Aktuelle Serien-Highlights

Couchkritik

von | 4. Mai 2018

Was tun, wenn die altbekannten Arzt-, Fantasy- oder Krimiserien zu Ende sind? Im Serien-Dschungel gibt es so einige Schätze, mit denen man sich vielleicht auf den ersten Blick anfreunden muss, die man aber schnell zu lieben lernt. Darum wollen wir in „Couchkritik“ monatliche Empfehlungen auf die Highlights des aktuellen Serienmarkts aussprechen, auf die wir uns am meisten freuen.

Haus des Geldes – Staffel 2 – Netflix

„Keine Namen, keine Beziehungen“ – Mit diesen Worten plant ein Mann, der sich selbst nur „der Professor“ nennt, einen Überfall auf die Madrider Banknotendruckerei. Anscheinend gibt es nichts, was die genial durchdachten Pläne des Professors durchkreuzen könnten. Doch dann muss auch dieser spüren, dass Menschen immer Fehler machen. In dieser Serie geht es nicht um Action, wilde Schießereien oder Blutvergießen. Es geht um die Menschen, die diesen außergewöhnlichen Überfall ausführen und um das unterschiedliche Verhalten der Räuber, Geiseln und Polizisten, wenn sie mit Stress, Angst, Wut oder Hilflosigkeit konfrontiert werden. Blut fließt trotzdem jede Menge. Netflix bringt mit dieser spanischen Produktion wieder eine Serie nach Deutschland, die viele bekannte Serien mit dem dargebotenen Storytelling, Bühnenbild und Schauspieltalent in den Schatten stellt. Bemerkenswert ist es auch, dass in Zeiten von immer länger werdenden Geschichten, diese Story nach zwei Staffeln erzählt ist und dass auch noch in sehr kurzer Zeit: Nur knapp vier Monate mussten wir nach der ersten auf die zweite Staffel warten. Im IMDB-Ranking darf sich „Haus des Geldes“ zu Recht neben alten Größen wie „Grey‘s Anatomy“, „Suits“ oder „Arrow“ auf Platz elf der populärsten Serien stellen. Netflix kündigte nach diesem Erfolg schon eine dritte Staffel für 2019 an.

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse – Staffel 2 – Netflix

Auch in der zweiten Staffel setzt sich das Katz- und Mausspiel zwischen den drei Baudelaire-Weisen und ihrem Feind Graf Olaf fort. Mehr noch als in der ersten, sollte man sich in der zweiten Staffel einer Frage stellen: Ist das Dargebotene noch Video oder ist der Begriff „Theater“ viel passender, wenn sich die Welt dieser schlauen, aber missverstandenen Kinder auftut? Eine Welt aus erdrückenden und fantastischen Kulissen, extravaganten und grotesken Kostümen und dramatischem Storytelling versucht regelrecht die Kinder und somit auch den Zuschauer zu verschlingen. Dabei gibt es hier kein Bild und keinen Satz, der nicht bis ins letzte Detail durchdacht scheint. Eine Serie zum zwischen den Zeilen lesen und das sowohl für Kinder als auch für Erwachsenen. Die lehrbuchhaften Erklärungen und die gesellschaftskritischen Aspekte schaden der Geschichte in keiner Weise und verleihen der Serie ihren außergewöhnlichen Charme. Nicht umsonst steht diese Serie auf Platz vier des IMDB-Rankings, gleich hinter „Game of Thrones“!

The Rain – Staffel 1 – ab 4. Mai auf Netflix

Netflix setzt sein Konzept fort, in den unterschiedlichsten Ländern eigene Serien zu produzieren. Nächstes Projekt ist also die dänische Serie „The Rain“: Es geht um eine Welt nach einer Killervirus-Katastrophe, in der sich eine Gruppe Überlebender auf die Suche nach anderen Lebenszeichen macht. Netflix kündigt die Serie als Welt mit „Liebe, Eifersucht und Entwicklungsdilemmas“ an, was auf eine tiefgründige Story deuten lässt und auch bei einem Horror-/Sci-Fi-Szenario wie diesem die flachen Dialoge und sinnlose Action endlich in die Belanglosigkeit verbannen könnte. Sowohl hinter als auch vor der Kamera erwartet uns ein noch unbekanntes dänisches Team, das frischen Wind in dieses Seriengenre bringen könnte.

Trust – Staffel 1 – ab Mai auf Sky

„Trust“ erzählt die Geschichte einer vermögenden und zugleich vom Unglück geplagten Unternehmerfamilie aus den USA – den Gettys. Basierend auf wahren Begebenheiten, sollen die zum Teil schwierigen Beziehungen zwischen einzelnen Familienmitgliedern, sowie alle Höhen und Tiefen des Clans porträtiert werden. Mit Star-Besetzung wie Donald Sutherland oder Hilary Swank (bekannt aus Million Dollar Baby) und den Machern von „Slumdog Millionaire“ scheint sich Sky wieder einen Trumpf gesichert zu haben. Die Serie soll in mehreren Staffeln die zeitlichen Abschnitte der Familiengeschichte behandeln, beginnend im Jahr 1973, als ein sechzehnjähriges Familienmitglied von der italienischen Mafia entführt wird und die Familie nicht auf die Lösegeldforderungen eingehen will. Noch ist unklar, inwiefern diese Serie mit dem erst 2017 erschienen Kinofilm „Alles Geld der Welt“  konkurrieren wird, in dem die gleiche Geschichte erzählt wird.

Text und Titelbild: Nicolai Hackbart