„Facebook“ macht unsozial

Die realen Umgangsformen können durch „Facebook“ leiden

Die realen Umgangsformen können durch „Facebook“ leiden.

Die übermäßige Nutzung virtueller Netzwerke kann zur Verarmung sozialer Kompetenzen und einer verschobenen Realitätswahrnehmung führen. Gefährdet sind vor allem Jugendliche.

Die Profilbilder der meisten „Facebook“- Nutzer sollen dem Betrachter ein permanent glückliches und zufriedenes Leben suggerieren. Das ist das Ergebnis einer US-Studie.

Die Kehrseiten der virtuellen Welt werden laut Psychologe Dr. Lars Satow dabei oft vernachlässigt: „Gerade bei jungen Menschen kann es passieren, dass sie das echte soziale Leben vernachlässigen. Im Internet haben sie tausend Freunde, in Wirklichkeit sind sie aber allein.“

Virtuelle Community macht süchtig

Dr. Satow, Diplom-Psychologe und Social-Media-Experte, betreibt eine kostenfreie Beratungsstelle im Netz, die sich auch mit den Auswirkungen sozialer Netzwerke auseinandersetzt. „Einige Nutzer verbringen so viel Zeit auf ‚Facebook‘, dass sie Probleme in anderen Bereichen des Lebens bekommen, zum Beispiel in der Schule oder am Arbeitsplatz“, erklärt Satow. Dabei gibt es nicht nur im realen Leben Anlaufstellen, auch im Internet gibt es Hilfsangebote. Auf „Psychomeda.de“ können sich Betroffene zum Beispiel kostenlos und anonym psychologisch beraten lassen.

„Facebook“ verursacht soziale Inkompetenz

Psychologie-Studentin Julia T. befürchtet durch „Facebook“ eine Verarmung der Kommunikationsfähigkeit der Jugend. Sie hat mit ihren Kommilitonen der TU Darmstadt innerhalb eines Forschungsprojekts „Facebook“-Profile analysiert. Die Studenten wollten herausfinden, ob sich die Persönlichkeit in den Online-Profilen widerspiegelt. Vor allem das Sozialverhalten jüngerer User sei gefährdet, denn in der virtuellen Welt finde kein „Face-to-Face-Kontakt“ statt. „Dadurch werden wichtige soziale Verhaltensmuster im Gespräch und der Interaktion eventuell nicht erlernt und soziale Fähigkeiten schwächer ausgeprägt“, mahnt die Studentin.

Das Experiment der Studenten lieferte zwar keine signifikanten Ergebnisse, dennoch seien Tendenzen zu erkennen. „Wenn einer jedes Wochenende neue Partybilder von sich ins Netz stellt, geht er sicherlich gern feiern, aber eine Widerspiegelung der eigenen Persönlichkeit ist das noch lange nicht. Ein Einblick in die Seele des Users ist kaum möglich“, so die 25-Jährige.

Heranwachsende „Facebook“-Nutzer agieren laut Psychologe Dr. Satow häufig unvorsichtig mit ihren Daten: „Gerade junge Menschen machen sich oft keine Gedanken darüber. Sie geben private Informationen über sich preis, die sich später vielleicht einmal negativ auf ihr Leben auswirken können.“

Online-Profile zur Selbstinszenierung

„’Facebook‘ ist auch eine Plattform für Selbstdarsteller. Die meisten Menschen versuchen in sozialen Netzwerken einen guten Eindruck zu hinterlassen und stellen sich als aktiv, gut gelaunt, interessant und gebildet dar“, erklärt Dr. Satow. „Für jemanden, der das nicht durchschaut, kann der Eindruck entstehen, dass er der letzte normale Mensch auf der Welt sei.“ Viele Nutzer würden ganz genau überlegen, wie sie sich im Internet inszenieren, weiß der Psychologe: „Profile werden von den Nutzern meistens bewusst gestaltet. Sie sagen daher vor allem etwas darüber aus, wer man gerne sein möchte.“

Text: Anja Wangert, Bild: Quelle: sxc.hu, Wikipedia, Fotograf: ljleavell, Bearbeitung: Nathalie Gersch

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