Im April 2012 kaufte die Facebook Inc. die Foto- und Video-Sharing-App Instagram, im Februar 2014 folgte der Messenger-Dienst WhatsApp, dann Oculus VR und kurz darauf die Fitness-App Move. medienMITTWEIDA sprach mit Martin Fuchs über eine mögliche Monopolstellung Facebooks in Deutschland.

Martin Fuchs, Politik- und Digitalberater für Unternehmen wie unter anderem Facebook Deutschland, erklärt im Interview mit medienMITTWEIDA seine Sicht, ob Facebook hierzulande bereits eine Monopolstellung innehat oder ob die Konkurrenz doch groß genug ist.

medienMITTWEIDA: Das Angebot der Facebook Inc. wird durch Zukäufe immer breiter und ist somit in vielen Bereichen vertreten (Vernetzung, Kommunikation, Games, Foto-/Video-Sharing bis hin zur Fitness-App). Was bezweckt das Unternehmen mit dieser Strategie?

Martin Fuchs

Martin_Fuchs„Facebook möchte zum wichtigen und zentralen Anlaufpunkt für das tägliche Leben werden. So wie auch Google hat man verstanden, dass sich Digitalisierung und Vernetzung nicht nur auf die Kommunikation beschränken. Das Ziel ist, die Mitglieder möglichst lange und umfassend mit eigenen Angeboten zu unterhalten beziehungsweise ihnen mit den eigenen Produkten einen Nutzen zu stiften, um somit möglichst einen großen Einblick in das Leben der Nutzer zu erhalten. Dies wiederum ist entscheidend um die Nutzer zu verstehen und Werbung (die Erlösquelle von Facebook) zielgerichteter für die Mitglieder schalten zu können.“

medienMITTWEIDA: Wer in Deutschland ist Ihrer Meinung nach der größte Konkurrent von Facebook und warum?

Martin Fuchs

„Das ist schwer zu sagen. Es gibt in Deutschland unzählige soziale Netzwerke bzw. auf Social Media basierende Apps, mit spitzer und auch breiter gefasster Zielgruppe. All diese sind im Grunde Konkurrenten für (Teil-)Bereiche von Facebook-Funktionen. Vergleicht man aber nur die reine Nutzerzahl, hat Facebook aktuell keine wirkliche Konkurrenz, da sich die größten Netzeffekte immer beim Anbieter mit den meisten Nutzern erzeugen lassen. Ob das in Zukunft so bleibt? Keine Ahnung. Aber für die nächsten Jahre wird Facebook vorerst im Bereich Vernetzung und Informationsaustausch „unter Freunden“ unangefochten bleiben.“

medienMITTWEIDA: Im September 2014 verkündete Facebook, dass sie mittlerweile eine Milliarde Videoaufrufe pro Tag haben, vermutlich auch durch die Autoplay-Funktion. Wollte sich Facebook mit der Videofunktion nur in den Markt „drängen“ oder war das eine klare Offensive gegen die Videoplattform YouTube von Google?

Martin Fuchs

„Ich denke schon, dass die starke Forcierung der Videofunktion eine direkte Antwort auf den Boom und Erfolg von YouTube sind. Facebook kann nicht nur zusehen, wie man ein Konkurrenzprodukt auf der eigenen Plattform erfolgreich macht. Da musste man reagieren, insbesondere vor dem Hintergrund dass das Potenzial von Bewegtbild weltweit noch lange nicht ausgeschöpft ist. Ein riesen (Werbe-)Markt an dem auch Facebook seine Anteile sichern möchte.“

medienMITTWEIDA: Laut eines Artikels der FAZ, sieht das Bundeskartellamt keinen Handlungsbedarf gegen Facebook. Unter anderem da die Infrastruktur vorhanden sei und theoretisch jeder in den Markt einsteigen könne. Wie ist Ihre Meinung zur Monopolstellung Facebooks in Deutschland?

Martin Fuchs

„Ich sehe das ähnlich gelassen wie das Bundeskartellamt. Vor zehn Jahren konnte sich niemand vorstellen, dass es StudiVZ einmal nicht mehr geben würde, die waren damals auch quasi Monopolist. Auch IBM und Microsoft waren dies auf Ihren Märkten und sind es schon lange nicht mehr. Weltweit betrachtet gibt es insbesondere auf den BRIC-Märkten zudem starke Konkurrenz, die fast genauso viele Nutzer hat wie Facebook – ein Blick nach China relativiert da einiges.“

medienMITTWEIDA: Gibt es eine Art Wettbewerbsvorteil für Facebook gegenüber deutschen Betreibern von sozialen Netzwerken, da letztere sich an strengere Regeln halten müssen?

Martin Fuchs

„Auf der einen Seite ja, auf der anderen Seite nicht. Gerade in den Nischen gibt es auch in Deutschland spannende Anbieter, die sich geschickt gegen Facebook positioniert haben, ich nenne als Beispiel nur seniorbook.de. Und in Zeiten von Snowden und NSA-Skandal kann es wiederum ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn ein Netzwerk stark auf den Datenschutz seiner Nutzer achtet. Und Netzwerke wie XING sind hochprofitabel, auch trotz der scharfen deutschen Gesetzgebung.“

medienMITTWEIDA: Sind Sie der Meinung die Politik sollte Facebook stärker reglementieren?

Martin Fuchs

„Nein. Facebook wird ja bereits europäisch reguliert. Und Facebook ist schlau genug, um zu merken, wenn sich zum Beispiel die Nutzer vom Netzwerk abwenden, da sie mit den Datenschutzregelungen nicht zufrieden sind. Das hat man auch dort begriffen, dass einzelne Märkte anders funktionieren als die USA und dass man auf kulturelle Eigenheiten stärker eingehen muss. Da findet eine Art Selbstregulierung statt. Zudem: Niemand wird gezwungen Facebook zu nutzen. Was wir in Deutschland allerdings diskutieren sollten: Wie ändert sich die Gesellschaft und die Politik, wenn private Anbieter die Plattformen zum Beispiel für politische Willensbildung und Diskurs zur Verfügung stellen und was macht das aus unserer Demokratie? Diese Diskussion vermisse ich bisher in Deutschland.“

Text: Felix Nast. Beitragsbild: Ⓒ geralt unter CC0 1.0 Universell. Bearbeitung: Christine Wolf, Louisa Bandura. Bild: Martin Fuchs.