Töpfe klappern, Stimmen wuseln durcheinander. Es riecht nach angebratenem Fleisch. Ungefähr so kann man sich die Kulisse des ersten „FoodBloggerCamp“ in Reutlingen vorstellen. Das „Barcamp“ für alle mit Leidenschaft zur guten Küche: Anfang März trafen sich knapp 70 „FoodbloggerInnen“ in Baden-Württemberg, um sich über ihr liebstes Hobby – das Schreiben über Essen – auszutauschen. Was sich genau hinter diesem jungen Veranstaltungsformat verbirgt, erfahrt Ihr im Folgenden.

Wer hier eine klassische Konferenz vermutet, liegt falsch. Das „FoodBloggerCamp“ fand in Form eines „Barcamps“ statt. „Bei dieser jungen Eventform, die sich als Alternative zur klassischen Konferenz versteht, gibt es nur Teilnehmer aber keine vorab festgelegten Redner“, erklärt Jan Theofel, der das „Barcamp“ gemeinsam mit mir organisierte und schon ein alter Hase in dieser Branche ist. Jan beschreibt den Vorteil eines Barcamps gegenüber einer klassischen Konferenz so: „Besucher klassischer Kongresse sagen oft, dass das fruchtbarste der Austausch mit den anderen Teilnehmern in der Kaffeepause ist. Beim ‚Barcamp‘ wird die Kaffepause zum Veranstaltungsformat erhoben: Die Teilnehmer tauschen sich untereinander aus. Hier erfährt man Tipps aus der Praxis für die Praxis; Dinge, die im Alltag funktionieren und auch die eine oder andere Geschichte, die nie jemand auf einer Bühne erklären würde.“

Sechs Grundsätze für ein erfolgreiches „Barcamp“ von Jan Theofel
Die Session-Planung

Die Teilnehmer wissen bei der Anmeldung zu einem Barcamp noch nicht konkret, was sie erwartet. Die Organisatoren legen vorher nur einen thematischen Rahmen fest – hier eben das Bloggen über Essen und Genuss. Jeder „Barcamp“-Tag beginnt dann mit der sogenannten Session-Planung, bei der sich jeder Teilnehmer einbringen darf und sogar soll, denn jeder ist Experte auf einem Gebiet. Grundsätzlich gibt es drei Ansätze für eine Session: Eine Fragestellung, die ein Teilnehmer gern beantwortet haben möchte, eine Diskussionsrunde oder ein klassischer Vortrag. Je nach Interesse der anderen Teilnehmer an einer „Session“ werden diese dann auf einer Pinnwand zu einem Zeitplan angeordnet: „Sehr chaotisch wirkt es am Anfang – aber am Ende ist man überzeugt, dass sich hier ein riesen Potential an Wissen bietet,“ schreibt Teilnehmerin Britta Gädtke nach dem „FoodBloggerCamp“ auf ihrem Blog „Glasgeflüster“.

Kochexperten für jedes Rezept

So referierte Carina Tenzer auf dem „FoodBloggerCamp“ über die richtige Anwendung von Suchmaschinenoptimierung beim Bloggen, Julia Herrmann und Ylva Brinker-Schulz zeigten den Interessierten in ihrer „Session“ „Foodfotografie supergeil“, wie man seine Rezepte schön bebildert. Anders als es der ein oder andere „Barcamp“-Besucher gewohnt ist, ging es in Reutlingen aber auch sehr praktisch zu: Marina Eger und Ulrike Westphal stellten mithilfe der Teilnehmer einen Sauerteig her und backten nebenbei noch ein paar Brötchen für die „Burger-Session“ von Steffen Jost und Werner Steckmann, die uns Teilnehmern zeigten, wie man den perfekten Burger zubereitet. „Bei den meisten anderen ‚Barcamps‘ gibt es auch praktische ‚Sessions‘ – aber die finden am Computer statt. Hier wurde zusammen fast 600 Kilo Lebensmittel verarbeitet,“ fasst Organisator Jan Theofel den praktischen Teil des „FoodBloggerCamps“ zusammen.

Mehr Praxis = logistische Herausforderung?

Gerade der hohe Praxisanteil stellte sich als Herausforderung für uns Organisatoren dar. So mussten wir uns mit unserem kleinen PKW einen Weg zwischen Kühllastern bahnen, um Waren aus einem Lagerhaus zu holen, Paletten und riesige Kartons voller Sponsorenmaterial im Auto stapeln, das ein oder andere Mal 3D-Tetris spielen und kauften den Großmarkt in Reutlingen fast leer. Dies alles in der Location unterzubringen und am Ende den Überblick zu behalten war eine logistische Herausforderung, die wir uns vorher als gar nicht so kompliziert vorgestellt haben.

Mit vollen Tüten nach Hause

Am Ende eines langen und auch ziemlich anstrengenden Wochenendes konnte sich jeder Teilnehmer noch eine große Tüte voller Lebensmittel einpacken. Zwar wurde fast immer irgendwo gekocht, gebacken oder eingeweckt, aber auch 70 „Foodblogger“ haben 600 Kilo Lebensmittel nicht bezwingen können.

Text: Melanie Fankhänel. Bilder: Oliver Wagner & Sirid Ellermeyer.

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