Papier oder Laptop – Womit studiert es sich besser?

von | 30. November 2018

Tastatur versus Papier – Bei welcher Methode ist der Lerneffekt im Studium am größten? Foto: Judith Budai

Während die einen auf die papierlose Variante des Mitschreibens setzen, schwören die anderen auf die altbewährte Methode mit Papier und Stift. Doch mit welcher Arbeitsweise lässt sich das Studium am besten meistern? Erfahre hier die Vor- und Nachteile sowie hilfreiche Tipps für die Gestaltung und Organisation deiner Mitschriften. 

Mehr Erfolg mit Papier?

Eine Studie der US-Militärakademie prüfte die Leistungen von Studenten in einem Wirtschaftsfach. Dabei verglichen sie den Lerneffekt von Vorlesungen, in denen die Studenten Laptops und Tablets eingeschränkt, uneingeschränkt und überhaupt nicht nutzen durften. Die Studie ergab, dass diejenigen, welche Stifte und Papier benutzten, eine wesentlich bessere Leistung erzielten, als Studenten die einen Laptop oder ein Tablet zur Verfügung hatten. Ein noch ausführlicheres Ergebnis zeigten die Untersuchungen der Psychologin Pam Mueller von der Princeton University und Daniel Oppenheimer von der UCLA Anderson School of Management. Sie fanden heraus, dass handschriftliche Aufzeichnungen in der Regel zwar weniger Wörter enthielten, der jeweilige Sachzusammenhang aber vom Verfasser meist besser dargestellt wurde. Die Forscher stellten ebenso fest, dass diejenigen, die viel mit schrieben, später auch deutlich mehr Inhalte wiedergeben konnten. Allerdings zeigte sich auch: Je wörtlicher die Mitschrift war, desto weniger Inhalte blieben im Gedächtnis hängen. Wer hingegen mit Stift und Papier nur den Kern der Informationen notiert hatte, konnte Informationen deutlich besser wiedergeben. Selbst die Vorgabe der Forscher an ihre Probanden, wörtliches Mitschreiben möglichst zu vermeiden, brachte den Laptop-Nutzern keinen spürbaren Erfolg. Auch mehrere Wochen nach den wissenschaftlichen Tests stellten die Forscher fest: Die Probanden, die ihre Notizen per Hand gemacht hatten, konnten die vorgetragenen Inhalte deutlich besser wiedergeben und das obwohl beide Gruppen ihre Mitschriften vorher noch einmal studieren durften.

Das Skizzieren, Formeln mitschreiben oder Bilder zeichnen fällt mit dem Block oft leichter als mit dem Laptop oder Tablet. Außerdem ist beim Papier der Akku nie leer, es kann herunterfallen ohne dabei kaputt zu gehen und zu Systemabstürzen kommt es auch nie. Mitschriften mit dem Laptop oder Tablet hingegen sind sicher vor Kaffee- und Marmeladenflecken. Auch Stichwörter lassen sich dank der Volltextsuche leichter finden. Da mittlerweile viele Dozenten ihre Skripte im Internet veröffentlichen, können diese auf den Laptop oder das Tablet heruntergeladen und bearbeitet werden, ohne etwas auszudrucken. Letzteres ist zudem auch für die Umwelt besser. Aber auch Pendler, die einen langen Weg zur Uni haben, können sich so das Schleppen von Büchern und Dokumenten sparen. Die digitalen Mitschriften lassen sich außerdem leichter mit anderen austauschen.

Digital: Damit klappt’s!

Mit der Stiftfunktion des Onlinedienstes Evernote kann man sich Notizen machen, Bilder einfügen und vieles mehr. Der Dienst lässt sich außerdem auf mehreren Geräten installieren. So werden Notizen auf einem Gerät automatisch auf allen anderen synchronisiert. Apps wie CamScanner erlauben es, Dokumente unkompliziert zu digitalisieren. Mit Hilfe von Programmen wie LectureNotes können direkt auf dem Bildschirm Mitschriften erstellt, Notizen importiert und PDF- oder Bilddateien ergänzt werden. Mit OneNote, ebenfalls ein digitaler Notizblock, können Videos und Fotos abgelegt werden. Außerdem sind mit einem Tablet-PC oder Smartphone auch handschriftliche Notizen möglich.

So behälst du immer den Überblick

Für einen besseren Überblick empfiehlt sich bei handschriftlichen Unterlagen ein Ordnungsschema, das sich durch alle Mitschriften im Studium gleichbleibend durchzieht. Dieses könnte so aussehen:

-Lose Blätter (DIN-A4) für jedes Fach

-Datumsangabe und Seitenzahl auf jedem Blatt

-Beschriftung nur auf einer Seite, damit die Unterlagen jederzeit durch Zusatzblätter oder neue Informationen ergänzt werden können

-Entwurf eines Musterblattes um Mitschriften effektiver erstellen zu können

-Dreiteilung des Blattes in einen Bereich für die eigentlichen Notizen auf der linken Seite, eine 4,5 cm breiten Spalte für Stichworte sowie Fragen auf der rechten Seite und einem ebenfalls 4,5 cm breiten Streifen entlang des unteren Bereichs für die Nachbereitung wie weiterführende Gedanken und Kontrollfragen

-während des Schreibens nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig festhalten, wichtig sind Hauptaussagen, also wer mit wem, wo, was, wie und warum

-Namen, Daten und Literaturhinweise notieren

Um gute Mitschriften verfassen zu können, ist es ebenfalls von Vorteil, ausgeschlafen, neugierig und vor allem offen für neues Wissen in die Vorlesung zu gehen. Außerdem kann schon vorher gedanklich zusammengefasst werden, was einem über das bevorstehende Thema bekannt ist. Ebenso empfiehlt sich eine eingehende Sichtung der Unterlagen aus der letzten Vorlesung. Ein Sitzplatz in den vorderen Reihen begünstigt außerdem ein ungestörtes Zuhören.

Noch effektiver wird der Lerneffekt durch das Vergleichen und Besprechen der erstellten Unterlagen mit den Kommilitonen. Denn dabei werden nicht nur die eigenen Mitschriften vervollständigt und ergänzt, sondern auch die Lerninhalte wiederholt und aus anderen Blickwinkeln reflektiert. Sie sollten daher innerhalb von 24 Stunden nach der Vorlesung durchgearbeitet werden, weil sie dann noch so frisch im Gedächtnis sind, dass sie rückblickend beurteilt und reflektiert werden können. Ebenso wichtig ist eine ausführliche Nachbereitung der Lerninhalte. Diese kann nach folgenden Schritten erfolgen: Zunächst werden alle Notizen durchgelesen sowie eine klare und logische Gliederung mit Überschriften und Zwischentiteln erstellt. Gliederungspunkte werden an den Seitenrand geschrieben und wichtige Aussagen unterstrichen. Zum Schluss werden unwichtige Teile rausgenommen und Anregungen, Beispiele sowie weiterführende Literatur notiert.

Text und Foto: Judith Budai