Viele Menschen in Deutschland assoziieren mit Computerspielen in erster Linie die sogenannten „Killerspiele“ oder einfach nur „reine Zeitverschwendung“ im Alltag. Dass aber Spiele so viel mehr als nur Spaß in der virtuellen Welt bieten können und was man aus ihnen lernen kann, wissen die Wenigsten.

Erst vor Kurzem titelte der „Spiegel“ im Heft 3/2014 „Spielen macht klug“. Das Nachrichtenmagazin will in seiner Titelstory klarstellen, dass Videospiele nicht nur als Zeitverschwendung zu betrachten sind und das sie mehr als Killerspiele sein können. Sie sollen uns auch einen geistigen Mehrwert bieten, eine neue Form des zwischenmenschlichen Umganges ermöglichen und sogar dazu dienen, Krankheiten zu heilen.

Krankheiten heilen? Ja, dabei sollen Spiele auch helfen. Zum Beispiel das Spiel „Re-Mission“, ein Side-Scroller-Spiel für krebskranke Kinder und anerkannter Teil der Therapie in einigen Krankenhäusern in den USA. In dem Spiel schießen Kinder auf angreifende Krebszellen. Der Sieg erhöht bei den Kindern den Glauben daran, dass sie den Krebs besiegen können. Wissenschaftliche Studien und der Alltag in den Kliniken zeigen, dass das Spiel die Widerstandskraft der Kinder erhöht und auch die Verträglichkeit von Medikamenten verbessert.

Next Level: Spielend lernen?

Aber macht das „Zocken“ von Videospielen denn auch klug, wie es im „Spiegel“ heißt? Die Antwort ist: ja und nein. Spielen ist nicht gleich lernen, aber spielen kann zum Lernen genutzt werden. Dieser Meinung ist auch Hans Mogel, Professor für Psychologie an der Universität Passau, „Lernen kann man nicht durch Spielen ersetzen – und umgekehrt. Aber die beiden Systeme ergänzen sich wechselseitig“, er fand in einer Studie heraus, dass die Lernmotivation von Kindern, die vor dem Unterricht eine Stunde gespielt hatten, deutlich und dauerhaft höher war als in der Vergleichsgruppe.

Außerdem konnte in den letzten Jahren auch nachgewiesen werden, dass durch das Spielen von Videospielen einige Fähigkeiten verbessert werden können, die im realen Leben überaus nützlich sind. Rolf Nelson, Professor der Psychologie im „Wheaton College“, untersuchte den Einfluss von Videospielen auf die kognitiven Fähigkeiten. „Wenn Sie ‚Halo‘ mit anderen Spielern spielen, müssen Sie deren Position im Auge behalten und Freund von Feind unterscheiden“, so Nelson, „Videospieler sind im wirklichen Leben daher zum Beispiel in der Lage, ihre Schlüssel in einem unaufgeräumten Zimmer schneller wiederzufinden.“ Diese und weitere Fähigkeiten können durch Spiele verbessert werden:

Man kann durch Spiele auch seine Englischkenntnisse erweitern und verbessern. Im bekannte und sehr erfolgreichen Spiel „Grand Theft Auto V“ von „Rockstar Games“, welches innerhalb von nur drei Tagen einen Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar einbrachte, gibt es zum Beispiel nur Englisch als Dialogsprache. Die Konsequenz: Eine spielende Auseinandersetzung mit der englischen Sprache.

Schattenseiten der Spielewelt

Aber es gibt nicht nur positive Seiten von Videospielen. Sehr viele Menschen, die Spaß am Computerspielen haben, kennen das Gefühl: Jetzt ist gerade ein ganz ungünstiger Zeitpunkt aufzuhören! Ich muss erst einmal diese eine Aufgabe noch lösen! Und ehe man sich versieht, ist das Essen schon kalt, der Termin schon verpasst oder gar die Sonne schon aufgegangen.

Wenn das hin und wieder geschieht, ist das nur ein Zeichen dafür, dass sich der Spieler auf ein Spiel und dessen Faszination eingelassen hat. Geschieht dies aber regelmäßig und dominiert Computerspielen die Freizeit, stellt sich zunehmend die Frage, ob die Erfolge im Computerspiel noch Erfahrungen im realen Leben positiv ergänzen, oder ob sie Defizite kompensieren sollen. Je nach Ausprägung und Definition wird das exzessive Spielen von Computerspielen als Computersucht, Computerspielsucht oder Online-Spielsucht bezeichnet. Die wesentlichen Ursachen für Suchtverhalten liegen dabei in der einzelnen Person, der Psyche und ihren Lebensumständen begründet, nicht im Spiel selbst.

Game over: Zeitverschwendung

Video und PC-Spiele sind also keine reine Zeitverschwendung. Sie bringen einen gewissen Mehrwert mit sich, sollen die Denk- und Gedächtnisleistung erhöhen, das räumliche Vorstellungsvermögen steigern und sogar beim Heilen von Krankheiten hilfreich sein. Man sollte aber auch die Gefahren von Spielen bedenken und abschätzen können, denn dann ist der Konsum von Videospielen im Grunde ein gewöhnliches Hobby wie Fußball oder Tischtennis.

Text und Slider: Tobias Patzschke, Grafik: Kristin Jacob.