Der Kinder- und Jugendverein „Halle 5 e.V.“ in Leipzig bietet Kindern einen Platz zum Spielen, Treffen und Lernen. Doch der Verein erhielt immer weniger finanzielle Unterstützung und brauchte Hilfe, um seine Existenz zu sichern. Eine Herausforderung, der wir uns im Rahmen unseres Crossmedia-Projektes stellten.

Als ich vor knapp einem halben Jahr zum ersten Mal von dem „Halle 5 e.V.“ in Leipzig hörte, hätte ich mir niemals ausmalen können, was der Verein für uns alle noch bedeuten würde. Eine Zeit voller Höhen, Tiefen und viel Anspannung, aber auch eine Zeit voller Freude und Begeisterung. Vor allem aber bedeutete er eins: viel Arbeit. Doch der Stress war durchgehend positiv, denn die Mitarbeiter unseres Vereins und unser gemeinsames Ziel motivierten uns, durchzuhalten – mit Erfolg.

Von der Problemanalyse zur Zielstellung

Zusammen mit Management-Projektleiterin Elina Mussaew, unserem neunköpfigen Team und mir als technischen Projektleiter, war es unsere Aufgabe den Verein „Halle 5 e.V.“ in Leipzig mit einer crossmedialen Kampagne zu begleiten. In einem ersten „Briefing“ mit unserer Projektpartnerin und Geschäftsführerin des „Halle 5 e.V.“ Ines Lufsky konnten wir uns einen ersten Eindruck von dem Verein und den Herausforderungen verschaffen, vor denen er stand.

Das Problem der „Halle 5“: Die Stadt hatte den Kinder- und Jugendvereinen in den letzten Jahren wiederholt die Fördergelder gekürzt. Mittlerweile war nur noch so wenig finanzielle Unterstützung übrig geblieben, dass an vielen Stellen im Verein gespart werden musste. So sehr, dass er nur noch drei Festangestellte beschäftigen konnte, die sich jedoch mit der anstehenden Arbeit oft überfordert sahen. Als weiteres Problem galt die Tatsache, dass der Verein seine missliche Lage nicht richtig nach außen kommunizieren konnte. Unsere Projektpartnerin Ines Lufsky erklärte uns, dass von Außenstehenden oft fälschlicherweise angenommen würde, der „Halle 5 e.V.“ gehöre zum finanziell stabileren Verbund „Werk 2 e.V.”, da sich beide auf dem gleichen Grundstück in Leipzig befinden.

Wir sahen unsere Hauptaufgabe also in der Beschaffung von Sponsoren, die den „Halle 5 e.V.“ langfristig unterstützen. Diese sollten künftig auch für eine bessere Kommunikation nach außen sorgen, um die Wahrnehmung des Vereins in der Öffentlichkeit und besonders unter den Bürgern der Stadt Leipzig zu stärken und richtigzustellen. Als potentielle Sponsoren kamen dabei für uns insbesondere regionale mittelständische Unternehmen in Frage, da sie eine lokale und persönliche Verbindung zu Leipzig und den Problemen des Vereins herstellen können.

„Halle 5 e.V.“ – besonders vielfältig

Im Gegensatz zu allen diesjährigen Crossmedia-Projekten ging es uns also nicht vordergründig um die Anwerbung neuer Kunden beziehungsweise Mitglieder, sondern um die Beschaffung finanzieller Unterstützung. Das erfordert natürlich eine andere und schwierigere Herangehensweise. Doch was ist das Besondere am Kinder- und Jugendzentrum? So galt es zunächst das Alleinstellungsmerkmal der „Halle 5“ herauszufinden, um unsere Kampagne von anderen Vereinen abzuheben und das Interesse dafür zu steigern.

Wie viele Jugendvereine in Leipzig bietet die „Halle 5“ zunächst zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten für Jugendliche an. Was sie dabei jedoch von vielen anderen Vereinen im Leipziger Süden unterscheidet, ist die Tatsache, dass viele der Angebote und der Aufenthalt in der „Halle 5“ mit keinerlei Kosten verbunden sind. Der Verein ist somit vor allem Anlaufpunkt von Kindern aus sozial schwachen Familien, die sich keine kostenpflichtigen Freizeitaktivitäten oder -betreuungen leisten können. Außerdem stehen die Entwicklung der Kinder im Umgang miteinander und die Aufklärungsarbeit über ernste Themen, wie Alkohol- oder Drogenkonsum im Mittelpunkt der Vereinsarbeit.

Der Verein gibt also auch Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen eine Perspektive. Daher überlegten wir uns in unserer Kampagne aufzuzeigen, wie wichtig die „Halle 5“ für Kinder und Jugendliche in Leipzig ist: Denn wo sollten diese dann sonst ihren Nachmittag verbringen dürfen, wenn es die „Halle 5“ nicht mehr gäbe? Mit der Anfertigung einer Sponsorenmappe und eines Videos wollten wir das Thema emotional an unsere Zielgruppe heranführen. Um auf unsere Kampagne und die Lage des Vereins kritisch aufmerksam zu machen, produzierten wir außerdem ein Video, das sich sowohl an potentielle Sponsoren als auch an die Bürger Leipzigs richtet:

Mit Händen Zeichen setzen!

Nun ging es also an die Entwicklung der Leitidee, die sich durch die gesamte Kampagne ziehen sollte – der wohl schwierigste aber auch wichtigste Teil in der Entwicklung eines solchen Projekts. Nach vielen Stunden des Brainstormings kamen wir dann zu der folgenden Überlegung: Es ging uns darum, die Botschaft zu übermitteln, dass sich jeder für die „Halle 5“ einsetzen kann. Denn jeder kann sein individuelles Zeichen setzen, um die „Halle 5“ zu unterstützen, egal ob als großes Unternehmen oder Privatperson. Wir kamen somit auf die Idee, dass ja der Handabdruck eines jeden Menschen in seiner Beschaffenheit zu einhundert Prozent individuell ist und mit seinem Hinterlassen auch ein individuelles Zeichen setzen kann. Anhand dieser Ausgangsidee formulierten wir dann unseren Kampagnenclaim „Mit deiner Hand ein Zeichen setzen!“. Ausgehend von diesem Claim planten wir, Aktionen in der Innenstadt Leipzigs durchzuführen, bei denen Passanten auf einer Leinwand ihren Handabdruck für die „Halle 5“ hinterlassen konnten, um auf unsere Kampagne aufmerksam zu machen:

Grafisch hervorgehoben werden sollte die Kampagne durch die Grafik einer angemalten Kinderhand. Diese stellt nicht nur einen direkten Bezug zum Claim her, sondern symbolisiert durch ihre Verspieltheit unter anderem auch, dass es bei unserer Aktion und der „Halle 5“ eben um Kinder geht. Die 5 Finger der ausgestreckten „High-Five“-Hand bildeten außerdem eine passende Verbindung zur „Halle 5“. Die Hand und die von uns gewählte Leitfarbe Orange, die sich selbst an vielen Stellen in der „Halle 5“ wiederfindet und die Lebendigkeit und Kreativität des Vereins nach außen trägt, sind dabei fester Bestandteil unseres Corporate Designs, das wir für den Verein entwickelten. Das Logo der „Halle 5″ selbst entstammt dabei jedoch nicht unserem Projekt, sondern wurde auf Wunsch unser Projektpartnerin nicht verändert oder neu konzipiert. Daher nutzten wir die Hand im Logo immer dazu, um die Verbindung zu unserer Kampagne herzustellen.

Eine flexible Kampagne

Während wir noch die Kampagne ausarbeiteten, hatten sich plötzlich die Ausgangsbedingungen in Leipzig geändert. Oder besser gesagt, sie änderten sich fortlaufend! Ende letzten Jahres kündigte die Stadt Leipzig zunächst unvermittelt an, nun noch weiter im Jugend- und Kulturetat sparen zu wollen, um die Stadtschulden senken zu können. Nach ersten Protesten der Leipziger Bevölkerung äußerte sich Oberbürgermeister Burkhard Jung daraufhin zu besagten Kürzungsplänen und gab bekannt, dass es zu keinen Einsparungen in diesem Bereich kommen würde. Doch der Stadtrat verkündete kurz darauf, er wolle die Kürzung auch entgegen der Meinung des Oberbürgermeisters durchführen. Die Stadt Leipzig schien also selbst nicht zu wissen, was sie will. Daher mussten wir mit den Leipzigern in dieser Zeit bangen, ob es nun zu den angekündigten Kürzungen kommen würde oder nicht.

Am Ende hieß es, dass die Kürzungen schon sehr viel früher eintreffen würden, als es ursprünglich bekannt gegeben worden war. Besonders hart würde eine solche Kürzung natürlich die Kinder- und Jugendvereine treffen, die ohne die finanzielle Unterstützung der Stadt definitiv schließen müssten. Welche Vereine die Kürzungen betreffen sollten, wollte die Stadt Leipzig innerhalb der nächsten Wochen bekannt geben. Und so war auch der „Halle 5 e.V.“ plötzlich akut bedroht. Es ging für uns jetzt also nicht nur noch darum, dem Verein eine stabilere Finanzlage zu ermöglichen sondern seine ganze Existenz zu sichern. Mussten wir unsere Kampagne noch einmal komplett umwerfen?

Nicht alles auf Anfang…

Glücklicherweise fanden wir eine Lösung, wie wir einen Großteil unserer bisherigen Idee in das neue Konzept einarbeiten konnten. Tatsächlich veränderten wir nichts an der Leitidee oder Zielgruppe, sondern erweiterten sie nur. Neben Sponsoren, die wir nun versuchen wollten mit unserer Kampagne anzuwerben, richteten wir uns mit unserer Kampagne nun auch direkt an die Bürger Leipzigs, um mit ihnen gemeinsam die neu geplanten Kürzungen der Stadt zu verhindern. Wir arbeiteten mit der Gruppe „Protest Leipzig“ zusammen und sammelten Unterschriften für eine Online-Petition, die am Ende der Stadt Leipzig vorgelegt werden sollte. Wir wussten, dass solche Bürger-Aktionen vor allem in Leipzig schon in der Vergangenheit Beschlüsse der Stadt beeinflussten und auch zum Scheitern brachten.

An unserer bisher entwickelten Leitidee konnten wir also festhalten. Und auch unsere geplante Aktion mit dem Stand in der Innenstand Leipzigs konnten wir umsetzen. Die Menschen konnten dort jetzt nicht mehr nur ihr „Handzeichen setzen“, sondern auch gleich für die Online-Petition gegen die Kürzungen unterschreiben. Auch auf dem Weihnachtsmarkt der „Halle 5“ waren wir mit einem Stand dabei und sammelten Unterschriften und Meinungen der Leipziger Bürger über die Kürzungspläne der Stadt. Natürlich hatte auch hier wieder jeder Unterstützer die Möglichkeit, neben der Unterschrift noch sein persönliches Handzeichen auf unserer Leinwand zu hinterlassen. Während der ganzen Zeit berichteten wir natürlich auch auf Facebook und Twitter über unseren Stand. Einen Zusammenschnitt der ganzen Weihnachtsmarktaktion gibt es hier noch einmal in einem Video zum Nachschauen:

Ziel erreicht – „Halle 5“ gerettet!

Wir alle konnten bei der Arbeit an diesem Projekt eine Menge lernen. Wir haben viel darüber gelernt, wie es ist, in einem so großen Team zusammenzuarbeiten und das Miteinander zu koordinieren. Wir haben viel darüber gelernt, wie es ist, eine crossmediale Kampagne aufzuziehen und flexibel zu arbeiten. Und der bzw. die ein oder andere von uns hat vielleicht auch etwas über sich selbst lernen können.

Doch bei all unseren durchgeführten Aktionen und umgesetzten Ideen ist es natürlich besonders schön, wenn das am Ende Erreichte über den Lerneffekt hinausgeht. In diesem Zusammenhang war es für uns als Team und für die „Halle 5“ eine große Freude Ende letzten Jahres erfahren zu dürfen, dass es aufgrund der Bürgereinwände zu keinen Vereinsschließungen und Fördergeldkürzungen kommen wird. Wir hatten gemeinsam mit den Bürgern Leipzigs genug Unterschriften sammeln können, um die Schließung der „Halle 5“ und auch anderer Jugendvereine in Leipzig durch die Stadt zu verhindern. Das ist natürlich nicht allein nur unser Verdienst.

Nur durch die Unterstützung und die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und vielen freiwilligen Unterstützern in Leipzig ist es möglich gewesen, dieses Ziel zu erreichen. Ihnen gebührt noch einmal unser Dank. Natürlich braucht die „Halle 5“ auch weiterhin unsere Unterstützung und unseren Zusammenhalt, damit sie erneut, sollte die Stadt Leipzig eines Tages wieder Kürzungspläne im Sozial- und Kulturetat in Betracht ziehen, verteidigt werden kann. Doch wir konnten den Menschen in Leipzig zeigen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können und jeder die Möglichkeit hat, sich für ein gemeinsames Ziel einzubringen.

Mein Team und ich hoffen, dass wir mit unserer Kampagne auch längerfristig ein Zeichen setzen und zeigen konnten, dass die Stimmen vieler Einzelner zusammen etwas bewegen können.

Text: Tim Bergelt. Foto/Video: Crossmedia-Projekt „Halle 5 e.V.“.