Marvel

Der Erfolg des fiktiven Universums

von | 22. Mai 2018

Der neueste Film aus dem Marvel-Universum ziert den Flyer des UFA Kristallpalastes Dresden. Foto: Kristin Weber

„Marvel“ ist wahrscheinlich jedem Fan von Superhelden-Comics ein Begriff. Aber nicht nur durch die Zeichnungen von hitzigen Kämpfen gegen das Böse sind die Geschichten so erfolgreich geworden. Es sind vor allem die Verfilmungen, die das Interesse der Kinobesucher wecken und den Zuschauern ermöglichen, vollends in diese Welt einzutauchen.

26.04.2018 – an diesem Tag durften sich die Fans auf den dritten Avengers-Teil freuen: “Avengers: Infinity War“ kam in die deutschen Kinos. Der dritte Teil der Reihe soll nach Spiegel Online Schätzungen zu Folge um die 400 Millionen Dollar gekostet haben. Statista veröffentlichte eine Statistik über die erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Laut dem Portal vertritt Marvel allein 1/3 der Kinofilme, die sich unter den Top 15 befinden.

Was ist das Geheimnis um den Erfolg dieser fiktiven Helden?

Zum einen ist es die inhaltliche Verknüpfung der einzelnen Superhelden untereinander. In Filmen wie „Iron Man“ oder „Der unglaubliche Hulk“ werden die Geschichten der einzelnen Charaktere erläutert. In der Avengers-Reihe wiederum, treffen alle Superhelden aufeinander. Geschichten von einem unsicheren Teenager, der später mit Leichtigkeit an Häuserwänden hinaufkrabbeln kann und die einer Prinzessin, die als klügste Person des Marvel Cinematic Universe (MCU) gilt werden zu einer zusammengeführt.

Zum anderen sind es die kreativen Köpfe, die hinter dieser Ideengewalt stecken. Vor allem Comic-Autor Stan Lee ist die treibende Kraft beim Aufbau des Marvel-Kosmos. Bis heute hat er um die 600 Helden geschaffen, die dem Universum immer wieder neues Leben einhauchen. In einem Interview mit Der Welt im Jahr 2016 sagte Lee über seine bisherigen Superhelden: „Und ich hoffe, es werden noch weitere folgen! Superhelden sind wie Märchen mit Hexen und Drachen, deshalb lieben die Menschen sie. Als ich aufwuchs, las ich keine Märchen mehr, aber die Leidenschaft für solche Geschichten blieb.“

Weitere kreative Impulse geben Anthony und Joe Russo. Sie sind die Regisseure mehrerer Marvel-Filme sowie des aktuellen Avengers-Teils. In einem Interview mit Entertainment Weekly sprachen sie über die Produktion dieses Films und was er ihnen bedeutet. Joe Russo dazu: „Wir sind Comic-Buch Fans. Ich habe immer noch meine Comic-Sammlung, die ich seit 30 Jahren in meinem Schrank hatte. Wir wuchsen emotional gebunden an dieses Material auf. Wir lieben diese Charaktere“. Im weiteren Verlauf ging J. Russo noch auf die Einzigartigkeit dieses Films ein: „Ein Film wie dieser könnte außerhalb des Marvel-Universums nicht existieren, weil, wenn man all die Hintergrundgeschichten und Entwicklungen der einzelnen Charaktere in diesem Film erzählen muss, dann würde es ein 14-Stunden Film werden.“

Anthony Russo äußerte sich in einem Interview mit der New York Times so über den Prozess: „Du bist ein wirklich guter Marathonläufer und du weißt, wie man dafür trainiert. Ganz plötzlich läufst du einen Doppel-Marathon. Du kannst es nicht wirklich verstehen, bis du es tust.“

Neuer Film mit kulturellem Inhalt: „Black Panther“

Neben „Avengers: Infinity War“ gibt es noch einen weitere aktuelle Film-Veröffentlichung aus dem Marvel-Imperium zu begutachten: „Black Panther“. Filmkritiker Knut Elstermann vom Mitteldeutschen Rundfunk bildete sich eine Meinung zu dem von Kevin Feige produzierten Film. Diese fällt anfangs nicht so gut aus, endet jedoch mit aussagekräftigen Argumenten, wieso man sich diesen Film ansehen sollte: „Doch die dramaturgischen Schwächen verblassen hinter den sehr glaubhaften, differenzierten Figuren (vor allem die Frauen sind sehr stark), der farbenfrohen, hinreißenden Ausstattung und angesichts des sehr ernsthaften Nachdenkens darüber, was heute schwarze Identität sozial und kulturell bedeutet.“ Ein weiterer Marvel- Teil, der zu überzeugen scheint.

Fortsetzungen und ihr (Nicht-)Erfolg

Marvel schafft es somit nicht nur mit Fortsetzungen einen Erfolg zu erzielen, sondern auch mit neuen Filmprojekten, in denen die einzelnen Geschichten der Superhelden eine Rolle spielen. Es gibt allerdings auch Fortsetzungen aus anderen Produktionen Hollywoods, die mit jedem weiteren Film an guten Inhalten nachzulassen scheinen. Die Filmreihe von „The Fast and the Furious“ besteht nun schon seit 2001. Der achte Teil kam letztes Jahr in die Kinos und ein Ende scheint nicht in Sicht. Hanns-Georg Rodek, Filmredakteur der Welt, spricht sich in seiner Kritik über den zuletzt erschienen Teil so aus: „Man hat das Gefühl, dass die Möglichkeiten beschleunigender, von Rampen springender, sich überschlagender Autos ziemlich ausgeschöpft sind. Zum einen nähert sich „Acht“ schon der Selbstparodie, wie wenn Toretto das Rennen auf Kuba im Rückwärtsgang (!) gewinnt. Zum anderen dehnt „Acht“ in noch nie da gewesener Weise sein Betätigungsfeld aus, auf Flugzeuge, Panzer und U-Boote, die alle mit den Boliden in Wettbewerb treten.“

Auch wenn sich „Fast & Furious 8“ unter den Top 15 der erfolgreichsten Filme befindet, glänzt diese Fortsetzung mit Reizüberflutung anstatt mit inhaltlichem Neugewinn. Das Prinzip von Fortsetzungen kann einerseits ein Erfolg sein, andererseits auch das Gefühl vermitteln, sich in einem nie endenden Karussell aus sich immer wiederholenden Bildern zu befinden.

Fazit

Marvel hat ein Universum aus Comics, Filmen und Serien geschaffen: Charaktere, die aus Superhelden bestehen und doch mit persönlichen Problemen aufwarten. Sie besitzen eine Menschlichkeit, für die sich Stan Lee einsetzte und die Comic-Liebhaber wie Anthony und Joe Russo auf die Leinwand bringen dürfen. Handlungsstränge, die so ineinander verwoben sind, dass sie jeder einzelne Marvel-Fan verstehen möchte. Sowie eine Vielfältigkeit an Superhelden, die so nirgendwo anders zu begutachten ist. Denn nicht nur ein Superheld ist für den Erfolg des Marvel-Universums verantwortlich. Es sind ca. 600 verschiedene Geschichten deren weiteren Verlauf man unbedingt verfolgen will.

Text und Titelbild: Kristin Weber, Video: Marvel Deutschland