibt es auch hier bekannte Künstler, wie zum Beispiel Christina Plaka („Plastic Chew“), oder Olga Andriyenko. Bei den Verlagen ist die Verteilung in Deutschland ebenfalls übersichtlich. So gibt es neben dem zweitgrößten deutschen Verlag TOKYOPOP noch Egmond Manga und den Carlsen Verlag.

Doch die Verlage arbeiten nicht nur mit den japanischen Mutterunternehmen zusammen, sondern starten auch selbstständige Projekte mit deutschen Künstlern. Laut Eckstein habe TOKYOPOP beispielsweise mit Anna Hollmann („STUPID STORY„), Anike Hage („GOTHIC SPORTS„) oder auch Mikiko Ponczeck („CRASH ‚N‘ BURN„) erfolgreich zusammengearbeitet.

„Auch in Zukunft werden wir weiterhin deutsche Manga-Talente suchen, um den Markt zu stärken. Hierfür haben wir im vergangenen Jahr die „TOKYOPOP Academy“ ins Leben gerufen, bei der wir sechs Zeichnerinnen nach Hamburg eingeladen haben, um sie professionell bei ihren Projekten zu unterstützen und den Weg zu möglichen Buchpublikationen zu ebnen.“

Text: Johannes Pursche. Bild: manga drwaing © Dennis Tang unter CC BY-SA 2.0. Bearbeitung: Louisa Bandura.