Kurz nachdem die ersten Flüchtlinge nach Mittweida kamen, war der Studentenrat als einer der Ersten zur Stelle und hat innerhalb kürzester Zeit eine Spendenaktion gestartet. Doch was fehlt noch und wie kann man sich als Mittweidaer StudentIn engagieren? Wir haben uns mit den beiden Geschäftsführern getroffen.

Ende August kamen die ersten Geflüchteten in Mittweida an. Als Erstaufnahmestelle dient die Hochschulsporthalle, welche Platz für 180 Menschen bietet. Drei Monate sollen die Asylbewerber dort bleiben, dann werden sie auf benachbarte Kommunen verteilt. Neben einigem Unmut in der Mittweidaer Bevölkerung gibt es auch zahlreiche Menschen, die spenden und sich engagieren wollen. Vor Ort ist das DRK Ansprechpartner. Von Seiten der Hochschule kümmert sich der Stundentenrat (kurz StuRa) um die Koordination der Flüchtlingshilfe.

Wir trafen die beiden Geschäftsführer Gordon Guido Oswald (20, 5. Semester Wirtschaftsingenieurwesen) und Julia Regner (23, 3. Semester Allgemeine und Digitale Forensik) zum Interview im StuRa-Büro. Dort stapeln sich die Sachspenden der Mittweidaer.

Wie viel wurde denn bis jetzt gespendet?

Gordon: Wir hatten an dem Samstag, als es bekannt geworden ist, den Spendenaufruf gestartet. Das war auch der Facebookpost, den die meisten Leute bis jetzt gesehen haben. Ab Montag früh konnten wir uns dann nicht mehr retten. Wir wussten nicht, wo wir anfangen sollen. Wir hatten ursprünglich nur das StuRa-Büro (Anm. d. Red: Haus 6, Raum 6-029) zum Spendensammeln. Montagmittag sind wir dann schon auf Haus 1 in einen Raum ausgewichen und haben auch in Haus 11 drei Räume. Es ist wirklich richtig viel.

Wie sieht es mit der Verwendbarkeit der Spenden aus?

Gordon: Wir haben Sachen bekommen, die wir jetzt zurzeit nicht brauchen, aber dadurch, dass die Flüchtlinge in der Halle oft wechseln, haben wir eigentlich gute Hoffnung, dass wir alles brauchen können. Wir haben auch viele Sommersachen bekommen. Aber dadurch, dass es für längere Zeit geplant ist, nehmen wir auch das gern.

An welchen Dingen besteht gegenwärtig noch Bedarf?

Gordon: Was fehlt, sind Herrensachen und Herrenschuhe und vor allem Mädchensachen. Es ist ganz interessant, wir haben deutlich mehr Spenden für Jungen als für Mädchen. Das fehlt. Und halt so Winterjacken, Pullover usw. Besonders, wenn es jetzt 3 bis 4 Grad kälter wird.

Julia: Es geht ja schon bei Socken los. Wir nehmen auch gern Socken für Männer. Klar, viele räumen auch gerade ihre Wohnung aus und wir bekommen auch Töpfe und Geschirr. Das können wir leider nicht verwenden. Essen bekommen die Flüchtlinge geliefert.

Welche Sachspenden werden gebraucht?

 

Herrenkleidung

Herrenschuhe und -socken

Mädchenkleidung und – schuhe

 

und besonders:

 

Warme Kleidung für Damen, Herren und Kinder: Winterjacken, Pullover, Schuhe, Unterwäsche etc.

 

Abzugeben im StuRa-Büro, Haus 6, Raum 6-029

Mittwoch: 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Donnerstag: 09.00 Uhr bis 14.00 Uhr

Freitag: 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Ihr organisiert zurzeit die Spendenaktion und eine zusätzliche Betreuung in der Erstaufnahmestelle. Gibt es noch andere Projekte von euch, die in Planung sind?

Gordon: Es ist immer noch die Überlegung, ob man ein Willkommensfest macht. Wir haben uns aber erst einmal entschieden, dass wir warten, bis unsere Studenten wieder da sind. Wir machen das dann in der ersten oder zweiten Oktoberwoche, wenn die Studierenden wirklich wieder hier sind.

War das der Grund, warum der eigentliche Termin abgesagt wurde?

Gordon: Der Grund, warum es verschoben wurde ist, dass einfach die Absicherung der Polizei nicht ermöglicht werden konnte. Man hatte halt Angst, dass so wenig Studierende in Mittweida sind, dass man da mehr Rechte und mehr Gegner anzieht, als eigentliche Befürworter und das ganze Fest dann kippt.

Welche Möglichkeiten als Student gibt es, euch zu unterstützen?

Julia: Ihr könnt uns einfach eine E-Mail schreiben, dann nehmen wir euch in eine Liste auf und wenn Bedarf besteht, dann rufen wir euch an. Einfach eine Mail schreiben oder bei uns anrufen. Wir brauchen zurzeit mehr Leute, die Hintergrundarbeit machen.

Gordon: Wie die Sachen sortieren. Es ist halt immer noch so, dass wirklich viel nachkommt. Die Leute sortieren, aber es kommt ungefähr genauso viel rein, wie sie in der Zeit sortiert haben.

Bei Fragen: 03727 / 581305 oder fluechtlinge[at]hs-mittweida.de

Wie sieht es mit Unterstützung durch die Stadt aus?

Gordon: Ich glaub, die Stadt hält sich da relativ raus. Ist halt legitim, da die Betreuung durch den Freistaat erfolgt und durch das DRK. Wir arbeiten auch mehr mit dem DRK zusammen. Ich hoffe, dass, sobald die anderen Unterbringungen kommen, sich die Stadt wirklich aktiv einbringt.

Julia: Die Stadt hat zum Beispiel ein Spendenkonto errichtet, damit das Geld auch wirklich in Mittweida bleibt. Weil viele auch wirklich nur für Mittweida spenden wollen und nicht für Sachsen oder andere Städte.

Geldspenden bitte an die Stadt Mittweida

Kennwort: „Flüchtlingshilfe Mittweida“

Sparkasse Mittelsachsen

IBAN: DE55 8705 2000 3310 0083 89

SWIFT-BIC: WELADED1FGX

Spender erhalten eine Spendenbescheinigung von der Stadtverwaltung Mittweida.

Gibt es was, was euch bei der Organisation überrascht hat?

Gordon: Also positiv hat uns ganz klar die reine Masse an Spenden überrascht.

Julia: Auch, dass schon viele Erstis da sind und uns unterstützen, die eigentlich noch gar keinen Bezug zu Mittweida und der Hochschule haben und trotzdem herkommen und helfen.

Was läuft noch nicht perfekt?

Gordon: Wir haben so viel Spenden bekommen, die wir selbstverständlich brauchen. Aber es hat am Anfang so niemand richtig die Raumsituation bedacht. Gerade ist das Dezernat Technik dran, dass man eine Räumlichkeit findet, in der man alles zentral lagern kann. Zurzeit sind die Spenden noch über den halben Campus verteilt. Wir hatten am Anfang auch so kleine Sachen, wie, dass niemand von uns den Hochschulbus fahren durfte und wir erst einmal jemanden organisieren mussten, der uns fährt. Aber es wird von Tag zu Tag ruhiger.

Wie seht ihr allgemein die Stimmung in Mittweida? Merkt man einen Unterschied zwischen Stadt und Hochschule?

Gordon: Ich denke schon, aber wir haben hier beide nur Kontakt mit Leuten, die freiwillig herkommen. Weil alle, die freiwillig zum Spenden kommen, haben natürlich eine relativ positive Meinung darüber. Wenn wir die ganzen Facebook-Seiten da durchlesen, die es da gibt, dann gibt es ganz klar auch die andere Seite. Im Endeffekt ist das auch gar nicht schlimm, wenn die eine andere Seite haben. Es wird halt an dem Punkt schlimm, an dem Gewalt gegen Asylbewerber ausgeübt wird, und es wird schlimm, wenn Leute, die sich dafür einsetzen, angegriffen werden. Aber bei uns haben wir bis jetzt nur Positives erfahren.

Text: Ann-Kathrin Bertenrath. Interview: Johannes Pursche. Fotos: Johannes Pursche.