Das größte E-Sport Festival, die DreamHack, fand dieses Jahr zum ersten Mal in Deutschland statt. Dabei hat sich Gaming noch nicht ganz in den Alltag etablieren können und ist für viele eine Randerscheinung. Aber stimmt das überhaupt? Jana, Jonas und Nicole von COUCH OF GAMES waren für euch auf der Dreamhack unterwegs und sind dieser Frage nachgegangen.

DreamHack- Was soll das sein?

„Wo fährst du hin? Was ist das?“ fragte mich eine Kommilitonin erstaunt, als ich ihr von unserem Vorhaben, die DreamHack zu besuchen, berichtete. Ich war überrascht, dass sie es nicht wusste. „Das ist das größte E-Sport Festival der Welt, kommt aus Schweden und ist erstmals in Deutschland. Dort gibt es eine riesige LAN-Party und verschiedene Wettkämpfe in Fifa, Counter Strike: Global Offensive, Hearthstone. “ So ganz scheint sich Gaming anscheinend noch nicht etabliert zu haben, wie ich bisher immer dachte. Aber wie soll es denn auch in den Alltag kommen? Vielleicht finde ich eine Antwort auf der DreamHack.

Die Vorfreude am Samstag war riesig, als wir neben circa 12.000 weiteren Besuchern die Messehalle in Leipzig betraten. Für jeden, der gerne seine Freizeit an einer Konsole oder einem Rechner verbringt, ist die größte LAN-Party Deutschlands auf jeden Fall einen Blick wert. Es hatten sich große Teams aus aller Welt angemeldet, um die im sechsstelligen Bereich liegenden Preisgelder in Spielen wie Counter Strike: Globale Offensive, League of Legends, StarCraft und Hearthstone zu gewinnen.

Durch den hell erleuchteten Gang ging es in die erste dunklere Halle, wo fast nur die Bildschirme der Rechner und die Leuchtreklamen der Stände Licht hergaben. Links neben der Tür entdeckten wir unser erstes Highlight: Die angepriesenen Streamer, wie PietSmiet, HandOfBlood, FishC0p und viele weitere saßen nebeneinander an ihren Monitoren und wurden von ihren Fans belagert. Bei einem kurzen Blickkontakt wurden T-Shirts, Zettel und Mützen über die Absperrung gereicht, mit einem Autogramm versehen und mit strahlendem Lächeln wieder entgegen genommen.

Auf dem Weg zur Mainstage und der danebenliegenden LAN-Area kamen uns unzählige Cosplayer entgegen, wie Link, Ari, Vi, um nur einige zu nennen. Hier fiel mir das erste Mal auf, dass Gaming es auf diesem Weg zumindest ins „Real Life“ geschafft hatte. Die Charaktere waren plötzlich nicht nur im Rechner, sondern standen lebendig vor mir. Auch wenn ich nicht alle erkannte, merkte ich die Mühe, die sie in ihre Kostüme gesteckt hatten und die Begeisterung, mit der sie diese Verkleidung vorführten.

Danach betraten wir die LAN-Area, ein weiterer spärlich beleuchteter Raum mit tausenden von Monitorlichtern. Für diese Halle musste man sich vorher ein Bändchen kaufen, sonst gab es keinen Einlass. Trotzdem waren die Plätze komplett belegt. Unweit der Tischreihen standen Matratzen, Zelte und Taschen, die teilweise belegt waren. Wahrscheinlich dieser Tatsache verdankend, war es total ruhig im Raum, kaum jemand hatte seinem Frust oder seiner Freude zu laut Ausdruck verliehen. Selbst unser Moderator passte seine Lautstärke sofort an. Für eine LAN sehr ungewöhnlich, denn zumindest bei unseren Keller-LAN-Partys früher ging es hoch her. Aber so richtig Gaming im Alltag war das nicht.

Wir verließen den Raum wieder und landeten beim nächsten Highlight: Der Mainstage. Auf dieser wurden laufend Turniere ausgetragen und laut kommentiert, ähnlich wie bei einem Fußballspiel. Einen Platz auf der Bühne fanden wir nicht mehr, denn diese war dauerhaft belegt. Das hinderte uns allerdings nicht, bei den laufenden Counter Strike-Matches im Stehen mitzufiebern. Auch wenn wir zu Beginn nicht wussten, wer spielte, war es vor allem die Stimmung, die uns zum Bleiben brachte, denn diese hatte etwas von einem Bundesligaspiel, wenn der Gegner in den eigenen Sechzehner kommt und die Fans kurz die Luft anhalten. Besonders CS: GO begeisterte die Massen und findet seit einiger Zeit mehr Akzeptanz. Es ist nicht mehr nur mit dem „Killerspiel-Stempel“ gebrandmarkt. Ich denke und hoffe, dass sich E-Sport ebenso wie regulärer Sport etabliert. Denn begeistern kann definitiv beides!

Auf dem weiteren Weg durch die Messehalle gab es verschiedene Stände zu entdecken, an denen die Besucher selber zocken und designen konnten, wie Rocket League oder Counter Strike: Global Offensive. Sogar Poker wurde angeboten. Als einzig neues Spiel wurde Battleborn gezeigt, ein Multiplayer Shooter der Borderlands Macher, das uns nach der Performance auf der Mainstage aber leider nicht fesseln konnte.

Neben dem Battleborn-Stand bildete sich eine lange Schlange, die mit Gamescom-Verhältnissen allerdings nicht zu vergleichen war, um die Oculus Rift zu testen. Und ja, da habe ich gefunden, was Gaming in den Alltag von uns allen bringen könnte. Die Oculus Rift bietet, ebenso wie die Hololens und die Samsung VR, die Möglichkeit, sich in einer Virtual Reality zu bewegen. Das unglaubliche Gefühl, nur die Hand ausstrecken zu müssen, ist bedeutend größer als bei jedem 3D Film: Mit einem 360°-Blick fühlt es sich wie mitten im Spiel an. Zudem muss man mit der Oculus Rift nicht zwangsläufig nur Games konsumieren, aber es lässt uns bewusst werden, dass es Gaming gibt und nicht nur eine Randerscheinung für Nerds ist.

Unser Fazit nach der DreamHack ist eindeutig – Gaming fasziniert und verbindet. Die Möglichkeit, sich in eine virtuelle Realität neben dem Alltag zu flüchten, begeistert viele und gibt ihnen die Möglichkeit, diese Faszination mit anderen zu teilen. Gerade solche E-Sport Festivals sind dafür die beste Gelegenheit. Ich selbst habe meine Antwort schließlich auch gefunden: Gaming ist durch innovative Technik und dem Begeisterungsfaktor auf dem besten Weg, sich in den Alltag zu etablieren und mehr Akzeptanz zu finden.

 

Mehr zur DreamHack erfahrt ihr bei der nächsten Folge COUCH OF GAMES Mitte Februar hier auf medienMITTWEIDA.

Text: Jana Sajetzki. Video & Beitragsbild: Nicole Bader.