Pro & Contra

Ist Video on Demand besser als lineares TV?

von | 16. Mai 2018

Endlich Feierabend, endlich zu Hause! Und dann? Tasche in die Ecke schmeißen, schnell Essen kochen, Fernseher an oder doch lieber „Netflix and chill“? Mehr Information und Livecharme vs. Flexibilität und Individualität. Falls ihr eine Entscheidungshilfe braucht: Wir haben unabhängig voneinander für beide Angebote die Stärken zusammengestellt. 

Pro: Video on Demand – Eine Möglichkeit frei zu wählen, wann und wo man unterhalten wird

Nach Hause kommen, sich auf das Sofa setzen und fernsehen. Diese Zeit kenne ich noch gut.

Mittlerweile schaue ich meine Lieblingsfilme und -serien auf dem Weg in die Uni. Ihr müsst wissen: Ich pendle mit dem Zug von Dresden nach Mittweida – und das nicht nur am Wochenende. Das heißt für mich, regelmäßig drei Stunden Zugfahrt an einem Tag mit sinnvollem Input zu füllen. Deshalb sind Streamingdienste für mich ideal. Für meine langen Fahrten nutze ich Netflix. Dieser gehört zu den Video on Demand-Diensten. Das heißt, man kann Filme und Serien sehen, wo und wann man will.

Um Netflix im Zug nutzen zu können, ist allerdings eine App sowie ein kostenpflichtiges Abo von Nöten. Diese App kann auf Tablets sowie auf Smartphones genutzt werden. „Netflix im Kleinformat“ sozusagen. Somit ist man nicht auf größere Geräte wie einen Laptop oder tatsächlich einen Fernseher angewiesen. Man trägt diesen Streamingdienst praktisch als kleinen Wegbegleiter in seinem Rucksack mit sich.

Wer nun aber sagt: „Hey, das klingt ja schon gut, aber was ist mit meinem ganzen Datenvolumen? Sind Netflix und Co. es wirklich wert, dieses aufzubrauchen?“ Tja, auch dafür gibt es eine Lösung: Es ist möglich, diverse Filme und Serien vorab herunterzuladen. Das heißt jeder kann seine Lieblingsserien und -Filme offline ansehen, ohne sein mobiles Internetkontingent zu verbrauchen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Netflix sowie Amazon Prime Video beinhalten, sind die eigens produzierten Serien und Filme. Diese haben oft von eine gute Qualität, was sich auch am Cast zeigt: Persönlichkeiten wie Brad Pitt (War Machine) oder auch Will Smith (Bright) standen für den Video on Demand-Dienst Netflix vor der Kamera.

Nun könnte ein negativer Aspekt aber auch sein, dass Netflix und Co. beständige Familienzeiten, wie Freitagabend einen Blockbuster zu sehen, sinnlos machen. Dies könnte wiederum dazu führen, dass die familiäre Zweisamkeit darunter leidet. Dem widerspreche ich. Wieso nicht einfach einen Wochentag als gemeinsamen Familientag auswählen? Weshalb nicht einfach eine gute Serie dann sehen, wenn alle Zeit haben? Mit Streamingdiensten wie Netflix kann die Zeit mit der Familie unabhängig von einem TV-Programm gestaltet werden.

Video on Demand steht also nicht nur für Freiheit und Vielfalt, sondern auch für ein besinnliches Zusammensein mit der Familie.

Flexibilität ist für Kristin Weber das Hauptargument für Video on Demand. (Foto: Madelaine Schreiber)

Contra: Fernsehen ist die perfekte Kombination aus Unterhaltung und Information – für die ganze Familie

Ich freue mich schon auf den 17. Juni 2018. Da startet die deutsche Fußballnationalmannschaft in Weltmeisterschaft (WM). Ich kann die schwarz-rot-goldenen Fanartikel herausholen, mich mit der ganzen Familie vor den Fernseher setzen und dann die Live-Übertragung genießen. Egal ob WM, Olympia, oder eine gute Unterhaltungsshow: Ich liebe es, Live-Sendungen zu sehen. Da ereignen sich die witzigsten Szenen und es kann nicht alles aufwendig in der Postproduktion perfektioniert werden. Das ist viel authentischer.

Bleiben wir bei der Übertragung der WM. Seid ihr schon einmal während eines Entscheidungsspiels durch die Stadt gelaufen? In fast jedem Haus läuft das Spiel und sobald ein Tor fällt, weiß es auch der letzte Fußball-Hasser durch die Torschreie überall. Am nächsten Morgen reden alle von der Übertragung, weil Fernsehen massentauglicher ist als eine Serie auf Netflix, die eine kleinere Zielgruppe anspricht. Denn bei Serien hat jeder einen anderen Geschmack und eine viel größere Auswahl an Alternativen.

Wenn ich den Fernseher anschalte, läuft meistens ein Sportgroßereignis, eine bevorzugt live ausgestrahlte Unterhaltungsshow – oder die Tagesschau. Ich möchte nicht nur unterhalten, sondern auch informiert werden. Up to date zu bleiben, in Echtzeit Informationen zum Wahlergebnis zu bekommen – bei Live-Nachrichten ist genau das möglich. Oder durch modern aufbereitete Dokumentationen und Reportagen, mit denen man einige bekannte Thematiken nochmal aus ganz anderen Blickwinkeln betrachten kann. Damit bildet sich oftmals eine differenzierte Meinung heraus. Wenn ich mal wieder nicht schlafen kann, schaue ich auch gerne Talkshows an, sobald mich die Thematik interessiert. Real-Talk bietet Netflix nicht, da spielen Schauspieler eine Figur, im linearen TV werden neben Fiktionsfiguren auch „echte“ Menschen und ihre Geschichten dargestellt.

Im Idealfall wird im linearen Fernsehen Information mit Unterhaltung verbunden, wenn in der Halbzeitpause beispielseise das Heute Journal gesendet wird. Netflix bietet nur Unterhaltung, dagegen liefert vor allem das öffentlich-rechtliche Fernsehen zusätzlich Informationen, die somit auch die jüngere Zielgruppe erreichen – perfekt für eine gute Allgemeinbildung!

Für Annika Braun ist der Live-Charakter des linearen TV wichtig. (Foto: Vivian Kretzschmar)

Texte und Titelbild: Annika Braun & Kristin Weber