Augmented Reality ist Teil des diesjährigen „Cynetart“-Festivals in Dresden. Teile der Neustadt bekommen dafür eine digitale Hülle, sichtbar nur mit Smartphone und Tablet-PC.

Die „Cynetart“ präsentiert auch in diesem Jahr wieder computergestützte künstlerische Projekte. Seit 1997 organisiert die Trans-Media-Akademie Hellerau das internationale Festival in Dresden. Auf der „Cynetart“ werden Werke gezeigt, die sich durch die Verknüpfung von Kunst, Wissenschaft und Medientechnologie hervorheben.

Vom 15. bis 21. November 2012 werden viele verschiedene Projekte präsentiert, unter anderem „Mohn“ von Wolfgang Voigt und Joerg Burger. Die Veranstalter versprechen ein komplett entschleunigtes Live Programm, eine Art “Zeitlupentechno“, der unterschiedliche Ambientspielarten zu einer Neuen verbindet. Zu dem Konzert wird es noch eine Visualisierung der Musik auf einer Leinwand geben.

Neustadt in virtueller Hülle

Zum diesjährigen Festival wird es eine „Augumented Reality“-Route durch die Dresdner Neustadt führen. Die Veranstalter versprechen ein multisensuelles Erlebnis: Der Spaziergang durch die Dresdner Straßen soll so mit Hilfe von Smartphones und Tablet-PCs zu einer Entdeckungstour werden.

Um die virtuelle Schicht aus künstlerischen Projekten sehen zu können, muss der Nutzer zuerst die „Layar-App“ herunterladen. Diese gibt es kostenlos für „Android“ und „iOS“-Betriebssysteme. „Mit dem Scannen des Programmflyers mittels Smartphone-Kamera findet man dann die ebenfalls kostenlose ‚Cynetart‘-Ebene“, erklärt Joanna Szlauderbach vom „Cynetart“-Festival. Eine Karte führt zu ausgewählten Plätzen in Dresden. „Dort ist dann eine entsprechende ‚Augmented Reality‘-Ebene erreichbar. Auf dem Smartphone können sich dann die digitalen Ebenen und Animationen angeschaut werden“, so die Projektassistentin.

Von der Daten-Skulptur bis zur Guerilla Drone

Auch das Künstlerkollektiv „Klangfiguren“ wird im November mit einer Installation vertreten sein. Ihre virtuelle Skulptur „cluttAR 1.0“ wächst aus der W-LAN Umgebung und umliegendem Datenmüll. Ein speziell entwickeltes Programm macht dafür den Datenverkehr sichtbar und visualisiert die funktionslosen Datenpakete als Quader, die die Skulptur wachsen lassen. Laut dem Duo kann der Besucher der Skulptur dann mit einer Webcam und einem „Augmented Reality-Marker“ im realen Raum bei der Wandlung zusehen.

Eine andere Kombination von Kunst und Technologie ist von dem ehemaligen „Digital Art“-Studenten Lot Amorós. Sein 2012 vorgestelltes Projekt trägt den Namen „Guerilla Drone“. „In der Arbeit wird Militärtechnik für künstlerische, subversive Eingriffe im öffentlichen Raum benutzt”, weiß Szlauderbach. Die Drone hat sowohl eine Kamera als auch einen Projektor. Beim Fliegen reagiert sie auf Einflüsse ihrer Umwelt und projiziert entsprechende Bilder auf Wände umliegender Gebäude. „Der Künstler wird einen Workshop anbieten und im Anschluß daran seine ‚Guerilla Drone‘ auf die Dresdner Neustadt loslassen“, kündigt Szlauderbach an.

Förderpreis  und Stipendium zu gewinnen

Die ausgestellten Werke sind Preisträgerarbeiten sowie ausgewählte Wettbewerbsbeiträge. Letztere stammen von Künstlern, die sich insbesondere spartenübergreifenden Formen und interdisziplinären Ansätzen widmen. Zu gewinnen gibt es unter anderem den Förderpreis der Kunstministerin des Freistaates Sachsen in Höhe von 10.000 Euro und das sechsmonatige „Artist-in-Residence“-Stipendium. Um an dem Auswahlverfahren teilzunehmen, müssen die Teilnehmer ein noch nicht realisiertes Projekt und bereits abgeschlossene Arbeiten einreichen.

Text: Christian Kandels, Fotos: Klangfiguren, Trans-Media-Akademie, Bearbeitung: Natalie Gersch