Marcel Fröbe ist Videojournalist und Absolvent der Fakultät Medien der Hochschule Mittweida. Im April läuft seine zweite 45-minütige Dokumentation Faszination E-Sport auf dem Pay-TV-Sender SPIEGEL TV Wissen“. Mit medienMITTWEIDA spricht er über Freud und Leid beim Fernsehen und erinnert sich an sein Studium in der „Medienhauptstadt“ Mittweida.

Als Chefredakteur des Ausbildungsprojekts medienMITTWEIDA leitete Marcel Fröbe ein Team von 50 Studenten und konzipierte unter anderem den „Vodcast“. Neben dem Studium und seiner Ausbildung als Social Media Manager legte er Zwischenstopps bei der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ ein, arbeitete für RTL-Dokusoaps bei einem Produzenten, recherchierte für das „Kabel Eins“-Dokuformat „Achtung Kontrolle“ und drehte für eine Magazin-Redaktion. Seine erste lange Doku „Lebensende hinter Gittern? Kapitalverbrecher im Rentenalter“ war im August 2013 Programmhighlight auf dem Pay-TV-Sender „SPIEGEL TV WISSEN“: Hier geht´s zur Free-TV-Version.

Im April folgt seine zweite Dokumentation: „Faszination E-Sport“ wird ausgestrahlt in der Reihe „Sport Extrem“. Dort geht er der Frage nach, warum gerade der elektronische Sport Besucherrekorde aufstellt und zehntausende Fans den „Profi-Zockern“ auf digitalen Festivals wie der „DreamHack“ zujubeln. Marcel steht mit beiden Beinen im „Medienleben“. Und trotzdem drückt er jetzt noch einmal die Schulbank an der Berliner Journalistenschule „Axel Springer Akademie“.

Warum hast du Medientechnik gerade mit der Fachrichtung Fernsehen studiert?

Ich bin ein absoluter Fernseh-Freak! Für mich war klar: Ich studiere Medientechnik in Mittweida. Zum Glück hat es bei mir auch direkt 2009 mit den Auswahltests geklappt.

Was begeistert dich am Medium Fernsehen?

Mich fasziniert Bewegtbild. Ich bin scharf auf Emotionen, auf authentische Szenen: All das transportiert eben das Fernsehen − auch als Zuschauer kann ich nicht wegsehen. Von lustig bis traurig in einer Minute, alles ist möglich.

Ich bin im Grunde ein Reality-Typ! Wenn da nicht der Trend zum Scripten wäre… Diese Produktionsweise hat viele Formate verändert, auch wenn die Quoten von Scripted Reality in der Daytime aktuell durchwachsen sind. Es ist wichtig, dass man als Medienmacher auch Produktionsarten für sich ausschließt und nicht jedem Trend hinterher hechelt, gerade wenn man nicht überzeugt ist. Ich muss ja nicht um jeden Preis Fernsehen machen.

Hat dir das Studium in Mittweida bei deiner Arbeit hinter Kamera geholfen?

Mich hat Mittweida sehr geprägt. Fernsehen kann ziemlich viel sein, aber eben auch ein Handwerk. Und das lernt man in Mittweida in allen Facetten. Im Studium habe ich viel probiert; ohne das könnte ich heute weder Filme schneiden, noch animieren.

Experimentierfreude gehört einfach dazu. Seit ein paar Wochen drehe ich jetzt zum Beispiel auch mit Quadrocopter-Drohne und Action-Cam. Die ist mir zwar schon mal aus zwölf Metern abgestürzt, aber für gute Bilder fliege ich trotzdem wieder los.

Also bist du eine „eierlegende Wollmilchsau”? Geht es darum, möglichst viel „so ein bisschen” zu können, aber nichts ganz?

Ich habe einfach Spaß, an dem was ich mache. Ein Spezialist kann sicher mehr – viele Kommilitonen sind damit sehr erfolgreich. Es gibt in den Medien aber kein Schema F. Wir hatten etwa auch 3D-Produktion auf dem Stundenplan und haben stereoskopisch gedreht. Spätestens seitdem ist mir klar, wie gern ich als VJ arbeite.

Du sprichst es gerade schon an: Als VJ hast du deinen neuen Film im Alleingang gedreht. Eine Herausforderung, oder?

Zuerst einmal muss man alles im Blick haben: den Ton, das Bild, aber vor allem den Inhalt. Das kann auch mal weniger gut funktionieren, dafür ist das aber eine sehr sympathische Produktionsweise: Tendenziell verwackelt, aber jung und authentisch.

Ich habe das Gefühl, dass ich als VJ näher ran komme. Ich weiß, dass ich fürs Publikum, aber gerade auch gegenüber den Protagonisten Verantwortung habe. Mit einem herkömmlichen Produktionsteam, mit dem ich ja auch gedreht habe, ist manchmal eine gewisse Distanz verbunden. Wobei Kameramänner natürlich schönere Bilder drehen, die Tonassistenten ein besseres Audio einfangen. Ich produziere als VJ aber nicht schlechter oder besser − einfach anders.

Stichwort anders: Hast du deinen Workflow seit deiner ersten Dokumentation angepasst? Arbeitest du jetzt anders?

Es ist für mich als 23-Jähriger eine Art Drahtseilakt, einen langen Film zu machen. Das schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Ich zumindest nicht. Es ist schon ein kleines Wunder, dass aus einer Menge Rohmaterial und 25 Bildern pro Sekunde irgendwann ein Film wird, der eine eigene Bildsprache hat und einen roten Faden und damit Spannung erzeugt. Das alles zu finden ist aber Teamwork. Ich habe bei meiner Reportage „Faszination E-Sport“ zum Beispiel etwas spontaner gedreht. Aber: Die Zeit, die man in der Vorbereitung spart, die legt man im Schnitt und in der Postproduktion wieder drauf.

Die Reportage „Faszination E-Sport“ wird am Freitag, den 25. April auf „SPIEGEL TV Wissen“ ausgestrahlt. Einschalten lohnt sich!

Du hast dich mit folgendem Tweet aus Mittweida verabschiedet:

Was wirst du vermissen?

Nicht vergessen werde ich das Gefühl, beim ersten „Versuch“ die Mathe-Prüfung geschafft zu haben. Auch von Elektrotechnik und Signal- und Systemtheorie bleibe ich im Alltag als Journalist verschont.

Aber im Ernst: Wir konnten und durften neben den Vorlesungen sehr viel Produzieren, Experimentieren − zeigen, wie es besser geht − auch mal Versagen. Im Nachhinein bin ich froh, dass wir jeden Freitag bis 21:45 Uhr Mediendesign hatten und ewig Standbilder analysiert haben. Der „Vodcast“, „Propeller TV“, „99drei Radio Mittweida“, das „Medienforum“… Wir haben schon sehr schöne Projekte gemacht, parallel zum Studium!

An welchen Projekten arbeitest du aktuell?

Ach, ich habe da ein paar Ideen! Die kann ich aber jetzt nicht auf dem Silbertablett servieren. Erst mal freue ich mich aber, dass ich bei „Axel Springer“ lernen kann, wie Print funktioniert.

 Text: Josefine Elze, Foto: Eric Paul, Foto-Prisma.de.