Zunehmend stehen Multi-Channel Networks, kurz MCN’s, in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen nur noch auf Gewinn aus zu sein, ohne Rücksicht auf Verluste. Doch inwieweit ist diese Kritik gerechtfertigt?

Nachdem das Multi-Channel Network „Mediakraft Networks“ „von interner und externer Seite in die Kritik geraten“ war, habe man jetzt mit dem Rücktritt Christoph Krachtens, des nun ehemaligen Geschäftsführers, einen „Erneuerungsprozess“ gestartet. Die Aufgabe von Netzwerken ist es, YouTuber zu unterstützen, sei es hinsichtlich der Promotion oder rechtlicher Angelegenheiten. Von einer Kooperation sollen beide Seiten profitieren, doch zunehmend stehen die Netzwerke in der Kritik. Medienwirksamstes Beispiel war Simon „Unge“ Wiefels mit seinem Video Ende letzten Jahres, in dem er das Ende seiner beiden YouTube-Kanäle bekannt gab.

http://youtu.be/z_SdbC1aThU

In diesem Video übt der YouTuber Kritik an der Unterstützung durch sein Netzwerk Mediakraft. Des Weiteren kritisiert er sowohl die Löschung einiger Videos von seinen Kanälen als auch die Tatsache, dass ihm von Mediakraft-Mitarbeitern gedroht worden wäre.  Auch der Berliner YouTuber „LeFloid“ hatte bereits im letzten Jahr Kritik an dem MCN geäußert und im Interview mit „Vice“ angemerkt, dass der Netzwerk-Gedanke immer mehr verloren ginge. Der Berliner hatte damals ebenfalls seine Trennung von Mediakraft bekannt gegeben. Bertram Gugel, Kommunikations- und Medienwissenschaftler, sieht die Kritik an Multi-Channel Networks nicht unbedingt gerechtfertigt.

Bertram Gugel

„Es gibt sicherlich einige Sachen, die sehr intransparent laufen, wo die Netzwerke auch besser kommunizieren müssten, aber auf der anderen Seite ist es nicht so, dass sie keinen Wert stiften.“

Laut dem Medienexperten müsse „das Ganze“ differenziert betrachtet werden. Es müsse überlegt werden, wo die Netzwerke ihren Künstlern helfen und wo sie überflüssig seien. Die Abwendung einiger YouTuber von MCN‘s hält Gugel für eine Phase, langfristig würden sie bei einem anderen Netzwerk “unterkommen“ oder ihr eigenes Netzwerk gründen. Bei Letzterem kann der Zusammenhang zu dem Schweden Felix Kjellberg, besser bekannt als „PewDiePie„, gezogen werden. Dieser hatte bekannt gegeben, sein eigenes Netzwerk gründen zu wollen, auch, um anderen YouTubern zu helfen, da bisher alle Netzwerke so schlecht gehandhabt worden wären. Diese ganzen Entwicklungen seien aber laut Bertram Gugel nichts Neues.

„Das gibt jetzt natürlich so einiges an Bewegung am Markt, aber das wird sich dann auch mit der Zeit wieder geben.“

Als Alternative zu Multi-Channel Networks sieht der Medienexperte, dass die YouTuber nicht nur einen Anbieter, nicht ein Netzwerk hätten, sondern viele verschiedene Ansprechpartner, die die Leistungen eines Netzwerkes gegen ein Entgelt erledigen würden. Der Verein „301+“ will andere Alternativen entwickeln. „Sie wollen zeigen, dass es auch einen anderen Weg geben kann, in dieser YouTube-Welt, einen eigenständigen.“, wie Stefan Niggemeier auf „Krautreporter“ schrieb. 301+ ist ein Verein bestehend aus 15 YouTubern, der netzwerkübergreifende, unabhängige Projekte realisieren möchte und bei dem sich die YouTuber gegenseitig unterstützen. Hierbei wollen sie jedoch keine Konkurrenz für die MCN’s sein. Vereinsmitglied Robin, alias „RobBubble„, sagte im Interview mit Krautreporter:

„Die Leute sehen uns und sehen, dass es auch anders gehen kann. Wir wollen den Markt ein bisschen aufrütteln, dann kann jeder selbst entscheiden. Ich bin auch ein großer Fan von dem, was Netzwerke leisten können. Nur haben sie momentan eine gewisse Monopolstellung. In Zukunft gehen Leute vielleicht nur dahin, wenn es wirklich für sie einen Mehrwert hat.“

Aber auch in der Zukunft seien Multi-Channel Networks laut Bertram Gugel nicht wegzudenken, wobei jedoch geklärt werden müsse, was für eine Art Geschäft die Netzwerke seien und wie viel dies wert sei. Hierbei ergäben sich Fragen über Wachstum und Herangehensweise der Netzwerke und ob es so sei, dass die Art und Weise der Funktion der MCN‘s ein valides Geschäftsmodell sei.

Text: Lisa Mundt. Beitragsbild: ⒸStartupStockPhotos unter CC0 1.0 universell, Bearbeitung: Louisa Bandura. Bild Bertram Gugel: Annette Koroll.