In der Region um Leipzig stehen immer mehr Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche vor dem Ruin. Um diesem Problem entgegenzuwirken, engagiert sich der Verein Mehrweg e.V. mit seinem Projekt PLATTFORM. Unterstützung erhalten sie durch die Medienmanager des fünften Semesters. medienMITTWEIDA hat mit Enrico Hösel, dem studentischen Projektleiter der crossmedialen Kampagne, gesprochen.

Unter dem Motto „Begegnen – Beschäftigen – Bilden“ läuft seit April 2015 das crossmediale Projekt PLATTFORM des Vereins Mehrweg e.V. in Kooperation mit dem Mittweidaer Studententeam. Der Plan: Ein alter LKW und ein umfunktionierter Rummelwagen fahren in die Regionen, wo der Bedarf nach beruflicher Orientierung, Kultur und Bildung groß ist und bieten verschiedene Angebote dieser Art für Kinder und Jugendliche an. Doch damit dieses Vorhaben Realität wird, braucht der Verein Mehrweg e.V. finanzielle Unterstützung. Darum starteten die 16 Studenten eine Crowdfunding-Aktion. Ziel ist die Schaffung von zwei bis drei Arbeitsplätzen, die an Flüchtlinge vergeben werden sollen. Also an Menschen, die Unterstützung brauchen und durch das Projekt PLATTFORM Unterstützung zurückgeben.

medienMITWEIDA: Wie seid ihr auf den Verein Mehrweg e.V. gekommen und wie kam der erste Kontakt zustande?

Ich habe eine Weile in Leipzig gewohnt und irgendwann bin ich mit Michael Oertel, dem Vereinsvorsitzenden, in Kontakt gekommen. Er hat mir erzählt, was er macht und wofür der Verein steht und meinte, der Verein ist gut in dem, was er leistet und könne aber nicht viel machen, weil die finanziellen Möglichkeiten fehlen. Als Frau Prof. Huhle, unsere Professorin des Moduls „Crossmedia“, meinte, wir können uns selber einen Verein suchen oder wir bekommen welche vorgestellt und können uns dann von denen einen aussuchen, fiel mir Michael Oertel wieder ein. Ich dachte, ich stell den Verein Mehrweg e.V. mal vor und alle Parteien haben dafür gestimmt.

medienMITTWEIDA: Wie genau sieht eure Unterstützung aus? 

Das ganze läuft bis zum 13. Dezember 2015, dann endet die Kampagne. Bis jetzt haben wir die Webseite erneuert, ein bisschen aufgeräumt, frisch gemacht. Wir haben ein Corporate Design für Visitenkarten und Geschäftspapiere entworfen. Wir haben in die Facebook-Seite, an der wir aktiv arbeiten, einen Leitfaden reingebracht und ein neues Logo entworfen. Da es um den Bereich PLATTFORM geht, haben wir in diesem Zuge gesagt, wir räumen euch mal auf, wir schmeißen alles weg, was ihr nicht braucht, und das, was ihr habt, schauen wir uns an und bringen es in die Spur.

medienMITTWEIDA: Wie sieht der zeitliche Aufwand für euch Studenten aus und wie eng arbeitet ihr mit dem Verein Mehrweg e.V. zusammen?

Wir haben ein Team Bewegtbild, was sich um die ganze Videoproduktion kümmert. Dann gibt es ein Team Grafik, welches sich um die ganzen grafischen Elemente kümmert. Außerdem haben wir das Team Marketing und Event, die sich ausschließlich um das Organisieren von Veranstaltungen kümmern. Also viele kleine Bereiche, wo du als Projektleiter überall mit drinstecken musst. Du machst dir Gedanken: Was musst du heute noch machen, was habe ich noch nicht gemacht und was steht als Erstes auf der Liste. Das zieht sich den ganzen Tag so durch. Ich kommuniziere mit den ganzen Teams und auch mit den Projektpartnern, mit denen wir sehr eng in Kontakt stehen. Am 31. Oktober war das Kick Off  mit Live-Band und Catering für die Kampagne. Vor dem Kick Off war unbeschreiblich viel an Bewegung drin, wir haben teilweise mehrmals am Tag mit den Projektpartnern telefoniert und drei, vier E-Mails am Tag hin und her geschickt. Bei dem Projekt konnten wir den Aufwand nicht richtig einschätzen und jetzt müssen wir sagen, dass das ein Monsterding ist. Was wir machen ist wirklich wahnsinnig viel und aufwendig. Würden wir dafür bezahlt werden, dann wäre das schon ein sehr guter Verdienst.

medienMITTWEIDA: Wie ist die Realisierung mittels Crowdfunding einzuschätzen?

Unser Team hat vorher sehr viel recherchiert, wir wissen also schon ziemlich genau, was wir tun und wussten, dass der Bereich Bildung bei Startnext die schwächste Kategorie ist. Ein Bereich, der sehr stark beworben werden muss, weil er nicht unbedingt gut läuft. Das andere Problem ist, dass bei einer Crowdfunding-Aktion noch viele Unkosten dazu kommen, also von den eigentlichen 27.600 Euro (Fundingziel) brauchen wir nur 22.000 Euro. Unser Team ist viel über Facebook und die Presse aktiv, sodass die PLATTFORM bekannt wird. Die Leute müssen davon wissen, hören und lesen, dann ist es realistisch. Wenn wir die 13.800 Euro, die Fundingschwelle, einfahren und unser Fundingziel erreichen, können wir drei Leute halbtags einstellen. Zum einen zwei Flüchtlinge und zum anderen eine qualifizierte Arbeitskraft, die sich um die Fördermittel und die Organisation kümmern. Mit dem Fundingziel erreichen wir die komplette Machbarkeit des Projekts. Das Projekt ist auf einem guten Weg, zumindest auf dem Weg, dass andere Leute sich das jetzt noch einmal anschauen, sehen, da spenden Leute. Das interessiert, das bewegt. Ich trage jetzt meinen Teil dazu bei und spende auch. Das gibt uns Bestätigung und Hoffnung.

medienMITTWEIDA: Was macht die Plattform aus und warum sollte man diese unterstützen?

Der Verein sitzt in Leipzig und die Stadt hat eine ziemlich stark bewohnte ländliche Region. Michael Oertel hat die Entwicklung, wie Bildung, soziale Zusammenarbeit und Jugendarbeit in und um Leipzig veröden gesehen. So ist die PLATTFORM entstanden, zu sagen, wir möchten gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, dort, wo man sie nicht mehr erreicht. Das schafft man mit einem mobilen Bereich, einen Rummelwagen, mit dem man verschiedene Angebote anbietet.

medienMITTWEIDA: Wie soll das Projekt PLATTFORM nach Beendigung der crossmedialen Kampagne weiter fortbestehen, beziehungsweise weiter finanziert werden?

Gehen wir mal davon aus, dass wir das Ziel von 27.600 Euro erreichen, dann läuft das so, dass von Januar bis März Leute gesucht werden, die die PLATTFORM unterstützen und um die PLATTFORM herum arbeiten. Das ganze Geld ist quasi eine Anschubfinanzierung. Die Person für Organisation und Fördermittel soll auch dafür da sein, um die Leute, die an der PLATTFORM arbeiten, zu leiten. Ansonsten geht das Projekt zwischen März und April los, ein Projekt, was losrollt.

unsere Studenten bei Ihrem Vorhaben unterstützen möchte, kann es weitererzählen sowie sich an der Spendenaktion auf Startnext beteiligen. Auch kleine Beiträge helfen dabei, das Projekt zu realisieren.

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Text & Interview: Fabian Opitz. Beitragsbild: Nadine Dietrich.